Regionalität im Handel Landeier im Trend - Aldi Süd

Das Landei liegt im Trend: Regionale Produkte haben Bio in der Kundengunst überholt. Wie der Handel jedoch „regional" definiert, kommt ganz auf die Betrachtung an. Von „30 km Umkreis" bis „deutschlandweit" ist alles drin.

Sonntag, 19. Juni 2011 - Management
Artikelbild Landeier im Trend - Aldi Süd
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Aldi Süd kauft nach eigenen Angaben Obst und Gemüse wie auch Brot und Kuchen zum Teil dezentral in den Regionalgesellschaften ein. Hierbei beachte man selbstverständlich auch regionale Lieferanten, erklärt Kirsten Windhorn von Aldi Einkauf. Außerdem berücksichtige man regional begrenzte Vorlieben und Verzehrgewohnheiten im Produktangebot und führe lokale Spezialitäten wie im Weinbereich oder in der Kühlung. Mitbewerber Lidl hat im Januar dieses Jahres die Eigenmarke „Ein gutes Stück Heimat" geschaffen, über die das Produktsortiment für heimische Erzeugnisse aus deutschen Regionen abgedeckt werden soll. „Seit dem Start der neuen Eigenmarke finden unsere Kunden ein hochwertiges Molkereisortiment in allen bayerischen Filialen, das ausschließlich von bayerischen Kühen, bayerischen Bauernhöfen und bayerischen Molkereien stammt", sagt Lidl-Sprecherin Petra Trabert. Frischmilch und Markenbutter stünden dabei im Mittelpunkt. Alle Molkereiartikel der neuen Eigenmarke tragen das Zeichen „Geprüfte Qualität" (GQ) des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten.

Neben solchen rein regionalen Vermarktungen gebe es auch „heimische Produkte", die in mehreren Regionen erhältlich sind. Heimisch heißt bei Lidl „ausschließlich aus deutschen Anbaugebieten": Salat und Gemüse kommen vom Niederrhein, aus der Pfalz, aus Franken, aus der Winsener Marsch, dem Oldenburger Land, Dithmarschen und dem Thüringer Becken. Sie seien hier „gepflanzt", „gewachsen" und „geerntet" worden und werden entsprechend ausgelobt. Die bundesweite Vermarktung dieser Lebensmittel erfolge durch alle Märkte. Trabert wendet jedoch ein: Inwieweit Produkte wie „Nürnberger Rostbratwürste" oder „Nürnberger Lebkuchen" tatsächlich mit Rohstoffen und Herstellern der jeweiligen Region produziert werden, sei dabei wenig transparent.

Neuheiten-Regale für Regionales

Regionale Lieferanten können sich und ihre Produkte den Kaufleuten von Edeka Minden-Hannover zweimal im Jahr auf den regionalen Warenbörsen vorstellen. Oft werden die Erzeuger auch von den Händlern ihrer Region für die Börse vorgeschlagen, „als mittelständische Unternehmen am Ort führen sie ja meist regelmäßig Gespräche auf Augenhöhe", sagt Andreas Laubig (Edeka Miden-Hannover). Außerdem biete man regionalen Partnerfirmen aus Sachsen-Anhalt und seit diesem Jahr auch in Brandenburg an, ihre Neuheiten in einem speziellen Neuheiten-Regal in Edeka-Pilotmärkten zu testen. Komme der Artikel beim Verbraucher an, sei eine exklusive Listung bei Edeka für sechs Monate möglich, danach könnten die Lieferanten ihre Waren auch über andere Handelsunternehmen vermarkten. Geführt werden Lieferanten in einem Umkreis von 30 km um den jeweiligen Markt, ihre Artikel sind durch einen Stempel „Aus maximal 30 km Umkreis" zu erkennen. Artikel, die aus einem größeren Radius stammen, werden durch die Benennung von Naturräumen wie „Bestes aus der Heide" oder „Bestes aus Ostwestfalen" gekennzeichnet. Und was ist, wenn ein Lieferant mal einen Engpass hat? „Natürlich kann bei einem örtlichen Honig-Lieferanten die Ernte schon einmal schlecht ausfallen, doch dafür haben die Kunden Verständnis. Schließlich leben sie in der selben Region und haben den verregneten Sommer selbst erlebt", sagt Laubig. Die Listung neuer Lieferanten erfolge nur nach Prüfung und Freigabe durch das Konzern-Qualitätsmanagement. „Die Prüfung erfolgt risikoorientiert nach Produktgruppe; ein Wurstlieferant hat dabei strengere Anforderungen zu erfüllen als ein Honiglieferant."

Bei Edeka Südbayern finden die Kunden aktuell fünf Regionalsiegel: „Unser Land" als größte Regionalvermarktungs-Gesellschaft in Bayern mit Belieferung in elf Landkreisen, „Region aktiv Chiemgau" mit drei Landkreisen, Regro Rosenheim mit zwei Landkreisen und „Regional Regensburg" mit drei Landkreisen. Dazu kommen noch „Gutes vom See" am Bodenseekreis und die „Regionaltheke Franken" in den Randgebieten von Edeka Südbayern. Zudem arbeite man mit dem Landwirtschaftsministerium an der Vermarktung des Qualitätssiegels „Geprüfte Qualität Bayern", erklärt Georg Maier, Vorsitzender der Geschäftsführung von Edeka Südbayern. Was ist für ihn „regional"? Die Ausgangsbasis sei in der Regel ein Landkreis mit jeweils einem Hersteller pro Warenbereich. „Wir unterscheiden regionale Produkte aus Bayern und lokale Produkte 'um den Kirchturm'. Die lokalen Produkte werden hauptsächlich über Fördergemeinschaften vermarktet, welche die vielen kleineren Produzenten bündeln. Die Herkunftsangabe geht bis zum jeweiligen Erzeuger zurück." Bei den Fördergemeinschaften arbeite man bereits bei deren Entstehung mit und stehe beratend zur Seite. „Dabei wird nach dem ‚Schneeballsystem' verfahren, das heißt, es werden dann neue Märkte beliefert, wenn die Warenversorgung gesichert ist. Sollte bei lokalen Produkten einmal keine Ware mehr verfügbar sein, so ist dies für den Verbraucher im Gegensatz zum fehlenden Markenartikel erklärbar", meint der Handelsexperte.

Eine Ausnahmestellung unter den Lebensmittelhändlern nimmt Wasgau ein: Das Handelsunternehmen hat seine gesamte Unternehmensstrategie auf regionale Erzeugnisse aufgebaut, wie schon das Unternehmensmotto „Wasgau – Qualität aus der Region" zeigt, das konsequent durchdekliniert wird. Unter „Wasgau Naturgarten" werden regionale Obst und Gemüseerzeugnisse von langjährigen Partnerbetrieben angeboten, auch das Bio-Segment kommt aus der Region. In der Weinabteilung werden zu 70 Prozent Pfälzer Weine offeriert, in den unternehmenseigenen Produktionsbetrieben, der Metzgerei, werden Wurstwaren mit regionaler Geschmacksnote und der Bäckerei täglich frische Brot- und Backwaren unter Einsatz von Getreide aus der Region hergestellt. Bei den Rohstoffen konzentriere man sich darauf, dass der Ort der Erzeugung innerhalb des Verbreitungsgebietes des Handelsunternehmens liege, so der Vorstandsvorsitzende Alois Kettern.

Regionale Produkte zu listen, ist manchem Händler nicht genug