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Warenverkaufskunde Bio-Wein

Tobias Dünnebacke | 07. Oktober 2013

Bio-Wein entwächst langsam aber sicher dem Nischendasein. Für den aktuellen Jahrgang gilt zudem eine neue Kennzeichnungsregelung.

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Bio hat in den vergangenen Jahren einen Siegeszug im deutschen Lebensmittel-Einzelhandel erlebt. Das gilt nicht nur für Obst, Gemüse, Fleisch und Käse, sondern zunehmend auch für Wein. Die Anbauflächen im Öko-Weinbau haben sich von 2006 bis 2011 in Deutschland mehr als verdoppelt: 6.900 ha Weinberge wurden 2011 ökologisch bewirtschaftet, das entspricht einem Anteil von rund 7 Prozent der Gesamtrebfläche. Zum Vergleich: Laut EU-Kommission werden Bioweintrauben auf etwa 2 Prozent der europäischen Weinanbaufläche kultiviert. Öko-Wein ist also hierzulande aus seiner anfänglichen Nische herausgetreten. Wie groß das Interesse ist, zeigte sich auf der Prowein in diesem Jahr, eine internationale Fachmesse in Düsseldorf. Erstmals präsentierten sich 2012 deutsche und ausländische Branchenverbände sowie Unternehmen mit dem Schwerpunkt Bio-Wein mit einem gemeinsamen Auftritt. Doch was zeichnet biologischen Weinbau im Gegensatz zum konventionellen aus?

Laut Deutschem Weininstitut ist das vordergründige Ziel beim Öko-Weinanbau ein ausbalanciertes Ökosystem. Das heißt, dass die Belastung der Umwelt möglichst gering gehalten werden soll. Das beginnt bei der Düngung, wo keine Mineraldünger sondern nur Humus, Kompost oder andere organischen Nährstofflieferanten eingesetzt werden und setzt sich beim Pflanzenschutz fort. Mit Pflanzenstärkungsmitteln wird versucht, die Widerstandsfähigkeit der Reben zu erhöhen. Um das Bodenleben und die Artenvielfalt in den Weinbergen zu erhalten, werden die Flächen zwischen den Reben begrünt. Nicht erwünschte Unkräuter werden ausschließlich mechanisch entfernt und nicht mit chemischen Herbiziden.

Rechtliche Grundlage für die Herstellung von Bio-Wein ist die EG-Öko-Verordnung. Sie legt fest, wie Bio-Trauben erzeugt werden müssen. Laut dieser Verordnung sind im Öko-Weinbau folgende Substanzen und Produkte nicht zugelassen:


  • chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel. Hierzu gehören Insektenvernichtungsmittel (Insektizide), Unkrautvernichtungsmittel (Herbizide) und Pilzbekämpfungsmittel (Fungizide)
  • leicht lösliche mineralische Düngemittel
  • gentechnisch veränderte Reben, Organismen und Derivate (Enzyme, Hefe und Zitronensäure).

Außerdem müssen alle zugesetzten Stoffe im Wein, die landwirtschaftlichen Ursprungs sind, aus ökologischem Anbau stammen. Das betrifft zum Beispiel Zucker und Traubenmostkonzentrat.

Für die anstehende Weinlese gilt für Biowein in ganz Europa zudem eine neue, einheitliche Kennzeichnung. Wie die Europäische Kommission im Februar 2013 mitgeteilt hat, können die Weinbauer neben dem EU-Biosiegel (oder einem anderen Siegel der Anbauverbände) auch den Begriff „ökologischer Wein“ (oder „Bio-Wein“) verwenden.