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Test - Bio-Märkte Rot, süß und von hier?

Susanne Klopsch | 14. September 2018

Produkte aus der Region werden vom Verbraucher immer stärker nachgefragt. Regional gilt als ökologisch. These: Bio-Läden machen das besonders gut. Die LP hat dort eingekauft. Sind die besser als der LEH?

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Wie hoch ist der Einfluss des Transportwegs auf die Ökobilanz? Darüber streiten Experten weiterhin. Klar ist aber: Aus Konsumentensicht punkten Lebensmittel aus dem Umland mit den kurzen Transportwegen. Oft schmecken die Produkte auch besser, denn sie werden zum optimalen Reifezeitpunkt geerntet. Wenn man in Berlin Äpfel aus dem Havelland statt aus Chile isst, hat das auch psycho-soziale Aspekte. Der Verbraucher fühlt sich mit der Region verbunden, und es stärkt die heimische Landwirtschaft. Nicht zuletzt machen regionale Produkte unabhängig(er) von Preiserhöhungen oder Missernten anderswo und sichern die Versorgung.

Die Test-Kriterien

Auf die folgenden Rubriken wurde geachtet, wobei auf die ersten vier Kriterien der Schwerpunkt gelegt wurde:

  1. Erscheinungsbild der Obst- und Gemüseabteilung
  2. Präsentation der regionalen Produkte
  3. Wie wirkt das Verkaufspersonal?
  4. Beratungsgespräch
  5. Ist-Aufnahme (Abgleich mit dem theoretischen Ernte-Kalender)
  6. Regionale Produkte im Markt (vor dem Betreten, im Markt, Zweitplatzierung,...)

Erschütternde Ergebnisse
Das Ergebnis des LP-Einkaufstests in Biomärkten ist ernüchternd. Egal wo die Tester auch unterwegs waren, in Berlin, Weiterstadt oder Darmstadt, die Momentaufnahme war alles andere als gut oder zumindest durchschnittlich. Dabei wurden dort nur die Obst- und Gemüseabteilungen der Biomärkte unter die Lupe genommen. Und das auch nur in den Bundesländern, in denen laut BMEL (Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft) der prozentuale Anteil der landwirtschaftlich genutzten Flächen nach den Prinzipien des ökologischen Landbaus am höchsten, über dem Mittelwert des Landes liegt. In Deutschland sind es durchschnittlich 7,5 Prozent, in Hessen 12,6 und in Brandenburg 11,1 Prozent. Da ist es für den Konsumenten schwer verständlich, warum die Äpfel im Bioladen aus aller Herren Länder und nicht aus der Heimat kommen. Und es gibt sie in diesem Jahr schon so früh.


Im Einkaufstest betrachten wir die Rubriken Erscheinungsbild der Obst- und Gemüseabteilung und Eindruck vom Verkaufspersonal als Standards. Und genau diese zwei Rubriken sind die im Test gewesen, in denen die Märkte die besten Ergebnisse erzielt haben. Beim Erscheinungsbild hatten die Tester Ordnung und Sauberkeit, den hygienischen Zustand, die Begehbarkeit inklusive ausreichender Gangbreiten, aber auch die Warenanordnung zu beurteilen. Ferner ging es um die Warenpräsenz sowie die Frische und Qualität der angebotenen Waren. Bis hierher gab es in keinem besuchten Biomarkt größere Auffälligkeiten. Weder in die eine noch in die andere Richtung. Bei den Preisschildern und Informationen wurde es schon ein wenig wackelig. Denn Preisschilder können so oder so aussehen. In den Biomärkten gab es alles: ansprechende, gut lesbare Schilder sowie Schilder, deren beste Zeiten schon lange vorbei waren. Im Markt der Bio Company hängen links und rechts an Regalseiten Plakate vom Apfelhof Augustin. Nur war von den hier angepriesenen 15 Sorten nicht eine erhältlich. Von den fünf im Angebot erhältlichen kamen lediglich zwei aus Deutschland. Bei Denns lag ein Flyer aus, der mit Apfelparadies betitelt ist. Zehn Sorten sind beschrieben. Im Markt gab es keine davon. Beides – zumindest in der Theorie – kundenorientiert und informativ. Aber in der Praxis?

Das ist regional

Im Supermarkt, auf dem Wochenmarkt, im Bioladen: Überall finden sich Werbung, Plakate und Hinweise auf Lebensmittel „aus der Region“. Viele Hersteller oder Händler nutzen den Trend zu regionalen Lebensmitteln und werben mit Begriffen wie „Region“, „von Hier“, „Heimat“ und „nah“, ohne die Begriffe weiter zu definieren oder zu erklären. Der bundesweite Marktcheck der Verbraucherzentralen von 2015 zeigt, dass viele dieser derart beworbenen Lebensmittel alles andere als regional sind, sondern teilweise erhebliche Entfernungen zurückgelegt haben. Da der Begriff nicht gesetzlich definiert und geschützt ist, wird er häufig immer noch irreführend verwendet.