Trinks Mutiger Strategiewechsel

Die Gerüchteküche um einen Einstieg der Rewe beim Getränkelogistiker Trinks läuft heiß. Dass der Deal kommt, scheint sicher. Er wird die deutsche Getränkebranche verändern.

Mittwoch, 25. Oktober 2023 - Getränke
Tobias Dünnebacke
Artikelbild Mutiger Strategiewechsel
Bildquelle: Trinks

An den Spekulationen ist etwas dran, die Verhandlungen laufen gerade“, sagt eine mit dem Vorgang vertraute Person gegenüber diesem Magazin. Gemeint ist der Einstieg der Rewe Gruppe bei Trinks. Diese gehört mit 1,5 Milliarden Euro Umsatz zu den wichtigsten Getränkelogistikern in Europa und teilt sich mit der Deutsche Getränke Logistik GmbH einen Großteil des deutschen Marktes.

Beide Großhändler sind mehrheitlich im Besitz von namhaften Brauereien. Seit dem Ausstieg von Nestlé Waters geben bei Trinks Krombacher, Bitburger und Warsteiner den Ton an. Mehr als 1,5 Milliarden Flaschen werden in den 16 Niederlassungen jährlich sortiert, davon allein rund 176 Millionen am Standort Hennef (Sieg).

Der Getränkefachgroßhandel ist ein wichtiges Bindeglied zwischen den Abfüllern und dem Handel. Dass bald ein großer Lebensmitteleinzelhändler mit am Tisch sitzen könnte, kommt einer Zeitenwende in der deutschen Getränkebranche gleich. „Für uns kam diese Nachricht sehr überraschend, das ist ein Paradigmenwechsel“, sagt ein Brancheninsider. „Bisher galt immer das ungeschriebe-ne Gesetz, dass der Getränkefachgroßhandel gegenüber der Handelsseite neutral ist und jedem offensteht, der eine Dienstleistung beziehen will“, so der Kenner weiter.

Vorteile und Risiken
Dass sich Trinks nun, möglicherweise mehrheitlich (die Spekulationen gehen hier auseinander), an einen einzelnen Händler bindet, bietet Chancen, aber auch große Risiken. Einerseits könnten sich die Brauer bessere Konditionen und Listungen bei der Kölner Handelsgruppe erhoffen. Ob diese Rechnung aufgeht, bleibt abzuwarten: Der Handel muss am Ende immer die Nachfrage der Kunden bedienen, und die schert es am Ende des Tages wenig, ob Krombacher, Warsteiner oder Bitburger operativ enger mit einem Händler zusammenarbeitet. Vorteile für Rewe könnten sich beim Thema Versorgungssicherheit bieten, die zuletzt in den Sommermonaten häufig angespannt war.

Auf der anderen Seite besteht für Trinks die Gefahr, dass viele Handelskunden abspringen und zur Konkurrenz wechseln, denn Rewe hätte mit dem Tag der Beteiligung Zugang zu allen Kennziffern und Marktdaten der Wettbewerber. Der Händler wüsste, welche Marken bei den Konkurrenten gut oder schlecht laufen und wann die Hersteller Aktionen planen. Höchst sensible Informationen im umkämpften Getränke-Markt. Dass beispielsweise Edeka sich so tief in die Karten schauen lassen würde, ist nur schwer vorstellbar. Darüber hinaus könnte Rewe andere Händler schwächen, wenn diesen keine Trinks-Dienstleistungen mehr angeboten würden. „Ein Deal würde den Markt völlig umkrempeln“, ist sich der Insider sicher.

Personalie gab Hinweis
Eine Personalie aus dem Frühjahr 2022 gab rückblickend schon einen Hinweis auf das Interesse von Rewe an dem Getränkegroßhändler. Damals wurde Roberto Fabiano als kaufmännischer Geschäftsführer für Finanzen, Controlling, Einkauf und IT in die Trinks-Gruppe berufen. Der Manager kam von der „Für Sie“ Handelsgenossenschaft, die zur Rewe-Gruppe gehört.

Der Vorgang sorgte in der Branche bereits für Verwunderung, ging aber bei einem sich allgemein schnell drehenden Personalkarussell der Führungsebene und einem groß angelegten Umzug der Zentrale von Goslar nach Hennef im vergangenen Jahr unter. Im Nachgang macht die Personalie Fabiano Sinn. „Die Personalie Fabiano zeigt eigentlich, dass dieser Deal von langer Hand geplant ist“, so der Kenner.

Vertikalisierung à la Edeka
Dass Rewe eine Teilübernahme von Trinks plant, ist nicht nur aus den oben beschriebenen Gründen bemerkenswert: Bisher hat der Kölner Händler, anders als die Edeka, kein besonderes Interesse an Beteiligungen in der vertikalen Wertschöpfungskette gezeigt. Somit käme der Trinks-Deal einem Strategiewechsel gleich.
Und der ist mutig: Die Getränke-logistik ist margenschwach und wurde in der jüngsten Vergangenheit durch hohe Spritpreise, steigende Maut und einen eklatanten Personalmangel weiter geschwächt. Der Umsatz von Trinks stieg in den Pandemie-Jahren, in denen der Getränkeabsatz im klassischen LEH florierte, nicht. Die hohe Inflation schwächt das Geschäft weiter. „Es ist auf keinen Fall ein sorgenfreier Appendix“, sagt der Insider.

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