In Zeiten globalisierter Lieferketten und internationaler Fertigung ist das Herstellen gewerblicher Kühl- und Tiefkühlmöbel in Deutschland zur Ausnahme geworden. Niedriglohnländer setzen die Branche unter Druck. Zugleich steigen die Ansprüche der Kunden aus Handel und Lebensmittelhandwerk: Neben dem Preis zählen zunehmend Servicequalität, Liefergeschwindigkeit und Nachhaltigkeit.
Wenn globale Lieferketten reißen und Handelszölle drohen, schlägt das Pendel neu aus: Inzwischen liegen lokale und verlässliche Lieferanten mit kurzen Wegen wieder im Trend – ein Vorteil für das Kühlmöbelwerk Limburg (KMW).
Alles aus einer Hand
Im Gespräch mit der Lebensmittel Praxis verweisen Geschäftsführer Zdravko Crepulja und Marketingleiter Miquele Stehning auf die hohe Fertigungstiefe, die Flexibilität und kurze Wege im Produktionsprozess sowie die technische Qualität des Kühlmöbels aus Limburg an der Lahn. KMW stellt Kühlmöbel her, die sich modular konfigurieren lassen. Die Kunden können Fronthöhen, Möbeltiefen, Luftführungssysteme sowie Einbaukomponenten flexibel kombinieren. „Dieses Prinzip ermöglicht eine hohe Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Marktgrößen, Sortimentstypen und betriebliche Anforderungen“, betont Stehning. Gerade im Lebensmitteleinzelhandel, wo Verkaufsflächen häufig umgebaut oder neu konzipiert werden, stelle diese Flexibilität einen Wettbewerbsvorteil dar.
Darüber hinaus haben die Domstädter steckerfertige Lösungen im Angebot, die unabhängig von zentralen Kälteanlagen funktionieren und daher besonders für temporäre Aktionsflächen und Kleinflächenkonzepte geeignet sind.
Am Standort Limburg arbeiten derzeit rund 130 Mitarbeiter in der Kühlmöbelfertigung. Sämtliche wesentlichen Produktionsschritte – vom Zuschnitt der Blechteile über die Pulverbeschichtung bis zur Endmontage – werden im eigenen Werk durchgeführt. Das ermögliche eine rasche Umsetzung kundenspezifischer Anpassungen sowie eine konstante Qualitätskontrolle entlang der Wertschöpfungskette, betont Stehning, der seit über 10 Jahren die positive Entwicklung bei KMW mit vorantreibt. Zuvor hat er für einen italienischen Süßwaren-Giganten gearbeitet.
Praxisorientierte Lösungen
Das Kühlmöbelwerk ist hoch spezialisiert, wie ein Gang durch die Betriebsstätte in Nähe zur strategisch günstig gelegenen A3 zeigt. Das Unternehmen betreibt eigene Entwicklungs- und Testräume, in denen Kühlmöbelinnovationen unter realitätsnahen Bedingungen auf Energieeffizienz, Temperaturstabilität und Langlebigkeit geprüft werden. Das verkürze die Zeit der Inbetriebnahme auf den Handelsflächen deutlich.
Das Produktspektrum von KMW richtet sich an unterschiedlichste Handelsformate. Es umfasst unter anderem:
- Wandkühlregale in zahlreichen Konfigurationen, wahlweise mit Isolierglastüren oder Luftschleiersystemen
- flexibel einsetzbare steckerfertige Kühlinseln und Frischekühler, konzipiert für Eingangsbereiche, Convenience- und Impulsplatzierungen
- steckerfertige Getränkeregale in verschiedenen Modullängen – bei den steckerfertigen Kühlmöbeln wird das nachhaltige Kältemittel R290 (Propan) verwendet
- spezialisierte Lösungen für Obst- und Gemüseabteilungen
- effiziente Kälteanlagen mit integrierter Wärmerückgewinnung zur Nutzung überschüssiger Energie für Heizzwecke
- Effiziente und moderne Tiefkühlmöbel wie Tiefkühlinseln, Wandtruhen und Schränke
KMW arbeitet nach eigenen Angaben streng nach der F-Gase-Verordnung, so werden nur modernste Kältemittel mit einem GWP von unter 150 verwendet.
Standort sichert Unabhängigkeit
KMW bekennt sich zum Produktionsstandort Deutschland – schon immer. Die Abhängigkeit von internationalen Lieferketten und durch geopolitische Spannungen habe gezeigt, wie wichtig eine stabile, regionale Versorgung sei, heißt es aus Unternehmenskreisen. Die Konzentration auf den Standort Limburg ermögliche es, sowohl in Bezug auf Lieferzeiten als auch in der Reaktionsgeschwindigkeit gegenüber Kundenwünschen wettbewerbsfähig zu bleiben. Der Mittelständler setzt deshalb auf eine Mehrlieferantenstrategie im Einkauf sowie auf eine Vorratshaltung bei kritischen Komponenten, um auch unter angespannten Marktbedingungen lieferfähig zu bleiben.
Als inhabergeführtes Unternehmen können die Limburger Entscheidungen unabhängig und schnell treffen. Dies betrifft sowohl die Fertigungsplanung als auch Investitionen in Technik und Personal. „Wir legen großen Wert auf Ausbildung und Fachkräfteentwicklung“, betont Geschäftsführer Crepulja. Die Belegschaft stammt überwiegend aus der Region, internationale Fachkräfte werden über gezielte Integrationsmaßnahmen und Sprachförderung eingebunden. Auch duale Studiengänge in Kooperation mit der Technischen Hochschule Mittelhessen gehören zur Personalstrategie.
In einem Umfeld, in dem Geschwindigkeit und Lieferfähigkeit zunehmend zu zentralen Wettbewerbskriterien werden, erweist sich die Standorttreue von KMW spätestens jetzt als strategisch klug und zeigt: „Qualität aus Deutschland“ hat seine Berechtigung nie verloren.
