Energiesparen Es darf auch mal kälter sein

Um in Molkereien Energie einzusparen, hat Uwe Holzhammer (Foto) und sein Team Lösungen entwickelt, die bei Andechser und Zott getestet wurden.

Dienstag, 29. November 2022 - Molkereiprodukte
Dr. Friederike Stahmann
Artikelbild Es darf auch mal kälter sein
Bildquelle: KuntergrauDunkelbunt

Welche Idee steht hinter dem Projekt „Blue Milk“?
Uwe Holzhammer: Wir wollten herausfinden, an welchen Stellen sich Prozesse in Molkereien flexibilisieren lassen. Flexibilisieren heißt, den Energiebedarf in Richtung der Phasen mit hohen Anteilen an erneuerbaren Energien zu verschieben und andersherum: in Phasen, in denen man wenig davon im System hat, die Stromaufnahme aus dem Netz zu reduzieren.

Ein rein theoretisches Modell?
Nein, mit Andechser und Zott haben wir zwei Molkereien gefunden, die sehr aufgeschlossen waren und am Projekt teilnahmen. Mehr noch: Sie waren auch bereit, die Ergebnisse der Branche zur Verfügung zu stellen.

Wie sieht das ganz konkret aus?
Betrachten wir ein Kühllager. Der darin gelagerte Joghurt hat beispielsweise eine Produktzieltemperatur von 5 Grad Celsius. Normalerweise hält man im Kühlhaus daher immer genau diese Temperatur. Unsere Grundüberlegung ist, dass es sinnvoll sein kann, im Rahmen der produktzulässigen Grenzen, die zwischen 2 und 8 Grad liegen, dann auf 4 oder 3 Grad herunterzukühlen – wenn der Wind weht und die Sonne scheint. Also das Kühlhaus als einen Kältespeicher zu nutzen in Zeiten, in denen kein Wind weht, keine Sonne scheint. In diesen Phasen lässt man die Temperatur im Kühlregal dann auf 5, vielleicht 5,5 Grad Celsius steigen. Dann muss die Kühlung wieder eingeschaltet werden. Denn die Produktsicherheit muss jederzeit gewährleistet sein.

Klingt gut. Gibt es einen Haken?
In solch einer Konstellation verbrauche ich mehr Energie, als wenn ich ein gleichbleibendes Temperaturlevel von 5 Grad halte. Damit ist unsere Idee erst einmal von der Energiebilanz ineffizienter. Aber wenn ich eine CO2-Bilanz mache, ist sie trotzdem effizienter, weil ich nämlich Energie nutzen kann, die weniger CO2-belastet ist. Das nenne ich Systemeffizienz.

Und das funktioniert in der Praxis?
Zott hat inzwischen die ersten praktischen Versuche gemacht. Messtechnik und Kühlleistung sind dabei oftmals die beschränkenden Faktoren.

Was gibt es dabei zu beachten?
Da der Strommarkt volatil ist, weiß ich erst am Tag vorher, wie hoch der Strompreis und damit auch der Anteil an erneuerbaren Energien ist. Mit dieser Prognose und der Kenntnis, welche Tonnagen mit welchen Temperaturen ins Kühlhaus reinkommen und rausgehen, lassen sich Spielräume ausloten und so aus CO2– und gleichzeitig aus Kostensicht optimieren. Das wiederum braucht viel Professionalität und letztendlich auch einen hohen Grad an Automatisierung.

Zur Person

Uwe Holzhammer hat die Forschungsprofessur Energiesystemtechnik am Institut für Neue Energiesysteme und Leitung des Instituts „ForTraNN“ der Technischen Hochschule Ingolstadt inne.

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