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Dosenbier Signal aus Stahl

Markus Oess | 29. September 2010

Die Dose wird den Biermarkt dramatisch verändern. Hessenring setzt ein eigenes Sortiment gegen drohende mögliche Attacken der Discounter.

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Im Grunde entstand der Plan, mit eigenen Bier-, Biermix- und Softdrink-Dosen auf den Markt zu kommen als „Randerscheinung“ aus einem CM-Projekt. Edeka Hessenring und Ball Packaging Europe hatten ein gemeinsames CM-Projekt initiiert, bei dem es um die Optimierung des Getränkesortimentes ging. Projektpartner waren für die Bereiche Bier-/Biermischgetränke und AfG AB Inbev und Coca-Cola. Moderiert wurde das Projekt von GS 1 Germany. Anfang 2009 erfolgten erste Schritte. Im Sommer 2009 entstand dann die Idee für das Dosenprojekt, das schließlich Februar 2010 den Kaufleuten vorgestellt wurde. März 2010 war es soweit, Hessenring brachte die neugestalteten Dosen in die Regale. Früher gab es bei Hessenring zwei Bier-Dosen im Sortiment (Ratskrone: Pils und Radler). Heute wurde das Bier-Sortiment verdoppelt und durch ein attraktiveres Layout ersetzt. Dazu kommen noch vier AfG-Sorten.

Hans-Jürgen Steffen, Geschäftsleitung Hessenring und Chefeinkäufer, freut sich über den Coup: „Wir sind schon stolz darauf, mit der Doseninitiative als erster Händler noch vor den Discountern gestartet zu sein. Das war ein klares Signal in den Markt.“ Projektpartner Frank Sasse, European Retail Director bei Ball Packaging Europe, war froh, die Dose wieder stärker ins Spiel zu bringen: „Wir konnten mit Hessenring einen bedeutenden Handelspartner gewinnen, der sich mit der Dose mehr zugetraut hat als andere Händler.“ Ball Packaging Europe hofft mit dem Projekt weitere Händler bzw. Abfüller und den Verbraucher von den Vorteilen der Dose zu überzeugen. Für Hessenring hingegen waren zwei Motive ausschlaggebend: Die Lasten beim Zwangspfand sind zu Ungunsten des Einzelhandels verteilt, dies sollte in diesem Projekt verbessert werden. Zum zweiten galt es, sich gegen zu erwartende Aktivitäten der Discounter im Bereich Einweg-Bier zu positionieren.

Wenn auch in den letzten Jahren die Last des Mehrweg-Systems für alle Produktions- und Handelsstufen gewachsen ist, so wird sie dennoch von allen Stufen getragen. Das ist bei Einweg nicht der Fall, was einen dramatischen Webfehler im System darstellt. Die Last im DPG-Prozess – von der Finanzierung der Pfandgelder, der Prozesskosten für Clearing, den Ausfallrisiken, den Kosten für Rücknahmeautomaten bis zur Müllentsorgung – liegt ausschließlich im Einzelhandel. Steffen: „DPG-Einwegmüll im Einzelhandel und seine Kosten sind ein absolutes Reizthema für unsere Kaufleute. In unserem Projekt beteiligt sich testweise ein Dosenhersteller optimierend an den Rücknahme- und Entsorgungslasten des Einzelhandels.“ Sasse spielt den Ball zurück: „Das kann ich nur bestätigen. Wir haben uns gefreut, parallel zu unseren Initiativen mit einschlägigen Abfüllern die langfristige Zusammenarbeit mit einem bedeutenden Handelsunternehmen zu gewinnen.“

Noch schwerwiegender sind die drohenden Marktverschiebungen zugunsten der Discounter, wenn die Dose weiter in der Gunst der Verbraucher steigt. Bei AfG dominiert das Einweg-System und Discounter halten einen hohen Marktanteil. Beim Bier hingegen hat PET-Einweg noch nicht funktioniert, nicht zuletzt, weil Verbraucher Bier aus Plastikflaschen ablehnen, so dass Discounter bislang wenig punkten konnten. Doch es ist nur eine Frage der Zeit, bis Discounter auf den Dosenzug aufspringen und angreifen. Netto und Penny haben es inzwischen vorgemacht. Aldi und Lidl dürften nachziehen. Auch wenn Bier noch einen hohen Mehrweganteil ausweist, krankt das Mehrweg-System. Und das bei einer schlechten Prognose: Der Kistenverkauf sinkt, es werden immer mehr Flaschenvarianten auf den Markt gebracht, was das Handling erschwert; andererseits steigt der Verkauf von Sixpacks und Einzelflaschen – in Folge leidet das System an einer immer höheren Belastung durch den gestiegenen Handlingsaufwand. Das spielt den Discountern in die Hände. Um die überdurchschnittlichen Marktanteile des Vollsortimenters in der Kategorie Bier zu stabilisieren, gilt es daher, die zu erwartenden Attacken des Discounters zu verteidigen. Steffen: „Der Markt wird sich dramatisch ändern.“

Steffen zieht eine positive Zwischenbilanz: „Wir sind absolut zufrieden mit den Absatzzahlen. Aufgelaufen haben wir per Juli ein Plus von 77 Prozent.“ Das Projekt ist auch deshalb so erfolgreich, weil es von allen Kaufleuten der Edeka-Hessenring mitgetragen wird. Zurzeit wird ein Test mit der 0,25-cl-Bierdose (Pils) im Vierer-Pack vorbereitet. Das ist in Deutschland neu. Außerdem wurde ein IFCO-Mehrweg-Tray als Displaymodul für Getränkedosen entwickelt, das in 20 Märkten erfolgreich getestet wurde. Das neue Display, das 270 Halbliterdosen auf die Fläche bringt, lässt die Ware in den Vordergrund rücken und bietet durch seine Wiederverwendbarkeit ökologische Vorteile. Es wird im gesamten Absatzgebiet von Hessenring angeboten. Die 0,25-l-Dose von Coca-Cola wurde übrigens vor der nationalen Einführung ebenfalls in dem eingangs erwähnten CM-Projekt getestet.
Projektpartner: Hans-Jürgen Steffen (l.), Edeka Südwest, und Frank Sasse, Ball Packaging Europe.

Vorteile der Büchsen

  • Die Dose ist ein Leichtgewicht im Vergleich zu Glas; der Alu- bzw. Stahlanteil ist deutlich reduziert worden.
  • Die Dose ist bei Bier und kohlensäurehaltigen Erfrischungsgetränken die transporteffizienteste Verpackung.
  • Die Dose hat hohe Recyclingquoten (rund 95 Prozent).
  • Die Dose hat ein längeres MHD als PET-Flaschen.
  • Die Dose ist eine hermetische Verpackung; sie ist lichtdicht, schützt also vor Sonneneinstrahlung; sie ist gasdicht, schützt also vor Verderb durch Sauerstoffeintrag.
  • Die Dose genießt eine hohe Verbraucherakzeptanz.
  • Die Dose lässt sich gut stapeln und benötigt bei der kompaktierenden Rücknahme weniger Volumen als PET-Flaschen. Im Handel zeichnet sie sich durch einfaches Handling und hohe Flächeneffizienz aus.
  • Die Dose als Verpackung für Bier genießt gegenüber PET eine höhere Konsumentenakzeptanz.

  Quelle: Ball Packaging Europ

Die DPG

Seit Januar 2003 gilt eine weit reichende Pfandpflicht für bestimmte Einweggetränkeverpackungen. Grundsätzlich muss jeder Vertreiber alle pfandpflichtigen Einweggetränkeverpackungen der Materialart (Glas, Kunststoffe, Metalle, PPK) zurücknehmen, die er im Sortiment führt. Zur Realisierung der umfassenden Pfanderstattungspflicht innerhalb der Getränkewirtschaft wurde 2005 auf Initiative des deutschen Handels und der Getränkeindustrie die DPG Deutsche Pfandsystem GmbH gegründet. Die DPG stellt den rechtlichen und organisatorischen Rahmen für den Pfandausgleich (Pfand-Clearing) zwischen den am System teilnehmenden Unternehmen bereit. Die DPG übernimmt jedoch nicht die Funktion einer zentralen Clearing-Stelle, sondern stellt den Unternehmen ein Rahmen-System zur Verfügung, innerhalb dessen DPG-Systemteilnehmer den Pfandausgleich untereinander abwickeln können.