Klassisch gelöffelt oder mit Haut und Haar: Kiwis sind für ihren süß-säuerlichen Geschmack das ganze Jahr über beliebt. Rund 1,3 Kilogramm Kiwi verzehrt jeder Bundesbürger pro Jahr (Destatis 2020). In den vergangenen Jahren haben sich neue Sorten der Südfrucht etabliert. Sie bringen zusätzlich zur klassischen grünen Frucht nicht nur ein neues Farbspiel auf den Teller, sondern auch neue Geschmacksnoten auf die Zunge. Viele Verbraucher essen ihre glatteren Schalen mit. Das erhöht die Ballaststoffzufuhr – ein Aspekt, der an Bedeutung gewinnt.
Anbau mit viel Handarbeit
Kiwis benötigen ein mildes, gemäßigtes Klima mit wenig Frost, viel Sonnenlicht und geschützten Lagen. Wichtige Anbauländer sind Neuseeland, Italien, China und Chile. Kiwi-Pflanzen sind mehrjährige Kletterpflanzen. Landwirte bauen sie industriell in Plantagen an. Sie wachsen auf Spalieren aus Metall- oder Holzpfosten, verbunden mit waagerechten Drähten. Die Pflanzen brauchen stets ausreichend Wasser, das über präzise Tröpfchenbewässerung direkt an die Wurzeln gelangt.
Die Pflanzen sind getrenntgeschlechtlich. Das bedeutet: Männliche Kiwi-Blüten produzieren lebensfähigen Pollen, haben aber keine funktionsfähigen Fruchtknoten. Weibliche Blüten besitzen die Fruchtorgane, ihr eigener Pollen ist jedoch in der Regel nicht lebensfähig. Daher müssen die Pollen von einer männlichen Pflanze zu den weiblichen Blüten gelangen. Dies geschieht durch Bienen und andere Insekten. Entweder übertragen Insekten die Pollen oder Arbeiter bestäuben künstlich. Arbeiter sammeln die Blüten und blasen deren Pollen auf die weiblichen Blüten.
Ab dem zweiten Jahr schneiden die Arbeiter die Reben jedes Jahr im Winter und Frühjahr zurück. Sie entfernen alte oder schwache Triebe, damit die Pflanze ihre Kraft in die fruchttragenden Ranken steckt. Auch bei der Ernte ist Handarbeit noch die Regel, um Verletzungen der empfindlichen Schale zu verhindern. Es gibt jedoch erste Versuche mit Ernterobotern. Ähnlich wie im Anbau von Weintrauben bestimmt der Zuckergehalt (Brixwert) den optimalen Erntezeitpunkt. Ist der Mindestbrixwert erreicht, sind die Früchte reif für die Ernte. Doch die Frucht reift erst im Regal richtig aus. Bei optimalen Lagerbedingungen bleiben sie über Monate hinweg frisch, bevor sie sich auf den Weg in die deutschen Supermarktregale machen.
Die Kiwi ist heute fast ganzjährig erhältlich, weil die Nord- und Südhalbkugel abwechselnd ernten. Seit Jahren wächst der Anteil der gelbfleischigen Kiwis. Verbraucher schätzen deren süßeren Geschmack und sind bereit, dafür mehr zu zahlen. Rote Kiwis und Kiwibeeren sind noch eine exklusive Nische. Doch sie gewinnen an Popularität.
Erfolgreich verkaufen
Kiwis sind temperatur- stoß- und druckempfindlich. Die meisten Sorten lagern bei nahe 0 °Celsius und hoher Luftfeuchtigkeit. Lange Standzeiten im Warmen lassen die Früchte Wasser verlieren und welk werden. Kiwis reagieren zudem empfindlich auf Ethylen. Äpfel, Bananen, Tomaten und Birnen geben dieses Gas ab und sollten nicht mit Kiwis lagern. Kiwis, die für den Verkauf nicht mehr taugen, sind nicht automatisch wertlos. Händler können sie in ihrer Schnippelküche weiterverarbeiten. Sie schmecken in Smoothies und Obstsalaten oder als Fruchtspieße.
Gesunde Frucht
Kiwis gelten als Vitamin-C-Lieferanten. Eine mittelgroße Frucht ohne Schale (etwa 100 Gramm) liefert rund 71 Milligramm (mg) Vitamin C (Quelle: Bundeslebensmittelschlüssel). Damit deckt der Verzehr einer Frucht bereits den Großteil des täglichen Bedarfs: Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt 96 mg Vitamin C für Frauen und 110 mg für Männer. Zudem ist sie ein wertvoller Lieferant für Vitamin K und Vitamin E. Wer die aufgenommene Ballaststoffmenge erhöhen möchte, kann die Früchte ungeschält essen. Ein Trend, der zunimmt.