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Fokus Nachhaltigkeit Grüner und Schwarzer Tee

Heidrun Mittler | 07. Oktober 2011

Tee stellt in seinen Anbauländern einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor dar. Diese Warenverkaufskunde beleuchtet soziale Aspekte und Umweltfragen .

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Kein anderes Getränk (pures Wasser einmal ausgenommen) wird auf der Welt häufiger getrunken als Tee. Schwarzer Tee, das mit Abstand größte Marktsegment, gehört im Handel zu den unverzichtbaren Produkten. Betrachtet man Tee im eigentlichen Sinn (von der Pflanze Camellia sinensis und daraus resultierendem Grünen und Schwarzen Tee), wird deutlich, wie groß der Wirtschaftsfaktor ist: Rund um den Globus wurden 2010 fast 4,1 Mio. Tonnen Tee produziert. Nach Angaben des Teeverbands trinkt der deutsche Konsument im Schnitt 26 l pro Jahr.

Diese Warenverkaufskunde beschäftigt sich mit Fragen der Nachhaltigkeit bei der Erzeugung, weniger mit den einzelnen Sorten, der Verarbeitung, den Qualitäten oder den unterschiedlichen Eigenschaften. Solche Aspekte werden in eigenen Warenverkaufskunden der Lebensmittel Praxis behandelt. Für einen schnellen Überblick empfiehlt sich ein Blick auf die unten aufgeführten Artikel.

Der Deutsche Teehandel ist mittelständisch geprägt, die Unternehmens- und Handelsstruktur vielfältig. Gemeinsam ist der Branche der persönliche Bezug zu den Lieferanten in den Anbauländern. Im Gegensatz zu Kaffee oder Kakao ist Tee nicht börsennotiert, ein Großteil der Wertschöpfungskette liegt bei diesem Produkt bereits im Ursprung. Allerdings weist der Deutsche Teeverband darauf hin, dass in vielen Anbauländern die geltenden Standards deutlich niedriger als in Deutschland sind. Dies betrifft sowohl die ökologischen Standards als auch die sozialen Standards. Die wichtigsten Exportländer auf einen Blick: Kenia, China, Indien und Indonesien.

Die deutsche Teewirtschaft hat den Anspruch, dass sich alle Aktivitäten der an der Lieferkette beteiligten Partner im sozialen und ökologischen Gleichgewicht befinden. Dazu werden insbesondere alle Beteiligten in die Pflicht genommen, die nationalen und auch internationalen Gesetze und Bestimmungen umzusetzen und einzuhalten. Eine generelle Verbesserung der Situation ist nur Schritt für Schritt möglich.

In der öffentlichen Diskussion stehen beim Thema Nachhaltigkeit mit Umwelt- und Sozialfragen zwei Aspekte im Vordergrund.

Ein Blick auf die Umweltthematik: Tee wird in den unterschiedlichsten klimatischen Regionen dieser Welt angebaut, die spezielle Lösungen erfordern. Dementsprechend sind die Ansätze in den Anbaugebiete unterschiedlich.

Darüber hinaus ist der Anbau in gewisser Weise von Natur aus nachhaltig: Teesträucher können bis zu 100 Jahre alt werden. Im Gegensatz zu jährlich wechselnden Ernten stellen Teegärten aufgrund ihrer Langlebigkeit einen geringeren Eingriff in die Bodengegebenheiten dar. Sofern es die Landschaft fordert, wird einer möglichen Erosion durch geeignete bodennahe Bepflanzung vorgebeugt.

Eine klassische Maßnahme zur Förderung des Ökosystems in Teegärten ist das Anpflanzen so genannter „Schattenbäume“. Sie spenden Erntehelfern Schatten bei der Ernte, außerdem verhindern sie Bodenerosion und bieten einen Lebensraum für erwünschte Insekten (die ihrerseits unerwünschte Schädlinge regulieren, sprich fressen).

Umwelt-Zertifizierungen von Teegärten nehmen weltweit langsam, aber stetig zu. Auch wenn die deutsche Wirtschaft nur knapp ein Prozent der Welt-Ernte abnimmt und damit ihr Einfluss auf die Produktionsbedingung naturgemäß eingeschränkt ist, gibt es verschiedene Kooperationen deutscher Handelshäuser mit ausgewählten Lieferanten in den Anbaugebieten zur Förderung der dortigen ökologischen Bedingungen.

Das wachsende Bewusstsein für ökologische Fragen spiegelt sich im zunehmenden Angebot ökologisch angebauter Tees und dem steigenden Anteil von Bio-Ware im deutschen Markt wider.

Auch in Fragen der sozialen Verantwortung gibt es unterschiedliche Projektansätze: Als Label gibt es im deutschen Markt insbesondere „FairTrade“. Die Teewirtschaft hat dieses System von Beginn an unterstützt. Die verkauften Mengen FairTrade-Tee sind allerdings gering.

Verschiedene deutsche Unternehmen sind in Projekten der GIZ (Deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit) zum Beispiel in Nepal oder China schon seit Jahren involviert. Darüber hinaus gibt es auch eine ganze Reihe firmenspezifischer Projekte.

Grundsätzlich werden die sozialen Maßnahmen insbesondere in den großen Teegärten ständig weiter verbessert: Kindergärten, medizinische Versorgung vor Ort und auch Schulen sind hier inzwischen in den meisten Anbauländern Standard.

Im Gegensatz zu saisonalen Ernten ist den Teegärten daran gelegen, ihre Mitarbeiter vor Ort zu halten. Diese sind bei den Unternehmen auch dauerhaft angestellt.

Daher werden Anreize geboten, um eine Abwanderung in die Städte zu verhindern. Dies hat teilweise schon lange Tradition. So existiert in dem für Deutschland wichtigen Lieferland Indien bereits seit 1951 der „Plantations Labour Act“, ein Gesetz, dass wesentliche Rechte der Arbeitnehmer in der Tee-Wirtschaft festschreibt und über dessen Einhaltung auch das so genannte „Tea Board of India“ wacht. Das Tea Board of India ist eine unabhängige Institution unter der Führung des Handelsministeriums in Neu Delhi und verantwortlich dafür, dass auf den Teeplantagen politische und wirtschaftliche Regierungsbeschlüsse eingehalten werden. Die Aufgabe des Tea Boards besteht vor allem darin, die heimische Tee-Industrie zu fördern und auszubauen. Dazu gehören zum einen die weltweite Vermarktung der Produkte sowie das Erstellen und Verbreiten von Statistiken.

Zum anderen setzt sich das Tea Board aber auch für die Durchführung von sozialen Projekten zu Gunsten der Plantagenarbeiter und deren Familien vor Ort ein.

In Sri Lanka und Kenia gibt es entsprechende Institutionen, in Form der jeweiligen nationalen Tea Boards.