DIHK-Report Steigendes Gründungsinteresse zum Teil aus Verzweiflung

Das Gründungsinteresse in Deutschland steigt angesichts der Wirtschaftskrise. Allerdings lässt die Qualität potenzieller Gründer zum Teil zu wünschen übrig. Das ist ein zentrales Ergebnis des Reports Unternehmensgründung 2026 der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK).

Mittwoch, 05. August 2026, 09:52 Uhr
Thomas Klaus
Wichtiger Faktor bei Gründungen: Der Anteil von Frauen an IHK-Gründungsberatungen bleibt mit 44 Prozent auch 2025 auf einem hohen Niveau und bestätigt damit einen langfristigen strukturellen Wandel im Gründungsgeschehen. Bildquelle: Getty Images

Die Industrie- und Handelskammern (IHKs) verzeichnen bundesweit mehr Menschen, die sich zu einer Gründung informieren und beraten lassen. In den Beratungsgesprächen spielt jedoch immer häufiger nicht nur der Wunsch nach unternehmerischer Selbstständigkeit eine Rolle, sondern auch die Sorge um die eigene berufliche Zukunft. Das ist ein zentrales Ergebnis des DIHK-Reports Unternehmensgründung 2026. 

13 Prozent Plus bei Einstiegsgesprächen

Das Interesse an einer Unternehmensgründung in Industrie, Handel und den Dienstleistungsbranchen steigt: Die IHKs sehen für 2025 deutlich Zuwächse bei den Teilnahmezahlen zu Einstiegsgesprächen (plus 13 Prozent auf 143.756) und den darauf aufbauenden IHK-Gründungsberatungen (plus 15 Prozent auf 27.637). Allerdings spiegelt ein Großteil der Entwicklung eine Umorganisation von Beschäftigung wider: Maue Konjunktur und strukturelle Hemmnisse führen nach DIHK-Darstellung dazu, dass zunehmend auch gut qualifizierte Beschäftigte eine Gründung mangels Erwerbsalternativen überlegen. 

Positive Impulse durch Sicherheit und Verteidigung

Parallel dazu gibt es weiterhin chancengetriebene Gründungen, beispielsweise aus dem Hochschulumfeld. Der technologische Wandel gewinnt mehr und mehr an Bedeutung für die Gründungslandschaft. Künstliche Intelligenz wird von den IHKs zunehmend als Gründungstreiber wahrgenommen, da sie neue Geschäftsmodelle ermöglicht und den Zugang zur Selbstständigkeit erleichtert. 

Auch in den Bereichen Sicherheit und Verteidigung ergeben sich positive Impulse für das Gründungsgeschehen. Die veränderte geopolitische Lage erhöht den Bedarf der Bundeswehr und der Sicherheitsbehörden an innovativen Lösungen. Das eröffnet Marktchancen für technologieorientierte Start-ups und junge Wachstumsunternehmen.

Änderungen in der Gründungsförderung

Nahezu sämtliche IHKs nennen den Mangel an Erwerbsalternativen als Hauptursache für das gestiegene Gründungsinteresse. Vor dem Hintergrund steigender Arbeitslosigkeit, unsicherer Beschäftigungsperspektiven und zunehmender Insolvenzen gewinnt die Selbstständigkeit für viele die Funktion einer Ausweich- und Sicherungsstrategie. Dementsprechend liegt der Anteil derjenigen in der IHK-Gründungsberatung, die vornehmlich aus Mangel an Erwerbsalternativen gründen wollen, mit 36 Prozent so hoch wie seit elf Jahren nicht mehr. 

Verstärkt wird die Entwicklung durch Änderungen in der Gründungsförderung, insbesondere durch den Wegfall des Vermittlungsvorrangs beim Gründungszuschuss für Arbeitslose. Seit Anfang 2023 gilt Selbstständigkeit als gleichwertige arbeitsmarktpolitische Option zum abhängigen Beschäftigungsverhältnis, dies entfaltet zeitverzögert Wirkung über steigende Anträge und mehr Gründungsinteresse aus der Arbeitslosigkeit heraus.

Differenziertes Bild bei der Qualifikation

Dementsprechend haben die Stellungnahmen der IHKs für Anträge auf Gründungszuschuss deutlich zugenommen. Gegenüber 2023 hat sich die Zahl der IHK-Stellungnahmen für diese Maßnahme mehr als verdoppelt: Sie machen nunmehr 78 Prozent aller IHK-Stellungnahmen aus. 

Mit dem zunehmenden Gründungsinteresse berichten viele IHKs auch von mehr qualitativen Defiziten in den vorgelegten Geschäftskonzepten. So häufen sich unzureichend ausgearbeitete oder wenig tragfähige Pläne. Bedenklich hoch sind die Anteile der Konzepte, die Defizite in der Anwendung des kaufmännischen Handwerkszeugs (49 Prozent) und hinsichtlich der Überlegungen zur Finanzierung der Geschäftsidee (44 Prozent) aufweisen.

Damit ergibt sich aus den IHK-Rückmeldungen hinsichtlich der Qualifikationsstruktur ein differenziertes Bild: Einerseits gibt es weiterhin gut qualifizierte Gründer, etwa aus der Industrie oder aus Hochschulen, die gezielt unternehmerische Chancen nutzen. Andererseits wächst der Anteil an Gründungen, die aus Mangel an Erwerbsalternativen erfolgen und häufig mit geringerer Vorbereitung einhergehen. 

Hoher Anteil der Frauen unter den Gründern

Der Anteil von Frauen an den IHK‑Gründungsberatungen bleibt mit 44 Prozent auch 2025 auf einem hohen Niveau und bestätigt damit einen langfristigen strukturellen Wandel im Gründungsgeschehen. In den frühen 2000er-Jahren hatte die Quote noch bei rund einem Drittel gelegen. 

Welche wichtigsten Hemmnisse die Betroffenen selbst am Gründungsstandort Deutschland wahrnehmen, zeigt eine Befragung von Gründern, Start-ups und jungen Unternehmen bundesweit. Die 791 Antworten zeichnen ein deutliches Bild: Insgesamt bewerten die Befragten den hiesigen Gründungsstandort derzeit lediglich mit schwach befriedigend (3,5). 

73 Prozent fordern einfacheres und schnelleres Umfeld

Hauptgründe dafür sind die anhaltend hohen bürokratischen Belastungen und die schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen mit hohen Kosten und Unsicherheiten. Ziel der Wirtschaftspolitik sollte es aus DIHK-Sicht sein, dass Deutschland als attraktiver Gründungsstandort wahrgenommen wird, der guten Ideen gute Chancen zum Wachsen bietet.

Gründer fordern vor allem ein deutlich einfacheres, schnelleres und flexibleres Umfeld für unternehmerisches Handeln: 73 Prozent fordern schnellere und einfachere Regularien, 61 Prozent wünschen sich eine Vereinfachung des Steuerrechts. Auch ein besserer Zugang zu Fördermitteln, mehr Verständnis für Unternehmertum in der Gesellschaft, Energiepreise und Faktoren wie IT-Infrastruktur, Kapitalzugang oder Vernetzung spielen eine Rolle.

Anzeige

Girocard

Neu: girocard-Zahlung bald auch In-App

Der Handel profitiert von einem neuen digitalen Zahlungskanal für die beliebte Debitkarte – sicher und zu den gewohnt günstigen Konditionen.
Mehr erfahren

Neue Produkte

Weil Branchenbeste mehr erreichen!

Videos vom Supermarkt des Jahres 2026 - Nominierte und Gewinner

Regional-Star 2025 - Die Nominierten