Anuga 2017 World-Food-Center - Anuga 2017: Fleisch, Wurst, Geflügel

Ein verstärktes Ernährungsbewusstsein und veränderte Konsumgewohnheiten prägen die auf der 34. Anuga vorgestellten Innovationen. Neue Trends bauen auf bestehenden auf. Viele Grenzen verwischen. Rekordverdächtig: die Zahl der Aussteller.

Montag, 23. Oktober 2017 - Management
Dieter Druck
Artikelbild World-Food-Center - Anuga 2017: Fleisch, Wurst, Geflügel
Bildquelle: Koelnmesse GmbH, Harald Fleissner

Inhaltsübersicht

Fleisch, Wurst, Geflügel

Wie hat das Tier gelebt, bevor es in den Kochtopf kommt? Das ist die Frage, die Verbraucher immer stärker umtreibt. Sie sorgte bei der Messe für Gesprächsstoff.

Mit einem riesengroßen Angebo t, das sich über gleich drei Hallen erstreckte, präsentierte sich die nationale und internationale Fleischbranche dieses Jahr in Köln. Interessant war, dass – anders als in den Jahren zuvor – die Preise zwar auch ein, aber nicht das beherrschende Thema an den Ständen war. Bei den Anbietern von Rind-, Schweine- und Geflügelfleisch wurde vielmehr über Tierwohl und die praktische Umsetzung diskutiert.

Es geht nicht mehr um die Frage, ob mehr Tierwohl in die Ställe kommt. Sondern nur noch, wann und wie die Maßnahmen umgesetzt werden. Doch so sehr Landwirtschaft und Verarbeiter auch an einem Strang ziehen, ein Problem ist – jedenfalls bislang – nicht gelöst: In der Praxis kann der Verbraucher nicht erkennen, ob das Kotelett in der Bedienungstheke von einem Tierwohl-Schwein stammt oder nicht.

Der Konsument finanziert also ein System nach dem Prinzip des Grünen Stroms. Dort weiß er auch nicht, welches Kraftwerk genau den Strom produziert hat, den er gerade über die Steckdose abfordert. Nun liegt es am Handel, die Ware der Initiative Tierwohl in der Frischetheke klar zu kennzeichnen. Wenn der Kunde auch in der Theke ein gelabeltes Stück Fleisch kauft, belohnt er damit sein Gewissen und kurbelt gleichzeitig das System an.

Geflügel: Küken ab dem ersten Tag mit wasser und Futter versorgt
Im Geflügelbereich berichtete das niederländische Unternehmen Plukon ( Marken in Deutschland Stolle, Friki und Fairmast) über eine deutliche Verbesserung der Aufzuchtbedingungen, die in einem Betrieb in Sachsen-Anhalt bereits erprobt wird. Es geht um die allerersten Tage der Tiere. Anders als bei den meisten herkömmlichen Brütereien üblich, werden die Küken bei Plukon direkt nach dem Schlüpfen mit Wasser und Futter versorgt. Die Alternative, auf die die meisten Brütereien setzen: Das Küken versorgt sich anfangs selbst über den Dottersack.

Das früher Füttern bewirkt laut Marketingleiterin Ulrike Rücker, dass die Tiere ein besseres Immunsystem bekommen. Sie kämen vitaler im Mastbetrieb an, seien weniger krank und benötigten in der Folge auch weniger Medikamente als vergleichbare Hähnchen. Weitere Fragen, die beim Tierwohl immer eine Rolle spielen, sind: Wie viele Tiere leben in einem Stall? Wie lange leben die Tiere, bevor sie geschlachtet werden? Und wie hoch ist die tägliche Gewichtszunahme?

Die Schweinehalter diskutierten über das Thema „Kastration“ und Betäubung ohne Veterinär (die LP wird darüber berichten).

Wirkliche Probleme bereitet der Branche der Mangel an Fachkräften. „Es ist schon heute enorm schwierig, einen jungen Menschen für den Ausbildungsbetrieb des Fleischers zu bekommen. Aber gravierende Auswirkungen werden wir erst in den kommenden zehn Jahren spüren“, brachte Leberwurst-Spezialist Peter Cornelius die Sache auf den Punkt.

Das Fleischerhandwerk, das bislang zuverlässig ausgebildet hat, schrumpft. Auch wenn niemand das laut sagt: Aus den Handwerksbetrieben kommen also immer weniger gut ausgebildete Fleischer nach, welche in die industriellen Betriebe wechseln könnten. Gerade die deutsche Fleisch- und Wurstindustrie ist auf Innovationen angewiesen Die Entwicklung und Einführung neuer Produkte kann nicht am Computer erfolgen, sondern braucht auch unbedingt ausgebildete Fachkräfte in der Wurstküche.