Bildquelle: Initiative Tierwohl

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Der moderne Kunde ist kritisch. Er hinterfragt die Bedingungen, wie ein Produkt entstanden ist. Gerade beim Fleisch steht die Tierhaltung im Fokus des Verbraucherinteresses. Die Initiative Tierwohl verbessert die Haltungsbedingungen. Um welche Verbesserungen geht es?

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Ein Plus für viele

Die Art, wie ein Tier aufgezogen, gehalten und geschlachtet wird, ist für die Kunden immer wichtiger. In unserer Gesellschaft herrscht Konsens darüber, dass die Verbesserung des Tierwohls ein wichtiges Anliegen ist.

Bereits im Januar 2015 hat die Initiative Tierwohl ihre Arbeit aufgenommen. Erstmalig in Deutschland setzen sich Unternehmen und Verbände aus Landwirtschaft, Fleischwirtschaft und Lebensmittel-Einzelhandel (LEH) gemeinsam für eine tiergerechtere und nachhaltigere Fleischerzeugung ein. Inzwischen hat sich bei der Initiative einiges getan.

Rund 6.700 landwirtschaftliche Betriebe mit jährlich rund 600 Millionen Schweinen, Hähnchen und Puten machen mit. Sie müssen Maßnahmen – die sogenannten Tierwohlkriterien – umsetzen und erhalten dafür Gelder, welche die entstehenden Kosten kompensieren sollen. Damit das funktioniert, zahlen die Partner aus dem LEH zurzeit jährlich 130 Millionen Euro an die Initiative.

Für die Landwirte ist die Mitgliedschaft in der Initiative kein Selbstläufer. Sie werden jedes Jahr mindestens zweimal kontrolliert. Eine Kontrolle findet dabei ohne Voranmeldung statt. Fallen sie durch, wird ihnen die Berechtigung, Fördergelder zu empfangen, entzogen, und sie müssen außerdem die seit der letzten Kontrolle erhaltenen Gelder zurückzahlen.

Neben der Förderung und der Kontrolle von Tierwohl hat die Initiative neuerdings das Thema Innovation für sich entdeckt. Erstmalig lobt sie 2018 den „Innovationspreis Tierwohl“ aus. Tierhalter, Experten und Wissenschaftler können Fördergelder für ihre Tierwohlprojekte erhalten oder werden mit einem Preis für besonders innovative Leistungen ausgezeichnet.

Die Tierwohlkriterien selbst wurden von Experten und Wissenschaftlern so entwickelt, dass einerseits eine klare Verbesserung gegenüber dem gesetzlichen Mindeststandard erkennbar ist. Andererseits soll aber auch möglichst vielen Betrieben der Einstieg in eine tiergerechtere Haltung möglichst leicht gemacht werden. Der Grundgedanke ist – so erklärt es die Initiative – der einer Evolution: Zunächst werden möglichst viele Tierhalter durch das Tierwohl-System abgeholt, um dann gemeinsam den nächsten Schritt durch Weiterentwicklung der Tierwohlkriterien zu gehen.

Die Leistung der Initiative Tierwohl besteht so bislang auch in den erreichten Marktanteilen. Die Initiative konnte seit ihrem Start 2015 die Marktanteile des nach den Tierwohlkriterien produzierten Fleisches auf 25 Prozent bei Schwein und auf 70 Prozent bei Geflügel ausbauen.

Klar erkennbar

Damit Verbraucher Tierwohl-Produkte im Lebensmittelhandel erkennen können, gibt die Initiative seit April 2018 ein spezielles Siegel heraus. Nur Produkte, die nach Tierwohlkriterien erzeugt wurden, dürfen vom Handel durch das Siegel gekennzeichnet werden.

Mehr als nur mehr Platz

Was verbirgt sich konkret hinter den Tierwohlkriterien? Die Initiative unterscheidet zwischen Pflichtkriterien, die alle Tierhalter zwingend erfüllen müssen, und Wahlkriterien. Die letzteren gibt es nur für Schweinehalter, die noch mehr für ihre Tiere tun möchten. Hier eine Auswahl an Maßnahmen im Überblick.

Die Pflichtkriterien
QS-System: Voraussetzung für Tierhalter, bei der Initiative Tierwohl zugelassen zu werden, ist die Teilnahme am QS-System. Als Qualitätssicherungssystem definiert QS Herstellungs- und Vermarktungskriterien entlang der gesamten Wertschöpfungskette für frische Lebensmittel. Im Rahmen der Kontrollen für die Initiative Tierwohl muss ein Tierhalter die Umsetzung ausgewählter Basiskriterien aus dem QS-System zum Beispiel zu tierschutzgerechter Haltung, Hygiene und Tiergesundheit nachweisen.

Antibiotika-Monitoring
Für alle teilnehmenden geflügel- und schweinehaltenden Betriebe wird die Abgabe oder Anwendung von Antibiotika in einer privatwirtschaftlich geführten Antibiotika-Datenbank erfasst. Dieses Monitoring schafft eine Datengrundlage, die es Tierhaltern und Tierärzten ermöglicht, Handlungsbedarf zu erkennen und Maßnahmen einzuleiten. Der Einsatz von Antibiotika ist nur im Krankheitsfall nach Verschreibung durch den Tierarzt zulässig.

Stallklimacheck
Zu den Grund-anforderungen zählt der jährliche Stallklimacheck. Geschulte Experten untersuchen alle Lüftungssysteme der Stallanlage und beurteilen die Luftqualität, mögliche Schadgase und Lufttemperatur. Was optimal ist, hängt vom Alter der Tiere ab. Ein Ferkel beispielsweise braucht höhere Umgebungstemperaturen als ein älteres Schwein. Deshalb gibt es zum Beispiel Wärmelampen oder Ferkelnester zur Klimaführung, die auch regelmäßig geprüft werden müssen.

Tränkewassercheck
Der jährliche Tränkewassercheck wird von speziell geschulten Fachexperten durchgeführt. Fachlabore werten Tränkewasserproben aus den Ställen aus.

Beschäftigungsmaterial
Den Tieren werden zur Befriedigung ihres Spieltriebs Spielzeuge zur Verfügung gestellt. Bei Schweinen ist es Voraussetzung, dass das Spielzeug aus natürlichen Materialien wie Holz, Sisal und Naturkautschuk besteht. Das können zum Beispiel Bälle, Stricke oder Klötze sein. Für Geflügel muss es veränderbares und sich verbrauchendes Material sein. Das können zum Beispiel Stroh, Heu oder Picksteine sein.