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Handel Trend 2020

Reiner Mihr | 21. Januar 2020

Für die traditionelle Trendbefragung der Lebensmittel Praxis im deutschen Lebensmittelhandel haben Marktforscher von Nielsen Händler nach deren Einschätzung für 2020 befragt.

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Und es geht los: 2020 ist da. Was wird es bringen? Astrologen versprechen eine Sternenkonstellation wie nur alle paar Jahrhunderte – ein Jahr der Umbrüche. Ist das nun gut oder schlecht? Ein paar Dinge sind sicher: Beethoven wird 250! Olympia in Tokyo. Präsidentschaftswahlen in USA. Anderes ist unsicher: Deutschland wird Europameister? Der Berliner Flughafen wird eröffnet? Beim Wacken Open Air regnet es nicht?

Die Redaktion der Lebensmittel Praxis wollte sich nicht auf Sternendeuter und Spekulationen verlassen und hat Experten zu ihrer Meinung befragen lassen (siehe Text „Die Methode“). Das ist – zugegeben – auch nur eine Prognose, die wie meistens die Zukunft betrifft und damit schwer ist. Aber: Die befragten Händler sind optimistisch. Vielleicht hängt das damit zusammen, dass für viele das Jahr 2019 besser gelaufen ist als erwartet. Immerhin sagen 48 Prozent der Befragten, dass sich die Gesamtsituation des Lebensmittelhandels 2019 verbessert hat, nur 18 Prozent sagen, es sei schlechter geworden. Die gleiche Prozentzahl bleibt auch für 2020 skeptisch. Aber 43 Prozent sind sicher, dass es weiter aufwärts geht. Damit steigert sich der LP-Index deutlich. Übrigens: Die Optimisten sitzen in den Zentralen und in Filialen. Die Selbstständigen sind skeptischer.

Das heißt natürlich nicht, dass die Probleme kleiner werden. Natürlich wächst das Personal-Problem – woher sollen gute und junge Leute kommen? Und Umsatz- und Wettbewerbsdruck nehmen auch keinesfalls ab. Kunden zu gewinnen und zu halten wird ebenfalls nicht leichter. Auch den richtigen Mix im Sortiment für die Kunden am Standort zu meistern, bleibt eine permanente Herausforderung.

Letzteres verändert sich offenbar. Denn die befragten Händler setzen auf regionale Sortimente, aber auch auf Bio, Obst und Gemüse, vegetarisch und vegan. Diese Reihenfolge der Sortiments-Hoffnungsträger hätte es vor ein paar Jahren keinesfalls gegeben. Die Marktforscher haben nachgefragt: Tatsächlich werden regionale Produkte in ihrer Bedeutung weiter zunehmen, auch Produkte für besondere Ernährungsansprüche sowie Frischeprodukte. Diese Einschätzungen der Händler stützen sich auf Erfahrung. Denn gerade hier verzeichnen sie kräftige Umsatzzuwächse. Alarmierend ist, dass Markenprodukte von den Befragten als immer bedeutender im Discount, fürs eigene Geschäft aber eher Eigenmarken gesehen werden. Und ein neues Thema taucht verstärkt auf: Gastronomie im Handel.

Das sind dann auch einige der Bereiche, mit denen sich Händler vom Wettbewerb unterscheiden wollen. Ergänzt durch Thekengeschäft, Eigenproduktion, Sofortverzehr. Ein Thema nimmt an Relevanz offenbar deutlich zu: der Verkauf loser Ware.

Die Methode

Marktforscher von Nielsen haben im Auftrag der Lebensmittel Praxis vom 11. bis 29. November 2019 selbstständige Lebensmittel- Einzelhändler, Filialleiter/Substitute, Einkäufer in den Zentralen des LEH oder Einkäufer einer Regionalgesellschaft von Edeka oder Rewe telefonisch (sogenannte CATI-Befragung) befragt. Die Stichprobe betrug 300, die sich zu je 40 Prozent auf Selbstständige und Marktmanager sowie 20 Prozent auf Einkäufer bezog. 64 Prozent waren männlich. Dabei arbeiteten jeweils etwa die Hälfte in Märkten mit Verkaufsflächen über beziehungsweise unter 1.500 qm. Groß- und Kleinstadt waren stärker vertreten als das Land.