Flüchtlinge Keine Zauberei - Keine Zauberei: Teil 2

Ein fester Job ist der beste Weg zur Integration von Flüchtlingen. Lebensmittelhändler bieten motivierten Migranten – nicht nur wegen des Fachkräftemangels – verschiedene Zugänge in die deutsche Arbeitswelt an. Bürokratische Hürden, ungeklärte Rechtsfragen und mangelnde Sprachkenntnisse sind dabei die größten Hindernisse.

Dienstag, 16. Oktober 2018, 20:21 Uhr
Sonja Plachetta
Artikelbild Keine Zauberei - Keine Zauberei: Teil 2
Tamim Azimi arbeitet in der Metro Sankt Augustin als Fischverkäufer. Nach dem Ende seiner Ausbildung hat der Afghane einen Zwei-Jahres Vertrag bekommen. Wie es danach weitergeht, weiß er noch nicht.
Bildquelle: Metro AG, Peter Eilers, Rewe Süd, Carsten Hoppen

Bereits vor der Einstellung müssen Arbeitgeber und Flüchtlinge mit verschiedenen Hürden rechnen. „Die Arbeitsaufnahme ist für Geflüchtete mit einigem bürokratischen Aufwand verbunden“, das ist nicht nur die Erfahrung von Alnatura. Bei Aldi Süd sind Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigungen Grundvoraussetzungen für ein Arbeitsverhältnis. Und da fangen die Probleme vielfach schon an.

Nadine Bayer, Ausbilderin bei der Metro in Sankt Augustin, wollte den Afghanen Tamim Azimi als Auszubildenden anstellen, den sie im Frühjahr 2015 bei einem IHK-Speeddating kennengelernt hatte. „Tamim war sehr authentisch. Die Chemie zwischen uns hat einfach gestimmt“, sagt Bayer. Deshalb habe sie ihm eine Chance geben wollen. Doch die Bürokratie machte ihr zunächst einen Strich durch die Rechnung. Zur Ausstellung einer Arbeitserlaubnis verlangte die Ausländerbehörde einen Ausbildungsvertrag. Die Metro brauchte aber die Arbeitserlaubnis, um den Arbeitsvertrag ausstellen zu können. So verzögerte sich die Anstellung mehrere Wochen lang, bis eine Lösung gefunden war.

Azimi bestand das dreistufige Auswahlverfahren aus Eignungstest, Assessment Center sowie Interview und konnte im August 2015 seine Ausbildung zum Verkäufer beginnen. Besonderen Spaß machte ihm die Arbeit an der Fischtheke. Nach dem erfolgreichen Abschluss der Lehre hat der heute 21-Jährige, der vor fünf Jahren nach Deutschland gekommen ist, einen Zwei-Jahres-Vertrag bekommen. „Wäre es nur ein Jahr gewesen, wäre er abgeschoben worden, weil Afghanistan nun als sicheres Herkunftsland gilt“, erläutert Bayer. An der Fischtheke könnten die Kollegen inzwischen nicht mehr auf Azimi verzichten: „Deshalb hoffen wir, dass er auch über das nächste Jahr hinaus bleiben kann.“ Doch wie es nach 2019 weitergeht, wissen die Ausbilderin und ihr Schützling noch nicht.

Hilfe zur Integration von Geflüchteten können Unternehmer von sogenannten „Willkommenslotsen“ bekommen. Das Bundeswirtschaftsministerium fördert diese speziell geschulten Lotsen seit März 2016. Aktuell bieten 178 von ihnen in 114 Kammern und anderen Wirtschaftsorganisationen ihre Beratung an. Seit September 2017 steht das Programm auch großen Unternehmen offen. Unterstützung bieten zudem sogenannte Integrationsdienstleister für Flüchtlinge, zum Beispiel Social Bee, mit dem Alnatura zusammenarbeitet. „Social Bee vermittelt geeignete Kandidaten und übernimmt im Rahmen der Arbeitnehmerüberlassung den zusätzlichen Verwaltungsaufwand, der sich bei der Einstellung von Geflüchteten ergibt“, teilt die Bio-Supermarktkette mit.

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Bild öffnen Tamim Azimi arbeitet in der Metro Sankt Augustin als Fischverkäufer. Nach dem Ende seiner Ausbildung hat der Afghane einen Zwei-Jahres Vertrag bekommen. Wie es danach weitergeht, weiß er noch nicht.
Bild öffnen „Wir müssen diesen Menschen eine Chance geben.“<br />
Nadine Bayer, Ausbilderin von Tamim Azimi in der Metro in Sankt Augustin
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