Edeka- und Rewehändler im Vergleich Die Top 10 der stärksten Selbstständigen

Hintergrund

Selbstständige Kaufleute sind die Säulen von Edeka und Rewe. Die größten von ihnen, die Top 10, haben auch im vergangenen Jahr wieder bemerkenswerte Zahlen hingelegt. Dabei ging es nicht nur nach oben.

Montag, 12. Mai 2025, 07:40 Uhr
Markus Wörmann
Edeka versus Rewe – das sind die Top 10 der umsatzstärksten Händler
Edeka und Rewe gehören weltweit zu den Top-20-Händlern nach Umsatz. Bildquelle: Getty Images, Adobe Stock

Die Top 10 der beiden großen Vollsortimenter Edeka und Rewe zeigt für 2024 ein paar Auffälligkeiten. So verweilt Edeka-Primus Feneberg zwar weiter unangefochten auf der Spitzenposition, dürfte aber im Vergleich zu 2023 etwas Geschäft eingebüßt haben: Nach der Einschätzung von Tradedimensions stehen 2 Millionen Euro Umsatz für Feneberg weniger zu Buche . Das muss aber richtig eingeordnet werden, so Marcus Dittmar, Retail Research Analyst Tradedimensions, weil „Feneberg im Vergleichszeitraum sieben Märkte abgegeben hat, wodurch sich die Fläche um 6,5 Prozent reduzierte“. Deshalb zeichnet nach Ansicht des Experten die geringfü­gi­ge Umsatzschmelze von minus 0,4 Prozent, also von 518 auf 516 Millionen Euro, eher ein positives Bild von den verblie­benen 77 Märkten des Edekaners aus Südbayern.

Kräftig zugelegt haben Scheck (Edeka Südwest) und WEZ Preuß (Edeka Minden-Hannover) im vergangenen Jahr. Bei Edeka Scheck aus Achern wirkten sich zwei Neueröffnungen im Herbst 2023 vollumfänglich und eine im Herbst 2024 anteilig positiv aus. Nach Schätzungen von Tradedimen­sions stieg der Umsatz von Scheck von 388 auf 423 Millionen Euro; ein Plus von 9 Prozent.

Zuwächse in ähnlicher Höhe kann Familie Preuß vorweisen: Plus 8,6 Prozent entsprechen einem Sprung von 325 auf 353 Millionen Euro Jahresum­satz. Auch hier dürfte sich – neben einer infla­tionsbedingten Umsatzsteigerung – die Inte­gra­tion von NP-Märkten 2023 und 2024 niederschlagen.

Das Geschäftsjahr der Edeka

Der Edeka-Verbund hat seinen Umsatz im Geschäftsjahr 2024 um 6,5 Prozent auf 75,3 Milliarden Euro gesteigert. Die selbstständigen Edeka-Kaufleute erwirtschafteten davon 40,8 Milliarden Euro, was einem Zuwachs von 3,9 Prozent entspricht, teilte das Unternehmen Mitte April mit. Netto Marken-Discount legte um 2,7 Prozent auf 17,6 Milliarden Euro zu.

Das Vertriebsnetz umfasste Ende 2024 insgesamt 10.859 Lebensmittelmärkte, darunter 4.399 Filialen von Netto Marken-Discount und 6.460 Märkte im regionalen Einzelhandel. Etwa 3.200 selbstständige Kaufleute führen rund 90 Prozent der Edeka- und Marktkauf-Märkte. Im Jahresverlauf eröffnete der Verbund 238 neue Lebensmittelmärkte. Abzüglich der Schließungen stieg die Gesamtver­kaufsfläche damit auf 12,3 Millionen Quadratmeter, heißt es aus der Unternehmenszentrale in Hamburg. Insgesamt werden 5.365 Märkte von selbstständigen Kaufleuten geführt, darunter 102 neue Standorte. Besonders erfreulich aus Sicht der Edeka: 130 neue selbstständige Kaufleute kamen im vergangenen Jahr hinzu.

Top 10 Edeka Entwicklung 2015-2024

Was sich seit 2015 verändert hat

Tradedimensions hat die Top-10-Zahlen des vergangenen Jahres mit denen aus dem Jahr 2015 verglichen. „Dabei haben sich der erzielte Umsatz und die Filialanzahl der zehn umsatzstärksten selbstständigen Unternehmen im Vergleichszeitraum praktisch verdoppelt“, sagt Analyst Marcus Dittmar. Das Flächenwachstum falle mit plus 41 Prozent leicht geringer aus. Seiner Meinung nach spiegelt sich die gestiegene Bedeutung der Selbstständigen für die Edeka auch in der gewachsenen Zahl der Unternehmen wider, die mindestens fünf Filialen unter entsprechendem Banner betreiben. „Mit 115 Händlern im Jahr 2024 sind das rund 30 Prozent mehr als noch vor zehn Jahren“, so Dittmar. Und jetzt das große Aber: Die Umsatzbedeutung der Top 10 am Gesamtranking aller bei Tradedimensions geführten Edeka-Selbstständigen nimmt aufgrund der hohen Anzahl an neuen Betreibern um 5 Prozentpunkte ab und liegt im Jahr 2024 bei 26 Prozent.

Professor Stephan Rüschen von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) in Heilbronn sieht die Selbstständigkeit und deren positive Auswir­kungen auf das Geschäftsmodell weiterhin als die wesentlichen Erfolgsfaktoren von Edeka- und Rewe-Supermärkten an. Mit Blick auf die Top 10 der beiden Vollsortimenter gibt er aber zu bedenken: „Eine zunehmende Filialisierung von einzelnen Selbstständigen beinhaltet die Gefahr, dass Marktnähe und Kundenorientierung verloren gehen könnten. Außerdem könnten große Einheiten entstehen, die bei einer finanziellen Schieflage eine Gefahr für eine regionale Großhandlung sein könnten.“ Edeka und Rewe sind aus Sicht des Handelsexperten gut beraten, auf Marktebene dezentral zu bleiben. „Die Entstehung von Sub-Großhandlungen zwischen Märkten und regionaler Edeka-Großhandlung erzeugt zusätzliche Komplexitätskosten“, sagt Profes­sor Rüschen.

Vielleicht ist auch deshalb die Zahl der selbstständigen Rewe-Kaufleute, die fünf oder mehr Filialen betreiben, seit 2015 lediglich um zwei weitere gestiegen – auf nun 28. Die Top-10-Rewianer legten laut Tradedimensions im Vergleichszeitraum beim Umsatz um 42 Prozent zu, trotz des vergleichsweise geringen Zuwachses in der Filialanzahl (+15 %) und Fläche (+19 %). Der Umsatzanteil der Top 10 macht 2024 mit 
67 Prozent rund zwei Drittel aller bei Tradedimensions geführten selbststän­digen Rewe-Händler aus. Und auch hier das große Aber: Ihr Umsatzanteil hat (wie bei der Edeka-Top-10) seit 2015 um 5 Prozentpunkte abgenommen.

Die diesjährige Rewe-Top-10 zeigt kaum Veränderungen zum Vorjahr, was die Anzahl der Filialen betrifft. Laut Tradedimensions bekamen Rahmati und Freidank jeweils eine Filiale dazu, was einen Umsatzzuwachs von 6,8 beziehungsweise 7,8 Prozent nach sich zog. Alle anderen Top-Kaufleute der Rewe blieben auf dem Stand des Vorjahres; sie gaben also auch keine Märkte ab. Ihre Jahresumsätze stiegen teilweise nur moderat im Rahmen der letztjährigen Inflation von 1,9 Prozent. Umso bemerkenswerter, wenn bei der gleichen Anzahl von Verkaufsstellen Zuwächse von 5 und mehr Prozent (Eins A, Hundertmark, Lenk) zu Buche stehen.

Alle 1.573 Rewe-Kaufleute unter dem Dach der genossenschaftlichen Rewe Group steigerten die Umsätze 2024 um 7 Prozent auf 19 Milliarden Euro. Für Rewe und Penny stieg der Gesamtumsatz im vergangenen Jahr um 3,2 Prozent auf 41,6 Milliarden Euro, so die Zahlen aus dem Geschäftsbericht 2024, der Anfang April veröffentlicht wurde. Vollsortimenter Rewe legte dabei um 3,4 Prozent auf einen Umsatz von 31,6 Milliarden Euro zu.

Top 10 Rewe Entwicklung 2015-2024

Geld für die Märkte

Die Rewe Group wird bis 2028 rund 16 Milliarden Euro investieren, heißt es im Geschäftsbericht 2024. Die Investitionsschwerpunkte liegen in allen Märkten demnach auf dem Vorantreiben der Digitalisierung, dem Ausbau und der Modernisierung von Märkten und Infrastruktur (IT/Logistik) sowie Immobilien-Eigenobjekten. „Während andere Wirtschaftszweige Investi­tio­nen zurückfahren oder gar Standorte aufgeben, stärken wir mit unseren Investitionen, die auch im Branchenvergleich sehr hoch sind, die Wirtschaftsstandorte Deutschland und Europa. Wir fördern nationale Wertschöpfung und bleiben auch in schwierigen Zeiten ein starker, verlässlicher Wirtschaftsmotor“, so Rewe-Chef Lionel Souque.

Der Edeka-Verbund investierte nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr bereits rund 2,9 Milliarden Euro in die Modernisierung der Märkte sowie in Logistik, IT und Produktionsbetriebe. Ein Vorzeigeobjekt ist das im Oktober 2024 in Betrieb gegangene Fruchtkontor Nord im Hamburger Hafen. 50 Reifekammern für Bananen sowie ein Obst- und Gemüselager wurden dort installiert. Um die eigenen Ziele von 90 Prozent weniger Treibhausgasemissionen bis 2045 zu erreichen, muss der Edeka-Verbund in den nächsten Jahren massiv in ressourcenschonende Technologien und umweltfreund­liches Bauen investieren.

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