Wer sein Tiefkühlsortiment allein nach der Zahl der erreichten Haushalte steuert, verschenkt nach Einschätzung von Martin Weiß Potenzial. Der Senior Consultant bei Yougov CP Germany stellte beim Tiefkühl-Star 2026 der Lebensmittel Praxis in der Kölner Flora Daten vor, nach denen auch Produkte mit sehr geringer Käuferreichweite hohe Wiederkaufsraten erreichen. „Es ist nicht so, dass ich schlecht damit fahre, nur weil ich insgesamt weniger Käufer erreiche“, sagte Weiß in seinem Vortrag unter der Überschrift „Emotionaler, individueller: Wird TK zum neuen Star im Supermarkt?“.
Weiß unterschied in seiner Analyse zwei Gruppen: Produkte mit einer Käuferreichweite von über 0,5 Prozent und solche darunter. Bei den Artikeln unterhalb dieser Schwelle sieht das Bild „ganz anders“ aus, wie er betonte. Unter 0,5 Prozent habe ein Produkt zwar relativ wenige Käufer, es handele sich dann aber um spezielle Artikel, und die seien durchaus auch erfolgreich.
In dieser Auswahl fänden sich regionale Produkte, Premiumartikel etwa im Eissegment sowie osteuropäische Produkte. Auch Bio ist vertreten, ein nach seinen Worten weiterhin wachsender Trend. Hinzu kämen Spezialitäten wie Hähnchenherzen. Als Beispiele für Premium nannte er eine glutenfreie Lasagne und eine Carpaccio-Tomate.
Die Käuferreichweite bleibt nach Ansicht von Weiß gleichwohl ein zentraler Wert. Die Top 10 der Tiefkühlartikel nach Reichweite im Lebensmitteleinzelhandel bestehen aus Produkten des täglichen Bedarfs wie Spinat, Pizza oder Brötchen – und stammen durchweg von großen Markenherstellern. „Händler, die diese Artikel nicht gelistet haben sollten, sollten jetzt damit anfangen, die zu listen“, sagte Weiß. Zugleich betonte er: „Die Käuferreichweite alleine sagt aber noch nicht alles.“ Es gehe nicht nur darum, einen Artikel einmal zu verkaufen, sondern auch um den Wiederkauf.
Käufer zahlen für Regionalität mehr
Besonderes Gewicht legte Weiß auf das Thema Regionalität. Rund 70 Prozent der Haushalte sind nach den von ihm präsentierten Daten bereit, für Produkte aus der eigenen Region mehr Geld zu bezahlen. Händler könnten das nutzen, indem sie etwa mit regionalen Anbietern zusammenarbeiten, die Tiefkühlprodukte vor Ort produzieren, und damit auch Handwerkskompetenz zeigen, sagte Weiß. Auch in der Reichweiten-Rangliste tauche bereits ein eher regionales Produkt auf.
Premium ist ohnehin ein großes Thema – und zwar nicht nur für Marken, sondern auch für Handelsmarken, wie Weiß ausführte. Die Handelsmarken hätten in den vergangenen Jahren deutlich zugelegt, und das nicht allein über den Preiseinstieg, sondern auch über Premiumprodukte. Ihr Anteil sei um 8 Prozentpunkte gestiegen, Marken seien austauschbarer geworden. Ein Fokus auf Handelsmarken ist daher durchaus nötig, so sein Fazit.
Als Hürde für das Tiefkühlsortiment benannte Weiß das Image der Kategorie. Tiefkühlware gelte bei vielen noch als nicht frisch und als industrielle Massenware, obwohl es nach seinen Worten meistens umgekehrt ist. Mit Authentizität lasse sich hier gegensteuern.
