Warenverkaufskunde Wein aus Deutschland

Wein wird in den meisten Lebensmittel-Märkten nach Regionen sortiert. Der Verbraucher wählt jedoch mehrheitlich nach Rebsorte aus. Beratung ist in der Weinabteilung deshalb besonders wichtig.

Freitag, 15. Juli 2022 - Warenkunden
Elena Kuss
Artikelbild Wein aus Deutschland
Bildquelle: Deutsches Weininstitut, Getty Images

Der wichtigste Faktor für die Kaufentscheidung bei Wein ist der Geschmack, so das Ergebnis einer Studie der Uni Geisenheim. Die Rebsorte und das Anbaugebiet stellen nur für das obere Drittel der stark Weininteressierten ein relevantes Kaufkriterium dar. Rebsorten sind aus Sicht der Mehrheit der Verbraucher noch am ehesten in der Lage, Auskunft zum sensorischen Profil zu geben. Sortiert wird in den meisten Märkten jedoch nach Ländern. Deutschland bekommt dabei besonders viel Platz. Bei Edeka Jakobi in Bensheim an der Hessischen Bergstraße machen deutsche Weine beispielsweise über 60 Prozent des Umsatzes aus. Neben regionalen Winzern punkten auch nationale Marken wie 1112 Elfhundertzwölf aus Baden oder Lauffener Weingärtner aus Württemberg. Auf der Karte sehen Sie, wo die 13 Weinanbaugebiete in Deutschland liegen.

■Rheinhessen
Rheinhessen ist, in Bezug auf die mit Wein bebaute Fläche, Deutschlands größtes Weinanbaugebiet. 26.860 Hektar umfasst die Rebfläche zwischen Alzey, Worms, Mainz und Bingen. Es sind nicht nur deren Rieslinge vom Rhein, auch die Traditionsrebe Rheinhessens, der Silvaner, macht derzeit stark von sich reden. Ein Drittel der Rebfläche ist mit roten Rebsorten bestockt.

■Pfalz
Die Pfalz ist mit 23.684 Hektar Rebfläche das zweitgrößte deutsche Weinbaugebiet und setzt sich aus den beiden Bereichen Mittelhaardt-Deutsche Weinstraße und Südliche Weinstraße zusammen. Das Hauptaugenmerk der Winzer liegt auf klassischen Rebsorten, allen voran dem Riesling.

■Baden
Das Weinbaugebiet Baden, mit 15.836 Hektar Rebfläche das drittgrößte Deutschlands, erstreckt sich in Nord-Süd-Richtung über eine Länge von etwa 400 Kilometern. Die gesamte Rebfläche in den Weinbaugebieten der Europäischen Union ist per EU-Verordnung nach klimatischen Kriterien in insgesamt sieben Weinbauzonen aufgeteilt. Dies sind die Hauptzonen A, B und C. Bis auf Baden gehören alle Gebiete zur Zone A. Deshalb müssen die Weine in Baden höhere Oechslegrade als anderswo aufweisen. Reichlich Sonnenscheinstunden und die wohl wärmsten Orte Deutschlands am Kaiserstuhl sorgen dafür, dass dies auch gelingt.

■Württemberg
Odenwald, Schwarzwald und Schwäbische Alb schützen die zahllosen Weinbauinseln, aus denen die Region Württemberg besteht. In dem milden Klima wachsen vor allem rote Trauben, manche dieser Rebsorten, wie Trollinger, Schwarzriesling und Lemberger, sind kaum woanders anzutreffen.

■Mosel
Das Anbaugebiet an Mosel, Saar und Ruwer gilt als älteste Weinregion Deutschlands. Rund 5.000 Winzer in 125 Weinorten bewirtschaften 8.798 Hektar Weinbergsfläche. Unter oftmals schwierigen Bedingungen. Denn nirgendwo auf der Welt gibt es mehr Steillagenweinberge als in dem fünftgrößten Weinbaugebiet Deutschlands. Weltberühmt sind die edelsüßen Weine, die jedes Jahr bei Auktionen Rekordpreise erzielen.

■Franken
Der Bocksbeutel ist das Markenzeichen des Frankenweins.  6.139 Hektar Rebland bepflanzen die fränkischen Winzer. Besonders der Silvaner gedeiht optimal auf den Muschelkalk- und Keuperböden. Fein‧aromatischer Müller-Thurgau, Frankens meistangebaute Rebsorte, wird vor allem von jungen Winzern modern ausgebaut und erlebt eine Renaissance. Rund 80 Prozent beträgt der Weißweinanteil.

■Nahe
2.000 Jahre Weinbautradition hat das Anbaugebiet an der Nahe und den Nebenflüssen Glan und Alsenz. Vor kalten Winden durch den hohen Hunsrück geschützt, schaffen milde Temperaturen und viel Sonnenschein ein hervorragendes Klima für den Weinbau. Hier wachsen auf 4.237 Hektar Rebsorten wie Riesling, Rivaner und Silvaner. Auch die Spielarten des Burgunders sowie Kerner, Scheurebe, Portugieser und Dornfelder sind hier zu Hause. Lieblingskind der Winzer ist der an Finessen reiche Riesling, ein Viertel der Rebfläche ist damit bestockt.

■Rheingau
Der schöne Flecken Erde ist mit 3.211 Hektar Reben bepflanzt. Hier ist vor allem die Heimat des Rheingauer Rieslings, der auf 2.500 Hektar Rebland wächst, und die des Spätburgunders, für den vor allem Assmannshausen bekannt ist.

■Saale-Unstrut
Das nördlichste Weinanbaugebiet im Saaletal ist geprägt durch Steil-terrassen, romantische Weinbergshäuschen und jahrhundertealte Trockenmauern. Die dort wachsenden Reben profitieren vom trockenen Klima, das im Regenschatten des Harzes entsteht. Die trockenen Weißweine haben ein feingliedrig-fruchtiges Bukett und einen spritzigen Charakter – dadurch erinnern sie ein bisschen an die Frankenweine.

■Ahr
Die Ahr ist mit 562 Hektar Rebfläche eines der kleinsten Weinanbaugebiete Deutschlands. An den Steilhängen über dem Fluss gedeihen vor allem Rotweine. Neben dem König der roten Reben, dem Spätburgunder, zählt der als ebenso wertvoll eingeschätzte Frühburgunder zu den besonderen Spezialitäten der Region.

■Sachsen
Rund um Dresden wachsen die Reben an den Hängen des Elbtals und sind starken Klimaschwankungen ausgesetzt. Dies zeigt sich in guten Jahren in der einzigartigen Qualität: in Weinen mit einer besonderen Note, charaktervoll und trocken mit fruchtiger Säure. Aus der östlichsten Weinregion Deutschlands kommt der Goldriesling, der sonst nirgends in Deutschland angebaut wird.

■Mittelrhein
Eine malerische Kulisse bietet das Rheintal zwischen Bingen und Bonn. Die kargen Tonschieferböden in den Steillagen, die temperaturausgleichende Wasseroberfläche des Rheins und der niedrige Ertrag sind die Grundlagen für die Spitzenqualität der Weine am Mittelrhein. Die Winzer favorisieren die klassischen Rebsorten. Vor allem der Riesling findet hier ideale Wachstumsbedingungen. Er präsentiert sich mineralisch, mit feinem Duft und rassiger Säure. Mit 70 Prozent der Anbaufläche ist er die Nummer eins unter den Weißweinreben am Mittelrhein.

■Hessische Bergstraße
 In dem kleinen Weinbaugebiet werden vornehmlich trockene und halbtrockene Weine erzeugt. Die Rebsorte Riesling ist typisch für das Gebiet und wird ergänzt durch Rivaner, Grauburgunder, Silvaner, Kerner und Weißburgunder. Eine Rarität ist der Rote Riesling; er wird auf etwa 20 Hektar angebaut.
Riesling von der Hessischen Bergstraße oder aus der Pfalz? Jede Anbauregion bringt einen für sie typischen Geschmack in die Flasche.

103 Tausend Hektar Wein wurden laut Statistischem Bundesamt 2021 in Deutschland angebaut. Die größte Rebfläche weist Rheinland-Pfalz mit 64.714 Hektar aus, die kleinste Rebfläche gab es in Nordrhein-Westfalen mit 20 Hektar.

24 Tausend Hektar – so groß ist die mit Riesling angebaute Fläche in Deutschland. Die Traube nimmt über 23 Prozent der Rebfläche ein.

20,7 Liter Wein pro Kopf tranken die Deutschen 2021, so eine Erhebung des Deutschen Weininstituts. Danach wurden 17,2 Millionen Hektoliter in- und ausländische Weine konsumiert. Der Wert ist seit 2008 relativ stabil.

Neue Herkunftspyramide für Weine
Für Qualitäts- und Prädikatsweine beziehungsweise Weine mit einer geschützten Ursprungsbezeichnung (g. U.) hat der Gesetzgeber ab 2021 eine stärker differenzierte Herkunftspyramide geschaffen. Sie ist vierstufig aufgebaut und folgt dem Grundsatz „Je enger die Herkunft, desto höher die Qualität“. Die Spitze dieser Pyramide bilden die Lagenweine, die wiederum in drei Stufen unterteilt werden können: Ganz oben stehen die Großen Gewächse mit den strengsten Qualitätsanforderungen, gefolgt von den Ersten Gewächsen und den darunter liegenden übrigen Weinen aus Einzellagen.

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Die Warenverkaufskunde erscheint regelmäßig als Sonderteil im Magazin Lebensmittel Praxis. Wir danken dem Deutschen Weininstitut für den fachlichen Rat und das zur Verfügung gestellte Material.

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