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Verderbliche Produkte EU-Vorschläge gegen unfaire Handels-Praktiken

Lebensmittel Praxis | 02. Oktober 2018
Verderbliche Produkte: EU-Vorschläge gegen unfaire Handels-Praktiken

Bildquelle: Dieter Druck

Die EU-Staaten wollen die Landwirte Europas besser vor angeblich unfairen Praktiken der großen Handelskonzerne schützen. Eine entsprechende Übereinkunft stimmten Vertreter der Staaten jetzt zu. Der Handel warnt vor den Plänen. Sie würden die Position der ohnehin schon mächtigen Lebensmittelkonzerne weiter stärken.

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Aus Sicht der nationalen Regierungen sollen künftig Last-Minute-Stornierungen bei verderblichen Produkten untersagt werden. Auch verspätete Zahlungen sollen dann EU-weit untersagt sein. Zudem sollen diese Regeln nicht nur für Nahrungsmittel, sondern für alle landwirtschaftlichen Produkte gelten. Kleine Betriebe und Höfe werden aus Sicht der EU-Kommission und der EU-Staaten bei Verhandlungen zu oft von großen Abnehmern, Händlern und Supermarktketten benachteiligt. So würden etwa Verträge nachträglich einseitig geändert oder Bestellungen kurzfristig storniert. Pro Jahr entstehen den Bauern dadurch Schätzungen zufolge Schäden in Höhe von knapp elf Milliarden Euro. In rund 20 EU-Staaten gibt es bereits nationale Regeln, um gegen so genannte unfaire Handelspraktiken vorzugehen. Sie unterscheiden sich aber zum Teil deutlich voneinander.

Die Vorschläge, die Verhandlungsfreiheit der Lebensmittelhändler in ihren Verträgen mit den Herstellern einzuschränken, helfen aus Sicht des Handelsverbands Deutschland (HDE) im Ergebnis den Landwirten aber nicht. Vielmehr stärken sie stattdessen die Position der ohnehin schon mächtigen Lebensmittelkonzerne. Positiv bewertet der HDE deshalb die Vorschläge des Europäischen Rats, sich vornehmlich auf die Lieferbeziehungen der Landwirte zu beschränken. „Wenn der Lebensmitteleinzelhandel nicht mehr effektiv mit seinen Zulieferern verhandeln kann, dann wird die Ware letztlich zu höheren Preisen als bisher eingekauft und teurer an den Endverbraucher verkauft werden müssen“, so HDE-Präsident Josef Sanktjohanser.