Konzept Genuss-Nahversorger

Spitzname Delikatessen-Discounter: Die nah-und-gut-Filiale von Stefan Voelker in Berlin ist eine Adresse für Feinschmecker und Gourmets.

Sonntag, 19. Juni 2011 - Management
Susanne Klopsch
Artikelbild Genuss-Nahversorger
Bildquelle: Voelker, Schulz

Die nah-und-gut-Filiale in der Berliner Güntzelstraße, bekannt als Delikatessen-Discounter, ist kein normaler Supermarkt. Normalität findet der Kunde mehr oder weniger nur im Selbstbedienungssortiment. Denn seit der Übernahme durch Stefan Voelker im Jahr 2004 ist viel passiert: Die Filiale hat sich vom Nachbarschaftsmarkt zum Genussparadies entwickelt.

Das Erfolgsrezept besteht darin, den Kunden feinste Spezialitäten aus der Region, Deutschland und der ganzen Welt in bester Qualität zu „unglaublichen“ Preisen anzubieten. Dazu kommen Produkte aus eigener Herstellung.

Die Liste der Streckenlieferanten ist in den Jahren auf mehr als 200 angewachsen. Kunden aus nah und fern zählen zur Stammkundschaft. Der Name Delikatessendiscounter ist Programm. In der Selbstbedienung des nur 450 qm großen Marktes findet der Kunde das ganz normale nah-und gut-Sortiment –eben das, was einen Nachbarschaftsladen ausmacht. Aufgewertet wird das Angebot durch Artikel wie Kaffee aus der Andraschko Kaffee Manufaktur Berlin, Florida Eis, GIA Pizza, Ceylons Gourmet-Pasteten und anderes mehr. Doch das wahre Herzstück ist die Bedienung, die der im KaDeWe in nichts nachsteht.

Fangen wir vorne im Laden mit der Bäckerei an. Das Angebot hat wenig mit einem konventionellen Backshop gemein. Die Abteilung muss den Vergleich mit einer Konditorei nicht scheuen. Feingebäck, Törtchen, Kuchen, Pralinés und Gebäck führen in Versuchung. Highlights in der Theke sind die Kuchen von Fr. Albrecht. Wobei Fr. nicht für Firma, sondern für Frau steht. Keine Patisserie aus der Umgebung. Nein. Käsekuchen, Kalter Hund, Erdbeertorte & Co. werden im Markt von Frau Albrecht, einer Mitarbeiterin, gebacken. Ein Renner: Käsekuchen.

Es folgt die kleine, aber feine Obstabteilung, die sich mit speziell gestalteten Regalen vom Rest der Markt-Regalierung abhebt. Denn auf kleiner Fläche ist Kreativität gefragt. Obst und Gemüse werden auf vier Ebenen präsentiert. Zusätzlich zum Kernsortiment gibt es jeden Tag frische Ware vom Großmarkt. Und nicht nicht nur bei den Exoten findet der Kunde Ware höchster Qualität.

Temporäre Angebote in den verschiedenen Warengruppen werten die Selbstbedienung auf. Sie werden meist in optisch auffälligen mobilen Warenpräsentern platziert. Schmankerl aus der ganzen Welt sind hier zu haben. Das feine Delikatessensortiment dient oft als Seismograf für Filialisten und Spezialgeschäfte. Brot und Olivenöl in der Dose sind ganz sicher nur hier erhältlich. Ohne Stefan Voelkers Leidenschaft für Genuss wäre der Markt ein ganz normaler Supermarkt. Doch so ist er das reinste Schlemmerparadies.

Der einzige Stilbruch ist Käse in Selbstbedienung. Hier setzte Voelker zugunsten des außergewöhnlichen Fisch-, Salat-, Aufschnitt- und Fleischsortiments Prioritäten. Was dem Käse-Umsatz keinen Abbruch tat. Nahtlos geht die Selbstbedienung in Bedienung über. Eine Feinkostabteilung wie sie im Buche steht. Pata Negra Filet vom iberischen Schwein, Spanischer Pata Negra Schinken, Entrecòte vom Alpenstier, dry-aged-gereiftes Steak vom Pommern-Rind, T-Bone-Steak aus den USA, Tetilla aus Spanien – sie haben ihren festen Platz in der Theke. Keine Musterauslage, keine Portionstellerchen und keine Schüsselchen. Dem Kunden springen Warendruck, Qualität, Frische und Appetitlichkeit entgegen. Hier findet er die ganze Welt des Fleisch- und Aufschnittgenusses auf wenigen Metern. Doch das Beste kommt bekanntlich zum Schluss und das ist der Preis. Der ist wahrlich moderat: 100 g Kalbsschnitzel für 1,19 Euro (1,49 Euro ist der Aktionspreis der Konkurrenz), 100 g Pata Negra Filet 2,49 Euro, 100 g Serrano Schinken 1,11 Euro (bei der Konkurrenz außerhalb von Aktionen für 1,99 Euro zu haben). Das macht den Unterschied zum KaDeWe: großer Geschmack zum kleinen Preis.