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In den Niederlanden ist Ihr Convenience-Konzept seit Jahren etabliert. In Deutschland gibt es von Handelsseite bisher kaum Vorstöße für reine Convenience-Konzepte. Ist Deutschland überhaupt schon reif für „Albert Heijn to go“?
Die Niederländer sind nicht unbedingt weiter. Dort wurde das Angebot nur frühzeitiger platziert, und daraus ist ein Bedarf entstanden. In Deutschland wird Convenience auch immer selbstverständlicher. Wir sind nach einem Jahr Erfahrung in unserer Annahme bestärkt worden, dass es hier einen Markt für uns gibt. Es gibt viele Bäcker, Metzger oder auch Tankstellen, die den Kunden mit ihren veränderten Konsumgewohnheiten entgegenkommen. Die Tagesabläufe vieler Familien haben sich in den vergangenen Jahren stark verändert, bei vielen Paaren sind beide Partner berufstätig, es wird häufiger außer Haus konsumiert. Die Zeit ist einfach reif, um einen neuen Kanal mit Convenience-Produkten zu etablieren. Und unser Multi-Category-Angebot passt dazu sehr gut, weil wir Kunden mehr Vielfalt bieten können als ein Bäcker oder Metzger. Wir bündeln alle Angebot an einem Standort und laden den Verbraucher zu einer Verhaltensveränderung ein. Aber das Forma t ist noch jung und vieles noch in Bewegung, deswegen ist eine Marktanalyse noch schwierig.
Kann ein Handelsunternehmen bei derart vielen Wettbewerbern ein reines Convenience-Konzept rentabel betreiben?
Davon sind wir überzeugt. Das streben wir für Deutschland für die Zukunft auch an. Unsere bisherige Umsatzplanung war vorsichtig, weil wir neu im Markt sind, das Konzept neu ist und der Convenience-Markt jung ist – und unseren Plan haben wir erfüllt. Natürlich kann man, wenn man in einem Land neu startet, nicht nach wenigen Monaten den Break-even erreichen, aber wir sind auf einem guten Weg.
Wann wollen Sie rentabel sein?
Das wird sich zeigen.
Commerzbank-Analyst Jürgen Elfers hat im LP-Interview (LP 13/2013) gemutmaßt, Sie wollten mit den Läden in Deutschland nur Ihre Distributionszentren in den Niederlanden auslasten. Ist da was dran?
Wir haben mit Lekkerland einen sehr guten strategischen Partner in Deutschland und nutzen im Moment keines von unseren niederländischen Distributionszentren. Die Ware wird von unseren Lieferanten direkt nach Oberhausen zu Lekkerland gebracht und von dort aus täglich an die Filialen geliefert.
Beim Deutschland-Start 2012 haben Sie zehn Markteröffnungen innerhalb eines Jahres angekündigt, jetzt sind Sie bei der Hälfte. Woran hat es gehakt?
Manchmal hängt es einfach an der Baugenehmigung. Vor allem aber ist das Konzept von „Albert Heijn to go“ in den Niederlanden für ganz Europa überarbeitet worden. Das hat die Expansion in Deutschland vorübergehend gebremst. Der erste „Albert Heijn to go“-Shop in den Niederlanden mit neuem Design ist vor etwa zwei Monaten eröffnet worden. Nun treiben wir mit weiteren Filialen nach dem neuen Konzept die Expansion auch hierzulande wieder voran.
Was haben Sie am Konzept geändert?
Wir haben ein breiteres Sortiment als vorher, statt 600 führen wir nun mehr als 1.000 Artikel. Deshalb bevorzugen wir künftig auch eher Standorte mit mehr als 120 qm statt wie bisher mit 80 qm. Wir sind auch mehr zum Branding der Albert-Heijn-Familie zurückgegangen und haben das typische Blau und das bekannte Logo der Albert-Heijn-Supermärkte übernommen. Alle neuen Filialen werden in diesem neuen Design eröffnet – die ersten Filialen in Deutschland sind die in der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Allee und am Kölner Neumarkt. Die Marke Albert Heijn hat einfach eine unglaubliche Strahlkraft, auch nach Deutschland, und dieses Potenzial wollen wir nutzen, deshalb haben wir die Optik an die Albert-Heijn-Supermärkte angepasst.