"Nach der gescheiterten Kennzeichnung für Klon-Fleisch ist dies ein Hoffnungsschimmer für mehr Transparenz bei Lebensmitteln", sagt zum Beispiel Gerd Billen, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Der vzbv bedauert allerdings, dass der Ausschuss sich gegen eine verpflichtende Angabe des Energiewertes von Lebensmitteln auf der Vorderseite der Verpackung ausgesprochen hat.
Der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde e. V. (BLL) spricht sich zwar für eine einheitliche Nährwertkennzeichnung in Europa aus, hält aber das Votum des Ausschusses für eine umfassende Verpflichtung zur Herkunftskennzeichnung bei einer Vielzahl von Lebensmitteln und Lebensmittelzutaten für unpraktikabel und unverhältnismäßig. BLL-Hauptgeschäftsführer Prof. Dr. Matthias Horst bezeichnete die Entscheidung, die Herkunftskennzeichnungsverpflichtung zu verankern, ohne zuvor die Machbarkeit im Rahmen eines Impact Assessment abgeprüft zu haben, als nicht nachvollziehbar: "Neben der Lebensmittelwirtschaft haben auch die Kommission, die Bundesregierung und weitere Mitgliedstaaten eine solche Folgenabschätzung eingefordert." Zunächst müsse geprüft werden, was mit welchem Aufwand zu leisten sei und welchen Nutzen es bringe. Erst dann könne entschieden werden.
Für Verbraucher sei die Herkunft und die Regionalität von Lebensmitteln ein entscheidendes Kaufkriterium, hält Gerd Billen dagegen. Doch nur wenn die Herkunft verpflichtend auf der Packung stehe, könnten Verbraucher entsprechend ihrer Vorlieben einkaufen.
Wiederholt hatten sich der vzbv und die Verbraucherzentralen für eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung ausgesprochen.
Abschließend wird sich das Europäische Parlament Anfang Juli 2011 in zweiter Lesung mit dem Verordnungsvorschlag beschäftigen.
Der Ausschuss für Umweltfragen, Volksgesundheit und Lebensmittelsicherheit (ENVI) hat sich zum Entwurf einer europäischen Lebensmittelinformationsverordnung positioniert. Demnach rückt eine weitreichende Herkunftskennzeichnung in greifbare Nähe.
Nach dem Votum des Ausschuss sollen künftig nicht nur Fleisch, Geflügel und Fisch nach der Herkunft gekennzeichnet werden, sondern außerdem Milch und Milchprodukte sowie andere Lebensmittel, die aus einer Zutat bestehen. Auch soll der Verbraucher künftig auf dem Etikett lesen können, wo die Hauptzutat zusammengesetzter Lebensmittel herkommt.
BLL-Chef Horst dazu: „Weniger ist mehr, ist der richtige Ansatz. Die mindestens 36 Pflichtangaben, die das Europäische Parlament noch in erster Lesung beschlossen hatte, waren schlicht unpraktikabel."
Nährwertkennzeichnung Pro und Contra
Der Ausschuss für Umweltfragen, Volksgesundheit und Lebensmittelsicherheit (ENVI) im Europaparlament hat sich für eine Ausweitung der Herkunftskennzeichnung bei Lebensmitteln ausgesprochen. Verbraucherschützer begrüßen den Beschluss, Herstellerverbände kritisieren ihn.
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