Marktrundgang Regionalität und Nachhaltigkeit – darauf setzt Rewe Keyser in Radebeul

Hintergrund

Im sächsischen Radebeul verbindet Björn Keysers neuer Rewe-Markt regionale Produkte mit nachhaltiger Technik und persönlicher Nähe. Dabei setzt der Kaufmann auf starke Partnerschaften und ein engagiertes Team.

Mittwoch, 04. November 2026, 07:40 Uhr
Jens Hertling
Artikelbild Regionalität und Nachhaltigkeit – darauf setzt Rewe Keyser in Radebeul
Björn Keyser führt vier Märkte in Radebeul und Meißen. Der Kaufmann engagiert sich für regionale Produkte und Partnerschaften mit sächsischen Lieferanten.
Den Markt gibt es seit 1998. Björn Keyser übernahm ihn 2019. Wegen der maroden Bausubstanz entschied er sich für einen Neubau. Im Oktober 2024 begann der Abriss des alten Gebäudes. Viele Märkte in der Region Ost – darunter der neue Markt von Björn Keyser – wurden als Rewe-Green-Farming-Märkte gestaltet. Bildquelle: Andre Wirsing

Als im November 2025 die Türen des neuen Rewe-Marktes in der Meißner Straße 5 in Radebeul öffneten, warteten die ersten Kunden bereits vor dem Eingang. Viele kannten den Standort noch aus früheren Zeiten – und waren gespannt auf den neuen Markt von Björn Keyser. Umgeben von alten Eichen außen und bestückt mit regionalen Spezialitäten sowie moderner Gebäudetechnik innen ist hier ein Einkaufsort entstanden, der mehr sein will als ein gewöhnlicher Supermarkt.

Der selbstständige Rewe-Kaufmann Keyser führt insgesamt vier Märkte in Radebeul und Meißen. Den Standort an der Meißner Straße übernahm Keyser 2019. Das Gebäude von 1998 sei in der Bausubstanz jedoch so schlecht gewesen, dass sich ein Umbau nicht mehr gelohnt habe, sagt er. „Deshalb war der Abriss die einzig sinnvolle Lösung.“

Im Oktober 2024 riss das Bauunternehmen das alte Gebäude ab. Zu diesem Zeitpunkt hatte Rewe das Projekt bereits vier bis fünf Jahre lang vorbereitet, geplant und mit den zuständigen Stellen abgestimmt. Während der Bauphase mussten die Kunden auf ihren vertrauten Einkaufsort verzichten. Keyser wollte außerdem sein Team zusammenhalten, das er 2019 übernommen hatte. Die Beschäftigten wurden während der Bauzeit in den drei anderen Märkten eingesetzt. „Alle, die bleiben wollten, haben wir behalten“, sagt er.

Alte Eichen geben die Richtung vor

Schon von außen unterscheidet sich der neue Markt von einem Standardbau. Auf dem Grundstück stehen alte Eichen, die bereits vor dem Neubau dort wuchsen. Keyser wollte sie erhalten und bezog sie deshalb in die Architektur ein: Die Bäume beeinflussten die geschwungene Form des Gebäudes. „Wahrscheinlich hätte man das ohne die Eichen komplett anders gebaut“, sagt Keyser.

Große Fensterflächen lassen viel Tageslicht in den Verkaufsraum. Eine automatische Steuerung passt die künstliche Beleuchtung an die natürlichen Lichtverhältnisse an.

Im Mittelpunkt stehen die Frischebereiche. Für Keyser bieten Frischetheken mehr als zusätzliche Verkaufsflächen: Sie machen Produkte sichtbar, ermöglichen Beratung und geben dem Einkauf eine persönliche Note. „Eine Theke muss auch etwas präsentieren und ausreichend Platz für die Produkte lassen“, erklärt der Kaufmann. Auch hinter der Theke plante Keyser bewusst mehr Raum ein. Die Mitarbeiter bereiten dort Waren vor, kümmern sich um Bestellungen, interagieren – ohne sich gegenseitig zu behindern. „Ich wollte, dass die Mitarbeiter da auch freier arbeiten können.“

Auch die Abläufe hinter den Kulissen organisierte Keyser neu. Lagertüren, Abkürzungen und optimierte Warenwege verkürzen die Laufstrecken. „Jeder Umweg kostet Zeit und dementsprechend auch Geld“, sagt Keyser.

Regionalität mit Geschmack

Bereits im Eingangsbereich präsentiert das Team Waren aus der Umgebung. Das Sortiment reicht von Obst und Gemüse über Fleisch und Wurst bis hin zu Wein, Kaffee, Bier und weiteren Spezialitäten. Keyser versteht Regionalität nicht als bloßes Werbeversprechen. Er möchte langfristig mit Lieferanten zusammenarbeiten und ihnen eine verlässliche Verkaufsplattform bieten. „Für mich ist immer die vertrauensvolle Zusammenarbeit das Wichtigste“, sagt er.

Zu seinen Partnern gehören eine regionale Fleischerei, sächsische Winzer und eine Radebeuler Gärtnerei. Die Fleischerei verarbeitet Fleisch von Tieren aus der Umgebung, von der Gärtnerei bezieht Keyser beispielsweise schon im Februar frische Gurken. Diese kosten mehr als importierte Ware. „Kurze Wege heißt viel besserer Geschmack“, findet Keyser.

Besonders deutlich zeigt sich Keysers regionale Verbundenheit in der Weinabteilung. Dort bietet der Markt ausgewählte Weine aus Sachsen und dem ostdeutschen Raum an. Aufgrund der begrenzten Anbauflächen und der schwierigen Steillagen ist der Weinbau in Sachsen aufwendig; viele Arbeiten erledigen die Winzer von Hand. Dennoch: „Wir haben eine vernünftige Weinauswahl für die Kunden“, sagt Keyser. Neben Weinen kleiner Produzenten und besonderen Spezialitäten gehören auch bekannte Marken zum Angebot.

Wie eng der Standort mit seinem Umfeld verbunden ist, zeigte sich bei der Wiedereröffnung: Viele Stammkunden kehrten zurück. „Es war wirklich eine Freude, zu sehen, dass die vielen Stammkunden wieder da waren. Die freuten sich einfach riesig, dass wir aufgemacht hatten“, erinnert sich Keyser. Der Inhaber sorgt dafür, dass sich die Kunden gut zurechtfinden und vertraute Ansprechpartner sie kompetent beraten. Nach seinen Angaben kommen rund 80 Prozent der Kunden aus Dresden.

Nachhaltig gebaut

Für seinen neuen Markt setzt Björn Keyser auf ein Green-Building-Konzept. Photovoltaik, LED-Beleuchtung, Wärmerückgewinnung und eine Kälteanlage mit dem natürlichen Kältemittel CO₂ senken den Energieverbrauch. So benötigt der Markt rund 40 Prozent weniger Energie als ein Standardbau. Rund 80 Prozent der Heizenergie stammen aus der Abwärme der Kälteanlagen; Wärmepumpen ergänzen das System. Der Markt bezieht zudem ausschließlich Grünstrom. Zusammen senken diese Maßnahmen den ökologischen Fußabdruck.

Für Keyser umfasst Nachhaltigkeit jedoch mehr als moderne Gebäudetechnik: „Nachhaltigkeit hat für mich auch eine wichtige soziale Komponente.“ Dazu zählten kurze Lieferwege, regionale Partnerschaften, die Unterstützung örtlicher Initiativen und ein verantwortungsvoller Umgang mit den Mitarbeitern. Das Team vermeide außerdem unnötigen Verpackungsmüll. So lägen etwa Bananen und große Tomaten ohne Kunststofftüten bereit. „Das sind so die Sachen, die ich als Händler noch beeinflussen kann“, sagt Keyser.

Rewe Björn Keyser, Meißner Straße 5, 01445 Radebeul

Übernahme 2019, Neubau 2025
Verkaufsfläche 1.680 qm
Artikel 25.000
Regionale Lieferanten 80
Mitarbeiter (Köpfe) 55
Öffnungszeiten Mo. bis Sa., 6 bis 22 Uhr
Parkplätze 75
Kunden pro Tag 1.500
Kaufkraft am Ort 102*
Kassen 4 + 3 SCO
Investition 3,5 Mio. Euro
Rücknahmeautomaten 3

* Kaufkraftindex 100 = 31.193 Euro jährlich; das entspricht einer durchschnittlichen Kaufkraft pro Kopf in Radebeul in Höhe von 31.800 Euro. Der Index gibt an, wie hoch die finanziellen Mittel der
Bevölkerung sind, um Güter und Dienstleistungen zu erwerben. Quelle: NIQ (NielsenIQ)

Das Team im Fokus

Rund 55 Mitarbeiter arbeiten im Markt, viele von ihnen gehörten bereits früher zum Team. Vor der Eröffnung trainierten sie gemeinsam die Abläufe. „Die Einrichtungsphase ist für mich eine Zeit, in der das Team gut zusammenwächst“, sagt Keyser.

Besonders in den Bereichen Fleischerei und Floristik fehlen Bewerber. Der Inhaber setzt deshalb auf vorausschauende Personalplanung. „Wenn sich heute bei mir ein Fleischer bewirbt, dann wird er angestellt – egal, ob ich ihn gerade brauche oder nicht.“ Zusätzliche Fachkräfte helfen, Krankheitsausfälle und starke Verkaufstage abzufedern. Noch wichtiger ist Keyser jedoch, die vorhandenen Mitarbeiter langfristig zu binden. „Ich investiere mehr Zeit in die, die jetzt da sind.“ Die Führungskräfte begleiten ihre Teams intensiv, arbeiten neue Mitarbeiter sorgfältig ein und zeigen ihnen Entwicklungsmöglichkeiten auf. Keyser kontrolliert nicht mehr jede Aufgabe selbst. „Loslassen heißt natürlich auch delegieren können – und dann mit den Konsequenzen leben.“

In Sachen Ausbildung geht Keyser ebenfalls neue Wege. Er pflegt Kontakte zu Schulen, besucht Ausbildungsmessen und spricht junge Menschen gezielt an. In diesem Jahr stellte er 13 Auszubildende ein. Erstmals beginnen drei junge Menschen aus Vietnam eine Ausbildung im Fleischbereich. Für Keyser ist die Sprache die Grundlage für gelungene Integration. „Das Entscheidende ist der Sprachkurs.“ Die ausländischen Auszubildenden besuchen regelmäßig Deutschkurse. So können sie sich im Team und in der Berufsschule sicher verständigen und sind auch auf den späteren Kundenkontakt gut vorbereitet.

Ob weitere Märkte hinzukommen, lässt Keyser offen. Große Pläne verfolgt er derzeit nicht. „Ich muss nicht expandieren.“

Zwischen alten Eichen, regionalen Produkten und vertrauten Gesichtern zeigt sich, worauf es Björn Keyser ankommt: auf ein Einkaufserlebnis, das von persönlicher Nähe und Verbundenheit mit der Region geprägt ist. Im neuen Rewe-Markt in Radebeul gelingt das: Regionale Produkte stehen nicht nur im Regal, sondern erzählen Geschichten. Mitarbeiter sind nicht austauschbar, sondern prägen den Markt.

Drei Fragen an ...

Björn Keyser
Inhaber Rewe Keyser

Björn Keyser

Was war für Sie während der Bauzeit besonders schwierig?

Trotz der Schließung den Kontakt zu Kunden und Mitarbeitern aufrechtzuerhalten.

Woran merken Sie, dass ein Team gut funktioniert?

Wenn die Mitarbeiter selbstständig handeln und sich gegenseitig unterstützen.

Was ist Ihnen bei der Zusammenarbeit mit regionalen Lieferanten besonders wichtig?

Verlässlichkeit, kurze Wege und ein direkter persönlicher Austausch.

Bilder zum Artikel

Bild öffnen Björn Keyser führt vier Märkte in Radebeul und Meißen. Der Kaufmann engagiert sich für regionale Produkte und Partnerschaften mit sächsischen Lieferanten.
Bild öffnen Die Frischtheke des Markts ist ein Hingucker und Umsatzbringer.
Bild öffnen Inhaber Björn Keyser lässt das Gemüse von einer Anlage befeuchten.
Bild öffnen Große Fenster in der Decke lassen viel Tageslicht in den Markt.
Bild öffnen In der Mitte des Markts hat Inhaber Björn Keyser einen Baum gesetzt.
Bild öffnen Die Frischetheke wurde nach dem Neubau des Markts ausgebaut und erweitert.
Bild öffnen In der Frischetheke gibt es viele Eigenkreationen zu kaufen.
Bild öffnen Der Markt ist weiträumig und die Kunden haben viel Platz.

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