Interview mit Hans-Theo Hennes Fehlendes Fachpersonal - Birkenhof

Für Hans-Theo Hennes von Kaiser’s Tengelmann ist das größte Problem der Branche, qualifizierte und motivierte Mitarbeiter zu finden. Das gelte sowohl für die Fleischwerke als auch für die Bedienungstheken in den Filialen.

Dienstag, 28. Januar 2014 - Management
Christina Steinheuer
Artikelbild Fehlendes Fachpersonal - Birkenhof
Bildquelle: Hoppen

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Wie sieht es denn bei Birkenhof aus?

Unsere Mitarbeiterzahl ist an allen drei Standorten stabil. In Donauwörth und Viersen haben wir je 120 Mitarbeiter, in Perwenitz sind es 180. Aber während wir früher an jedem Standort eine eigene Lehrwerkstatt hatten, haben wir jetzt nur noch in unserem Fleischwerk in Viersen eine. Aktuell bilden wir dort 15 bis 20 junge Menschen aus – über drei Ausbildungsjahre verteilt.

Das heißt, pro Jahr beginnen im Schnitt fünf Azubis?
Ja, wir finden ja kaum noch welche. In der Region München und auch in Berlin tun wir uns extrem schwer. In Bayern hat das sicher auch mit der geringen Arbeitslosenquote und den guten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu tun.

Apropos, wie wirken sich die gestiegenen Strompreise auf die Fleischwerke aus?
Wir hatten bei Birkenhof in den letzten drei Jahren eine Zunahme der Energiekosten um 21 Prozent.

Erhält Birkenhof nicht wie viele andere energieintensive Betriebe der Branche auch eine Ermäßigung?
Doch. Und um diese überhaupt bekommen zu können, haben wir uns 2013 zum ersten Mal nach ISO 50001 zertifizieren lassen. Dabei muss man genau nachweisen, was man konkret im Unternehmen an Maßnahmen zur Energie- und Wassereinsparung umsetzt.

Ok, das Zertifikat hat Birkenhof etwas gebracht. Aber wie sieht das mit den x anderen Zertifikaten, die es gibt, aus?
Generell bringt jede Zertifizierung etwas, denn sie macht auf Schwachstellen aufmerksam und zeigt Wege zur Effizienzsteigerung auf. Aber es gibt auch Zertifikate wie IFS, bei denen ich denke, dass sie den Bogen immer mehr überspannen. Wenn ich die heutigen Anforderungen vergleiche mit jenen von vor zehn Jahren, als wir zum ersten Mal zertifiziert wurden, dann liegen da Welten dazwischen. In einigen Bereichen wird übertrieben. Für ein Unternehmen, das Ordnung hält, Prozesse im Griff hat und sich um ein gutes Betriebsklima kümmert, sollte selbstverständlich sein, dass der Betrieb nach außen hin gesichert ist, dass Mitarbeiter darauf achten, dass Türen verschlossen sind, oder dass sich fremde Personen, wie etwa Fremdhandwerker, nicht unbeaufsichtigt im Betrieb bewegen. Jedoch Systeme zu definieren, die auf Terrorismus ausgerichtet sind, sind den Mitarbeitern gegenüber schwierig zu vermitteln und teils gefährlich, da man Menschen vielleicht erst auf Ideen brin gt.

Thema Tierwohl-Fleisch ...
... das verfolgt die Branche. Jeder will in den Medien gut dastehen und macht irgendetwas, aber wirklich gut verkaufen lassen sich die Produkte nirgendwo. Soweit mir bekannt, sind die Abschriften überall hoch. Das Ganze kann nur als echte Branchenlösung funktionieren. Tierschutz ist unteilbar. Von den in Deutschland rd. 60 Mio. Schweinen gehen nur ca. 20 Mio. in den LEH. Was ist mit denen für den Export? Auch beim angedachten Bezahlmodell mit der vorgesehenen Clearingstelle sehe ich noch Fragen und Ungereimtheiten in der Umsetzung.