E-Zigaretten zum Wegwerfen Wie die Organisierte Kriminalität tonnenweise Elektroschrott produziert

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Chinesische Tech-Konzerne und traditionelle Zigaretten-Hersteller ringen um den E-Zigaretten-Markt. Für den Berg an weggeworfenen Akkus macht die Branche die Organisierte Kriminalität verantwortlich.

Donnerstag, 11. Juli 2024 - Sortimente
Tobias Dünnebacke
Artikelbild Wie die Organisierte Kriminalität tonnenweise Elektroschrott produziert
Bildquelle: Getty Images

Pünktlich zum Nichtrauchertag kann man altbekannte Reflexe beobachten. Gesundheitsorganisationen, Ärzteverbände und andere nutzen den 31. Mai gewohnt routiniert, um auf die enormen Gefahren des Rauchens hinzuweisen. Neu ist die Antwort aus der Tabakindustrie, die mittlerweile in diesen Kanon einstimmt: „Deutschland, hör auf zu rauchen“, plakatiert Marktführer und Marlboro-Hersteller Philip Morris in mehreren Großstädten. Den erwartbaren Aufreger in den sozialen Medien haben die PR-Strategen des Konzerns, der immer stärker auf alternative Produkte setzt, sicher mit eingepreist. Das Ziel ist klar: Die Branche hat eingesehen, dass klassische Tabakprodukte wie Fabrik-Zigaretten Relikte der Vergangenheit sind. Nun geht es darum, dem Suchtmittel Nikotin das Dämonen-Image auszutreiben, um den neuen Markt zu sichern.

Nikotinhaltige Tabak-Alternativen wie E-Zigaretten boomen. Das Bündnis für Tabakfreien Genuss (BfTG), ein Interessenverband für kleine und mittelständische Unternehmen der E-Zigaretten-Branche, spricht für den deutschen Markt von einem Umsatzsprung von 40 Prozent auf 810 Millionen Euro im Jahr 2023. Für 2024 wird ein Umsatz knapp unter der 1-Milliarde-Marke prognostiziert. Dominiert wird das Geschäft von chinesischen Herstellern wie IMiracle Technology (Elfbar) und Yuxi Electronic Technology (Waka), beide ansässig in der Metropole Shenzhen. Doch auch traditionelle Zigaretten-Konzerne wie Reemtsma (My Blue), Philip Morris (Veev) und British American Tobacco (BAT/Vuse) mischen kräftig mit. In der Kritik stehen die Hersteller vor allem für den Verkauf von Einweg-Vapes, die in der Regel wiederaufladbare Lithium-Akkus enthalten, die aber nach einmaligem Gebrauch zum großen Teil im Hausmüll oder öffentlichen Abfalleimer landen und nicht ordnungsgemäß entsorgt werden.

aut einer Studie des britischen Recyclingbetriebs Material Focus werden allein im Vereinigten Königreich jede Sekunde zwei Einweg-Vapes weggeworfen. Dadurch sollen jährlich so viele Akkus im Müll landen, wie in 1.200 Elektroautos stecken. Die Bundesregierung konnte sich trotz dieser Umweltsünde bisher nicht zu einem Verbot durchringen und überließ die Entscheidung Brüssel. Das Aus der Einweg-Verdampfer ist mittlerweile mit der EU-Batterieverordnung ab Ende 2026 besiegelt. Bis dahin sieht sich die Branche auf einem guten Weg, den Einwegtrend einzudämmen. Nach Einschätzung von BfTG-Geschäftsführer Philip Drögemüller wird der Marktanteil von Einweg-Vapes im Jahr 2024 auf 15 Prozent fallen. Vor zwei Jahren lag dieser noch bei 40 Prozent.

Die Organisierte Kriminalität indes setzt weiter auf Wegwerfprodukte. Oliver Pohland, Geschäftsführer beim Verband des E-Zigarettenhandels (VdeH), sieht die Politik in der Pflicht. „Große Mengen von Einweggeräten werden außerhalb des Fachhandels verkauft. Dabei handelt es sich oft um illegale, nicht registrierte und nicht verkaufsfähige Produkte aus dubiosen Quellen.“ Der Verband habe mit Testkäufen in Berlin herausgefunden, dass 75 Prozent der in Shisha-Shops angebotenen E-Zigaretten illegal seien. „Weder der Gesetzgeber noch die Behörden haben dieses Problem im Griff“, so Pohland gegenüber diesem Magazin.

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