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Zucker, Milch, Eier sowie Butter, gewürfelter Schinken und eine Tiefkühltorte stehen auf dem Einkaufszettel. Doch kein Gang in einen Lebensmittelmarkt steht an, die Artikel liegen im virtuellen Warenkorb des ersten Drive-In-Konzepts im deutschen LEH. Jetzt noch die Wunschabholzeit eingeben und ab mit der Bestellung zu den Mitarbeitern des Pilotmarktes in Isernhagen-Altwarmbüchen bei Hannover: Auf dem Gelände eines Real-Marktes wurde ein ehemaliges Sportgeschäft des Handelsunternehmens umgebaut und bietet nun auf 800 qm Platz für rund 5.000 Artikel. Verkauft werden diese zu identischen Preisen wie im stationären Handel, zusätzlich fällt eine Servicegebühr von 1 Euro an. Ist die Bestellung im System angekommen, läuft der Countdown – in zwei Stunden soll der Einkauf zur Abholung bereitliegen.
Mit dem ausgedruckten Laufzettel macht sich Mitarbeiter Martin Bruhn an die Arbeit. Schon auf dem Bestellschein wird der genaue Standort des gewählten Artikels angegeben, wie Regalgang, -boden und -fach. Daher genügt Bruhn ein Blick, und er weiß, wo der Artikel zu finden ist – schnelle Abwicklung ist der entscheidende Faktor. In farbige Boxen wird vorsortiert: gelb für Trocken-, blau für Frischware, rot für Fleisch/Wurst und Styropor-Boxen für TK. Ist die Bestellung zusammen gestellt, werden die Kisten mit der Auftragsnummer versehen und wieder kühl gelagert.
Zwei Stunden nach Eingang der Bestellung fährt der Besteller am Begrüßungsterminal vor und gibt seine Auftragsnummer an. Während er seinen Wagen in die zugewiesene Parkbox lenkt, begibt sich auch Bruhn mit den Einkäufen zum Parkplatz. Gemeinsam werden die Produkte durchgesehen und im Wagen verstaut. Gezahlt wird bar oder mit Karte, zudem wird auch Payback angenommen. Nach wenigen Minuten verlässt der Kunde mit seinen Einkäufen das Gelände und Bruhn begibt sich wieder ins Lager – die nächste Bestellung wartet bereits.
3 Fragen an Karsten Hemmer
„Der Geschäftsverlauf nach mehreren Monaten Regelbetrieb wird zeigen, ob und an welchem Standort wir die nächsten Real Drives eröffnen werden", sagt Karsten Hemmer, Leiter Business Unit Real Online/New Business.
Warum haben Sie ein solches Drive-In-Konzept umgesetzt?
Mit Real Drive schaffen wir einen weiteren Vertriebskanal und möchten unseren Kunden so einen schnellen und einfachen Einkauf ermöglichen. Die enorme Zeitersparnis und die Einfachheit beim Einkauf von Produkten des täglichen Bedarfs sehen wir bei diesem Konzept als wesentlichen Vorteil für unsere Kunden. Wir werden mit diesem Konzept dem zunehmenden Wunsch gerecht, Waren online zu bestellen sowie schnell und problemlos zu erhalten, gleichzeitig aber nicht auf Liefer- oder Paketdienste angewiesen zu sein und dafür teure Gebühren bezahlen zu müssen. Zum einen ist die Durchdringung mit leistungsfähigen Breitbandinternetanschlüssen mittlerweile so gut, dass es keine technischen Barrieren mehr gibt. Zum anderen ist die Internetaffinität unserer Kunden in den letzten Jahren stark gestiegen. Ängste im Internet zu bestellen und zu bezahlen sind mittlerweile Vergangenheit.
Nach rund zwei Monaten am Netz, wie sind die ersten Erfahrungen?
Wir sind positiv überrascht, denn unsere Erwartungen wurden übertroffen. So hat sich Real Drive auch über die Eröffnungsphase hinaus gut entwickelt und wird von den Kunden hervorragend angenommen. Durchschnittlich 85 Kunden nehmen unseren Service pro Tag wahr, an besonders guten Tagen sogar über 170. Es ist also nicht nur so, dass zu Beginn alle aus dem Einzugsgebiet einmal einen Kauf aus Neugier getätigt haben, um zu sehen, wie das so funktioniert, sondern es hat sich bereits eine Stammkundschaft entwickelt. Zudem kriegen wir viele Rückmeldungen aus ganz Deutschland von Kunden, die sich auch einen Real Drive in ihrer Nähe wünschen.
Nach diesen ersten Eindrücken, gehen Sie von einer bundesweiten Ausweitung aus?
Nach dem Weihnachtsgeschäft wollen wir noch ein paar weitere Monate mit Normalgeschäft abwarten, dann erst können wir genau sagen, wie die Zahlen aussehen werden. Sollte sich der Pilotmarkt in Altwarmbüchen als Erfolg erweisen, werden wir zeitnah das Konzept an weiteren Standorten in Deutschland testen. Wann und wo es die nächsten Real-Drive-Standorte geben wird, ist jedoch noch nicht entschieden. Mittelfristig sind deutschlandweit 60 Drive-Standorte geplant.
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Thienemann
