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Diesen Punkt betont auch Richard Fischels, Leiter der Arbeitsgruppe Rehabilitation im Bundesministerium für Arbeit und Soziales: „Zu fragen, was nicht geht, ist der falsche Ansatz.“ Das Ministerium koordiniert im Rahmen der Initiative „Job“ („Jobs ohne Barrieren“) Maßnahmen, mit denen die Integration von behinderten Menschen in Ausbildung und Beschäftigung verbessert werden soll. Dabei setzen sie unter anderem Geld aus der so genannten „Ausgleichsabgabe“ ein: In Deutschland muss jedes Unternehmen mit mehr als 20 Mitarbeitern von Rechts wegen auch Behinderte einstellen. Falls nicht, zahlt es die erwähnte Abgabe – die dann der Förderung spezieller Projekte zugute kommt.
Die verzahnte Ausbildung funktioniert bei großen Arbeitgebern wie Metro oder der Daimler AG. Wie aber klappt es bei kleinen Unternehmen, etwa einem Verbrauchermarkt?O
laf Stieper macht Mut: Bei der (damals zur Metro Group gehörenden) Vertriebsschiene Extra zeigten einige Beispiele, dass es geht – es komme immer auf die Menschen an, welche die Integration wollen und voran treiben. Zweifel sind menschlich: Er verschweigt nicht, dass auch einige Metro-Ausbilder, die erstmals im Rahmen der verzahnten Ausbildung tätig werden sollten, im ersten Moment zögerlich reagiert haben, mit Zweifeln, ob die neue Herausforderung zu bewältigen sei. Doch nach der ersten erfolgreichen Runde waren die gleichen Ausbilder alle bereit, erneut gehandicapte Azubis auszubilden. Mit mehr Zeit, Nachhilfe und Verständnis auf beiden Seiten haben fast alle der oben erwähnten 201 Vamb-Azubis den Schritt ins Berufsleben geschafft.
Die Eingliederung gelingt sogar bei „schwierigen Fällen“, in denen man das als Laie kaum für möglich hält. Auf der Fachtagung berichtete Johann-Andreas Werhahn, Geschäftsführer der Georg Plange GmbH in Neuss/Homberg, dass er gerade versucht, eine autistische junge Frau zur Industriekauffrau auszubilden. Das sei für beide Seiten nicht immer einfach. Er macht unter anderem eine positive Beobachtung: Die Mitarbeiter der industriellen Mehlmühle müssen sich verändern, lernen neue Umgangsformen, denn: „Brüllen und Motzen nutzt bei der Autistin nicht.“
Solches Engagement ist bitter nötig: Pro Jahr besuchen rund 40.000 beeinträchtige Schüler eine Förderschule. Derzeit machen jedes Jahr etwa 26.000 lernbehinderte junge Menschen einen Schulabschluss. Nur 5 Prozent davon schaffen den Schritt in eine berufliche Ausbildung. Bittere Realität: Für die übrigen 95 Prozent bleibt allzu oft nur der Weg in Hartz-IV.
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Weitergehende Infos: www.vamb-projekt.de (detaillierte Beschreibung des Projektes, Praxisbeispiele, Ansprechpartner) www.bmas.de (Initiative Job, mit Fördermöglichkeiten)
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„Ich will ganz normal mit anderen Kollegen arbeiten.“ Sonja Hagedorn, Azubi im Vamb-Projekt
Querdenker: Dr. Jürgen Pfister (l.) und Olaf Stieper haben die Voraussetzung für die verzahnte Ausbildung bei der Metro geschaffen.
