Interview mit Christian Rach „Man muss verstehen, was auf der Packung steht" - Kochshows

Restaurant-Retter und Star-Koch Christian Rach über die Bewertung und Wertschätzung von Lebensmitteln, gute Ernährung und den Zusammenhang zu nachhaltiger Produktion.

Donnerstag, 20. September 2012 - Management
Reiner Mihr
Artikelbild „Man muss verstehen, was auf der Packung steht" - Kochshows
Bildquelle: Steven Haberland

Inhaltsübersicht

Kochshows haben Konjunktur, TV-Köche wie Sie sind prominenter als mancher Showmaster – aber Metzger oder Bäcker will keiner werden. Und die meisten Verbraucher können kaum noch einen Suppenknochen auslösen. Der Umgang mit Lebensmitteln scheint für die Mehrheit der Menschen – außer wenn Sie im Fernsehen dabei zusehen – wenig populär zu sein. Woran liegt das?
Sie haben Recht – und wieder auch nicht. Metzger, Bäcker, Köche haben Nachwuchsprobleme. Aber das hat mehr mit den Arbeitsbedingungen und der Bezahlung zu tun. Die Probleme des Berufsbildes haben mit dem Interesse an Lebensmitteln nichts zu tun.

Verbraucher haben immer weniger Wissen über die Herkunft der Lebensmittel. Kühe sind lila, Fleisch kommt aus der Truhe, Erbsen aus dem Tiefkühlfach. Ist das der Lauf der Zeit, oder kann man das ändern?
Ernährungslehre gab es schon früher. Im Zuge der gesellschaftlichen Veränderungen, der Berufstätigkeit von Mann und Frau, wurde das wohl nicht mehr für nötig erachtet. Dadurch gingen natürlich viele traditionelle Ernährungs- und Kochkenntnisse verloren. Das Grundwissen über Ernährung und die wirtschaftlichen Zusammenhänge gehört in die Schule, weil das Elternhaus dies häufig nicht mehr vermitteln kann. Das wäre gesellschaftlich sehr vernünftig – denken Sie nur an die Höhe der ernährungsbedingt verursachten Gesundheitskosten.

In den Verbraucherbefragungen der LEBENSMITTEL PRAXIS zeigen sich die Verbraucher sehr interessiert, vor allem an Marken. Ist das gerechtfertigt? Wie beurteilen Sie Ergebnisse, wie sie zum Beispiel bei der LP-Befragung „Produkt des Jahres" herauskommen?
Marke ist Vertrauen, Bekanntheit, Image. Das ist ja nun nichts Schlechtes. Und die enorme Leistung, Abermillionen Menschen satt zu machen, geht nicht von Hand, sondern muss in Großproduktion erfolgen. Aber das doch bitte klar und offen. Ich kann oft die Ablehnung einer möglichst klaren Deklaration, z.B. bei Zusatzstoffen, nicht verstehen. Die Verbraucher müssen allerdings auch hinschauen, ob die Marke hält, was sie verspricht. Der Verbraucher hat hier seine Macht noch gar nicht richtig erkannt.

Sie haben als Koch und Verbraucher bei den „Produkten des Jahres" genauer hingeschaut. Welche Beispiele fanden Sie gut?
Wir haben eine wirklich gute Salami gefunden, eine Baguette-Salami von Aoste, und die Mehrkornbrötchen zum Aufbacken von Sinnack haben überzeugt.

Was tun Sie eigentlich, wenn Sie nicht kochen, nicht Restaurants retten oder Produkte testen?
Sie werden's nicht glauben, aber einfach mal nix tun, hier an der Elbe sitzen, 'ne Currywurst oder etwas anderes Gutes essen, mit Freunden reden. Das reicht schon.