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Euroshop Handel sieht Erfolge

Bernd Liening | 23. März 2020
Euroshop: Handel sieht Erfolge
Bildquelle: René Plantade

Wer überdurchschnittlich digitalisiert, ist erfolgreicher und macht mehr Umsatz. Das zeigt eine aktuelle Umfrage im Handel. Welche technischen Möglichkeiten es dafür gibt, war bei der Euroshop zu sehen.

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Für den Mittelstand ist die Digitalisierung eine Investition in die Zukunft. In jedem zweiten Unternehmen (51 Prozent) sind die entsprechenden Transformationsprozesse inzwischen fester Bestandteil der strategischen Geschäftsentwicklung. Wer überdurchschnittlich digitalisiert ist, verzeichnet einen Umsatzanstieg, gewinnt leichter neue Kunden und kurbelt über innovative digitale Geschäftsideen seine Wertschöpfung an. Zu diesen Ergebnissen kommt die vierte repräsentative Studie „Digitalisierungsindex Mittelstand 2019/2020“ der Deutschen Telekom. Zu einem wichtigen Treiber entwickeln sich datenbasierte Analysen von Kundenbeziehungen und Geschäftsprozessen. In Big Data und KI-Technologien sehen 71 Prozent der Befragten eine Chance, ihr Geschäft weiterzuentwickeln.

Zwar liegt der Handel mit 52 Indexpunkten im Digitalisierungsvergleich unter dem Durchschnitt, doch in 39 Prozent der Handelsunternehmen ist die digitale Transformation ebenfalls schon Teil der Geschäftsstrategie. Digitale Kassensysteme, intelligente Regale, WLAN für Kunden, kontaktloses Bezahlen: Das sind laut Telekom-Umfrage die Lösungen, mit denen Händler ihre Zukunft vorbereiten. Während wie in allen Branchen die kleinen Betriebe bei der Digitalisierung hinterherhinken, liegen die großen Handelsketten mit 60 Punkten deutlich über dem Durchschnitt. „Die Königsdisziplin ist es, neue digitale Geschäftsfelder zu entwickeln. Denn das Risiko steigt, von komplett neuen Marktteilnehmern mit digitalen Innovationen in kurzer Zeit überholt zu werden“, sagte Hagen Rickmann, Geschäftsführer Geschäftskunden Telekom Deutschland.

Kunden gezielter ansprechen
Quer durch alle Branchen gilt: Auf Basis von Daten können die Firmen im Mittelstand ihren Kunden gezielter als bisher individuelle Produkte und Services (31 Prozent) anbieten. Dafür verknüpfen bereits fast ein Viertel (23 Prozent) der KMUs auch externe Informationen mit den eigenen Kundendaten. „So lassen sich Muster und Trends im Kaufverhalten erkennen“, heißt es in der Studie. Zebra Technologies zitiert eine eigene Studie, nach der 75 Prozent der jüngeren Konsumenten ein Geschäft ohne Kauf verlassen und das gewünschte Produkt online kaufen, wenn dieses im Laden ausverkauft ist. Bei der Euroshop zeigte Zebra unter anderem die preisgekrönte Software-Lösung „Prescriptive Analytics“, mit der Handels- und Konsumgüterunternehmen ihre Daten genau analysieren können. Für Händler liegt der Vorteil auch darin, dass sie einen schnellen Überblick über ihre Bestände erhalten und diese besser steuern können.

Kassenloser Laden
Um Lücken in den Regalen zu vermeiden und sicher zu stellen, dass alle Artikel auch am vorgesehenen Platz stehen, kooperiert Toshiba mit Badger Technologies und präsentierte „Badger Store Execution Suite“. Ein autonomer Roboter erfasst die Artikel in den Regalen mit 3-D-Tiefenkameras und erkennt, ob sie mit dem Planogramm übereinstimmen und in ausreichender Stückzahl im Regal liegen. Mithilfe von Analytics-Technologie, die Bestandteil der Lösung ist, erhalten Mitarbeiter zeitnah Informationen, um rechtzeitig gegen Out-of-Stocks angehen zu können. Außerdem entwickelte Toshiba sein 2019 vorgestelltes Konzept des kassenlosen Shops – den „Frictionless Store“ – weiter. An den Wänden und der Decke sind Kameras und auf den Böden mit Sensoren bestückte Matten angebracht, die die Artikel in den Regalen erkennen und deren Weg in die Einkaufskörbe der Kunden verfolgen. Der Einkauf wird ohne Kasse per App abgerechnet und bezahlt. Christoph von Lingen, Country Sales Leader bei Toshiba Deutschland, ist überzeugt, dass deutsche Händler in den nächsten zwei Jahren erste Lösungen des Frictionless-Stores einsetzen werden.

Fujitsu stellte ein Lieferantenportal vor, mit dem Händler die Zusammenhänge im Kaufverhalten ihrer Kunden analysieren können. Auf dieser Daten können dann gemeinsam mit Lieferanten exakt zugeschnittene Maßnahmen wie Regionalisierung von Produktlistungen, Medienkampagnen oder Sonderplatzierungen ergriffen werden.

Stora Enso Smart Cabinet zeigte auf Basis von Microsofts „Azure IoT“ eine schlüsselfertige Lösung zur Rückverfolgung, Identifizierung und zum Selfscanning von Artikeln. Das Vendingsystem „Intelligent Cabinet“ erlaubt eine automatischen Verkauf von Produkten – etwa nach Ladenschluss. Diese sind mit kunststofffreien papierbasierten RFID-Etiketten (Radio Frequency Identification) gelabelt. Per Smartphone können Kunden die „Intelligent Cabinets“ öffnen und die entnommenen Lebensmittel etwa über MobilePay direkt bezahlen. Zusätzlich bietet Stora Enso Smart Cabinet eine Backend-Lösung an, mit denen die Betreiber den aktuellen Bestand jedes Schranks überprüfen und rechtzeitig für Nachschub sorgen können.

Welche Möglichkeiten Augmented Reality in Verbindung mit mobilem Barcode-Scanning bietet, zeigte Scandit. Mit einer Barcode-Scanning-App können Kunden mit ihrem Smartphone zusätzliche Produktinformationen und Bewertungen abrufen. Mit einer Matrix-Scan-Funktion können die Barcodes zahlreicher Produkte gleichzeitig gelesen werden. Ein Augmented-Reality-Overlay kennzeichnet dann etwa vegane Produkte grün und tierische Produkte rot.

Die KPS AG, eine Unternehmensberatung mit Schwerpunkt Handel, zeigte die App „Augmented Reality Food Assistant“. Diese filtert Produkte mit bestimmten Eigenschaften wie zum Beispiel glutenfrei. Vom Smartphone geführt, findet der Kunde das richtige Produkt schneller und unkomplizierter.

Die Waage spricht
Als Weltneuheit präsentierte Mettler Toledo in Zusammenarbeit mit der Online Software AG eine KI-basierte Variante der Obst- und Gemüse-SB-Wagge „FreshWay“: die erste „sprechende Waage“. Diese erkennt Produkte über ein Kamerasystem und kommuniziert mit natürlicher Sprechstimme mit dem Kunden. Die Waage antwortet auf Fragen nach dem gerade gewogenen Produkt wie Herkunft, Inhaltsstoffe oder einem Rezept. Alle Informationen werden zudem auf einem Kunden-Display angezeigt, Rezepte können direkt ausgedruckt werden.

Die Euroshop zeigte anschaulich, welche Kräfte in der Digitalisierung schlummern. Und, wie die Studie der Telekom zeigte, sich diese auch in höheren Umsätzen niederschlagen können. Nach eigenen Angaben konnten 85 Prozent der Unternehmen dank kundenbasierter Datenanalysen ihre Umsätze erhöhen und 84 Prozent die Kundenzufriedenheit und -bindung verbessern.