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Kosmetik Erweitertes Shopping-Erlebnis

Bettina Röttig | 26. Juni 2018


Kosmetik: Erweitertes Shopping-Erlebnis
Bildquelle: L.O.V., Steffen Hause, Petra A. Killick

Die Digitalisierung gilt als große Herausforderung der Konsumgüterbranche. Der Beauty-Sektor testet, wie digitales Marketing und Augmented-Reality-Anwendungen den Verkauf von Lippenstift und Haartönung im stationären Handel anheizen können.

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Frau kennt das: Neue Lidschatten- oder Lippenstifttöne machen neugierig. Was uns am Regal farblich anzieht, schmeichelt jedoch nicht unbedingt dem eigenen Spiegelbild. Auch Texturen, Handhabung und Optik müssen passen. So wird fleißig getestet im emotionalen Segment der Kosmetik. Jedoch ist Phantasie gefragt, um die hastig übereinander aufgetragenen Nuancen beurteilen zu können. Zudem stellt unser Kopfkino rund um den letzten Kunden, der seine Lippen in den Teststift gedrückt hat, oft eine Hürde dar. Die moderne Tech-nologie bietet Lösungen, um solche Kaufhemmnisse zu überwinden: So spielen zum Beispiel digitale „Tryon- Tools“ in Form von Apps anhand meines Selfies im Handumdrehen virtuell einen Look nach dem anderen durch und geben Tipps für die perfekte Anwendung. Solch „realitätserweiternde“ Technik soll nun im stationären Geschäft möglichst Zusatzumsätze bei Körperpflege und Kosmetik generieren.

Für Millennials und Selfie-Generation ist die „gepimpte“ Realität bereits eine Selbstverständlichkeit, auf die Konsumgütermarken ausgerichtet sein müssen. Nach Informationen des Kosmetik-Konzerns Coty wünschen sich bereits rund 72 Prozent der Kosmetik-Kunden ein Einkaufserlebnis in stationären Makeup- Abteilungen, das physische und digitale Elemente kombiniere. Die Begründung der Verbraucher ist höchst interessant: Der Einkauf soll sich dadurch „realer und glaubwürdiger anfühlen“.

Marketing-sprech

Phygital ist das neue Schlagwort für modernes Marketing. Gemeint ist die Verbindung der digitalen mit der analogen Welt, die Integration digitalen Wissens und virtueller Inhalte in die physische Realität. Auch gerne für die Kombination der Welten verwendet: die Begriffe blended reality oder mixed reality.


Coty hat sich der Herausforderung angenommen und testet aktuell einen „Magischen Spiegel“, der physische Produkte mit digitalem Content verbindet und ein „erweitertes“ Kauferlebnis bietet. Der Blended- Reality-Spiegel, mit den Partnern Holition und Perch entwickelt, überwinde die Grenzen traditioneller virtueller Make-up- Erfahrungen, die sich auf die „künstliche“ Welt beschränkten, so das Unternehmen. In einer Pariser Boutique der Make-up-Marke Bourjois kommt er seit Frühjahr 2018 zum Einsatz. Nehmen Kundinnen einen Lippenstift der „Rouge Velvet Lipstick Collection“ in die Hand, erscheint die entsprechende Farbnuance automatisch auf den Lippen ihres „magischen“ Spiegelbildes. Der digitale Look kann mit zum Hautton passendem Augen-Make-up und Rouge komplettiert und als Selfie ausgedruckt werden. Die Kunden physische Produkte in die Hand nehmen zu lassen, erhöhe deren Bereitschaft, diese tatsächlich zu kaufen, so die erste Erkenntnis. „Die meisten Frauen bevorzugen intuitiv, mit einem Lippenstift zu spielen, anstatt einen Bildschirm zu berühren, da keine Technologie den sinnlichen Aspekt ersetzten kann, den Kosmetik-Verpackungen mitbringen“, erklärt Elodie Levy, Coty Global Digital Innovation Senior Director.