Anzeige

Bio Importabhängig

Lebensmittel Praxis | 13. Februar 2012
Bio: Importabhängig

Bildquelle: creativ collection

Die Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln wächst weiter, wird jedoch zusehends durch Importware gedeckt. Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU) fordert ein stärkeres Engagement der deutschen Bauern.

Anzeige

Aktuell sind gerade einmal 6 Prozent der Anbauflächen öko. Das Flächenwachstum kann mit dem Marktwachstum (2011: plus 9,9 Prozent laut Nielsen) nicht mithalten. So haben sich die Einfuhrmengen von Bio-Produkten laut Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) zwischen 2007 und 2010 verdoppelt. Jede zweite Bio-Möhre, das absatzstärkste Produkt im Segment Gemüse, wird mittlerweile importiert. Bei Äpfeln sieht es nicht anders aus, ergab das Projekt „Analyse der Entwicklung des ausländischen Angebots bei Bio-Produkten mit Relevanz für den deutschen Bio-Markt".

Es muss das Ziel der deutschen Landwirtschaft sein, die Inlandsnachfrage soweit wie möglich selbst bedienen zu können", sagte Aigner der Nachrichtenagentur dpa. „Da ist noch viel Luft nach oben." Dies betreffe vor allem den Aspekt Regionalität. Bio habe seine Wurzeln traditionell in der Region. „Weite Transporte von Bioprodukten, die auch vor Ort erzeugt werden könnten, werden von den Verbrauchern kritisch hinterfragt." Aigner betonte, die Bundesregierung stehe zur Förderung des Öko-Landbaus. Um den Wachstumskurs der deutschen Bio-Branche zu unterstützen, seien die Bundesländer am Zug, die Förderspielräume ausschöpfen sollten.

Landwirte, die auf Bio umstellen wollen, sind auf Subventionen angewiesen, da sie in den ersten Jahren zwar schon ökologisch wirtschaften müssen, ihre Ware aber nur zu konventionellen Preisen verkaufen dürfen.

Die Förderung klafft laut einer Branchenstudie bundesweit jedoch stark auseinander. Die besten Anreize bieten laut Informationen des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) Bayern, Baden-Württemberg und Sachsen. Schlusslicht sei Schleswig-Holstein, auf dem vorletzten Platz liegt Brandenburg. Grund sei, dass beide Länder Zahlungen für die Umstellung von konventioneller Produktion auf Ökolandbau ausgesetzt hätten. Bewertet wurden unter anderem Förderzahlungen für den Ökolandbau, die in Westdeutschland zu 18 Prozent und im Osten zu 8 Prozent von den Ländern getragen werden. Der Rest kommt von Bund und EU.

Ein weiterer Grund für den langsamen Zuwachs ist der Anbauboom bei Biomasse. „Es gibt Gegenden, wo es deutlich attraktiver ist, eine Biogasanlage zu bauen als auf ökologischen Landbau umzustellen", sagt Peter Röhrig vom BÖLW gegenüber der dpa. Dies habe nicht nur den Nachteil, dass die Monokulturen zu Bodenerosion, Schädlingsbefall und dem vermehrten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln führe. Die starke Nachfrage habe auch höhere Preise bei der Pacht von Äckern zur Folge, so dass Bio-Bauern sich die Erweiterung ihrer Anbaufläche teils nicht leisten könnten.

Tipp: Zum Thema Bio-Importe lesen Sie auch den Beitrag „Vertrauen ist gut..." in der aktuellen Ausgabe der Lebensmittel Praxis.