Sinkende Pegelstände schränken die mögliche Zuladung von Frachtschiffen massiv ein und erschweren damit den Transport großer Mengen an Rohstoffen, Vorprodukten und Fertigwaren. Darauf weist der DSLV hin.
Besonders betroffen sei der Rhein als zentrale europäische Verkehrsachse. DSLV-Hauptgeschäftsführer Frank Huster: „Speditionen und Logistikdienstleister müssen täglich viele Transporte neu organisieren, um die Versorgung von Industrie, Handel und Verbrauchern weiterhin sicherzustellen.“
Rekordwerte von 2018 zum Teil übertroffen
Das aktuelle Niedrigwasser übertrifft nach DSLV-Informationen die Rekordwerte von 2018 bereits an mehreren Messstellen und droht, wieder spürbare Bremsspuren in der deutschen Volkswirtschaft zu hinterlassen. Aufgrund geringer Fahrrinnentiefen können viele Schiffe nur noch mit deutlich weniger Ladung fahren, teilweise mit nur noch einem Fünftel ihrer üblichen Traglast. Betroffen sind nicht nur Güter, die traditionell in großen Mengen per Binnenschiff transportiert werden – darunter Mineralölprodukte, Chemikalien, Stahl, Baustoffe, Agrarprodukte sowie zahlreiche Vorprodukte für die Industrie.
Huster: Schwerer Rückschlag für deutsche Industrie
Auch Containerverkehre leiden stark unter den Einschränkungen. Container und Massengüter können von den großen Seehäfen im Raum Amsterdam-Rotterdam-Antwerpen (ARA) nur verzögert oder in kleineren Mengen weiterbefördert werden. Dadurch verlängern sich Lagerzeiten, Umschlagkapazitäten werden knapper und ganze Transportketten müssen kurzfristig neu organisiert werden.
Frank Huster: „Das Niedrigwasser ist ein schwerer Rückschlag für die deutsche Industrie, die sich zaghaft aus der Konjunkturkrise herausarbeitet. Die Logistikbranche tut alles Mögliche, um industrielle Lieferketten aufrechtzuerhalten. Speditionen disponieren Transporte täglich neu, verlagern Güter mit enormem Aufwand von der Wasserstraße auf Bahn und Lkw, buchen zusätzliche Lagerflächen und koordinieren komplexe Umläufe zwischen Häfen, Industrie und Handel.“
Sehr begrenzte Ausweichmöglichkeiten
Die Ausweichmöglichkeiten seien sehr begrenzt, weil auch Schiene und Straße wegen Infrastrukturmängeln und zahlreicher Baustellen überlastet seien. Entlang der gesamten Lieferkette entstehen nach Darstellung des DSLV erhebliche Zusatzkosten. Reedereien erheben sogenannte Kleinwasserzuschläge. Frachtraten steigen rasant an, da mehr Schiffe für dieselbe Menge Güter benötigt werden. Hinzu kommen Mehraufwendungen für die Lagerlogistik. „Diese Mehrkosten treffen zunächst die Logistikunternehmen und ihre Kunden und wirken sich zunehmend auf die gesamte Wirtschaft aus“, erklärt DSLV-Hauptgeschäftsführer Huster.
Wasserstraßen schneller ausbauen
Die aktuellen Engpässe machen nach Auffassung des Verbandes deutlich, dass die Wasserstraßen künftig viel schneller ausgebaut werden müssten. Die Vertiefung der Fahrrinne am Mittelrhein von 1,90 auf 2,10 Meter sei im Bundesverkehrswegeplan seit nunmehr 34 Jahren als Projekt des „vordringlichen Bedarfs“ eingestuft. Auf das Umsetzungstempo habe dies bisher kaum Auswirkungen.
Dass mit dem Infrastruktur-Zukunftsgesetz ausgewählte Ausbaumaßnahmen für Wasserstraßen in das „überragende öffentliche Interesse“ gestellt wurden, sei ein wichtiger Schritt. Dieses Bekenntnis müsse nun auch finanziell unterlegt werden. Im Bundeshaushalt 2027 und in den kommenden Haushalten müssten ausreichend Mittel für die Bundeswasserstraßen bereitstehen, so Huster.
Deutsches Verkehrssystem muss widerstandsfähiger werden
Gleichzeitig müssten multimodale Umschlagkapazitäten zwischen Wasserstraße, Schiene und Straße ausgebaut werden, damit Güterströme künftig flexibler verteilt werden könnten. „Die Leistungsfähigkeit der Logistik beruht auf einem engen Zusammenspiel aller Verkehrsträger. Die Logistikbranche kann kurzfristige Störungen bewältigen, aber fehlende Infrastrukturkapazitäten nicht dauerhaft ausgleichen. Das deutsche Verkehrssystem muss insgesamt widerstandsfähiger werden“, fordert Huster.
