Warenverkaufskunde Zertifizierter Fisch

MSC und ASC haben sich für Wild- und Zuchtfisch als wichtigste Nachhaltigkeitsstandards etabliert. Ein Überblick über die Gemeinsamkeiten und Unterschiede.

Dienstag, 03. Mai 2022 - Warenkunden
Robert Schmidt
Artikelbild Zertifizierter Fisch
Bildquelle: Getty Images, MSC/Nigel Millard, ASC, Rewe Group

Nachhaltiger Fisch ist bei der Mehrheit der Konsumenten heiß begehrt. Das Marktforschungsinstitut Globescan, das alle ein bis zwei Jahre repräsentative Daten zum Fischkonsum in Deutschland erhebt, bestätigt diesen Trend: Über drei Viertel der Fischesser wünschen sich eine Kennzeichnung nachhaltiger Fischprodukte im Handel durch unabhängige Siegel. Über 80 Prozent fordern sogar, dass Händler überhaupt keine nicht nachhaltigen Fischprodukte mehr anbieten sollen.

Diese Nachfrage, sagen auch Händler, wird an den Fischtheken bedient: Komplette Spezies, die nach dem Marine Stewardship Council (MSC) oder dem Aquaculture Stewardship Council (ASC) zertifiziert sind, sollen auf Dauer nicht zertifizierte ablösen. Doch was macht die beiden Nachhaltigkeitssiegel im Detail aus? Im Bereich Wildfisch gilt der MarineStewardship Council als das weltweit strengste und zugleich transparenteste Siegel. Unter vergleichbaren Siegeln erfüllt es als Einziges die strengen Kriterien vieler internationaler Organisationen, darunter nicht zuletzt die der Vereinten Nationen. Knapp drei Viertel der Verbraucher in Deutschland vertrauen ebenfalls dem MSC-Label, so die Globescan-Umfrage.

Die Probe aufs Exempel
Jede Fischerei kann sich in ein MSC-Bewertungsverfahren begeben, welches in der Regel 18 Monate andauert und nicht durch den MSC selbst, sondern durch unabhängige, externe Gutachter durchgeführt wird. Das Verfahren beinhaltet etwa An-Bord-Besuche, Anhörungen von Fischereivertretern, örtlichen Behörden und Umweltschutzorganisationen sowie die Analyse wissenschaftlicher Daten. Der MSC stellt 28 Nachhaltigkeitskriterien, die sich in drei Bereiche gliedern:
Der Fischbestand hat eine gesunde Größe und wird nicht überfischt.

Der Lebensraum Meer wird geschont, also sowohl der Meeresboden geschützt als auch Beifang vermieden.
Die Fischerei minimiert ihre Auswirkungen auf das Ökosystem und ist in der Lage, auf ökologische Veränderungen schnell zu reagieren, etwa bei einer Größenänderung des Fischbestands.

Nur wenn eine Fischerei sämtliche 28 Nachhaltigkeitskriterien erfüllt, kann sie am Ende des Verfahrens zertifiziert werden. Während jährlicher Prüfungen werden signifikante Veränderungen überprüft. Eine Neubewertung erfolgt alle fünf Jahre.

Ein Standard für jede Spezies
In Abgrenzung vom MSC zertifiziert der Aquaculture Stewardship Council keine Fischereien, sondern Aquakulturen: Zuchten für Fisch und Meeresfrüchte. Ähnlich wie beim MSC müssen Zuchten, die das ASC-Siegel erlangen wollen, zunächst einen komplexen Zertifizierungsprozess über vier bis sechs Monate durchlaufen. Ebenso erfolgt die Prüfung nicht durch den ASC selbst, sondern durch unabhängige Zertifizierungsunternehmen. Je nach Standard und Fischart werden zwischen 90 und 150 einzelne Anforderungen an die Zuchten gestellt, die sich in folgende sieben Prinzipien zusammenfassen lassen:

  • Einhaltung der nationalen und lokalen Gesetze und Vorschriften.
  • Erhaltung der natürlichen Lebensräume, der lokalen Artenvielfalt und des Ökosystems.
  • Erhaltung der Wasserressourcen und -qualität.
  • Verantwortungsvoller Umgang mit Futtermitteln und anderen Ressourcen.
  • Erhaltung der Wildpopulation.
  • Gewährleistung der Fischgesundheit und kontrollierter, verantwortungsvoller Umgang mit Antibiotika und Chemikalien.
  • Gute und sichere Arbeitsbedingungen für Arbeitnehmer und Einbindung umliegender Gemeinden.

Aufgrund abweichender Bedürfnisse hat der ASC unterschiedliche Standards für eine Reihe von Spezies entwickelt, sodass etwa eine Lachszucht andere Aufzuchtbedingungen vorweisen muss als eine Muschel- oder Garnelenzucht.

Im Anschluss an die erfolgreiche Zertifizierung erfolgen jährliche Kontrollen, bis nach drei Jahren abermals eine Neubewertung vorgenommen wird.

Kurz zusammengefasst: Was ist gleich, was ist Unterschiedlich?
Anders als beim MSC, der sich als reines Umweltsiegel betrachtet, umfasst der ASC neben ökologischen auch soziale Anforderungen, denen man gerecht werden muss. Zudem ist der MSC ein globaler Standard, während beim ASC je nach gezüchteter Spezies ein neues Zertifikat vergeben wird.
Darüber hinaus verbinden beide Organisationen einige wichtige Gemeinsamkeiten. So handelt es sich zum Einen bei beiden um freiwillige Zertifizierungssysteme. Sie werden gleichermaßen durch die Einbindung vieler Stakeholder aus den Bereichen Umwelt, Handel und Wissenschaft entwickelt.
Zum anderen teilen sich MSC und ASC den Rückverfolgbarkeits-Standard für die Lieferkette, um zertifizierten Fisch von nicht zertifiziertem zu trennen: Unternehmen können dabei sogar mit einem Audit je ein Zertifikat für den MSC- und ASC-Standard erhalten.

Weitere Fischsiegel

Neben den bekanntesten Fischsiegeln MSC und ASC existieren noch einige weitere Labels, die auf nachhaltigen Fischfang aufmerksam machen wollen: Für Wildfisch-Zertifizierungen sind etwa noch Naturland Wildfisch und Friends of the Sea vorhanden, für Zuchtfisch das EU-Biosiegel und GGN.
Andere Siegel beleuchten einzelne Aspekte des Fischfangs, ohne dabei die Nachhaltigkeit insgesamt zu bewerten: etwa das „Safe“-Siegel des Nabu, das Fischfang ohne Delfin-Beifang auszeichnet. Auch der Handel vergibt eigene Siegel, etwa das Pro-Planet-Label, mit dem Penny und Rewe ökologisch und sozial nachhaltige Produkte kennzeichnen. Schließlich erstellen Umweltschutzorganisationen wie der WWF in Fischratgebern Urteile zu Kaufempfehlungen. Diese sind pauschalisiert und kennzeichnen etwa über Ampelfarben, welche Arten (nicht) bedenkenlos konsumiert werden können.

Vom Wasser zur Theke
Der Thunfisch, ein Klassiker schlechthin: Hinter der Bezeichnung verstecken sich gleich acht verschiedene Sorten sowie zusätzlich der Echte Bonito, der auch als Skipjack bekannt ist. Während einige Thunfischbestände derzeit eine gesunde Bestandsgröße vorweisen können, sind wiederum andere stark überfischt.

Unter die nachhaltige MSC-Zertifizierung fallen etwa die Sorten Weißer Thun, Gelbflossenthun und der Echte Bonito.

Gefangen werden sie händisch mit Angelruten, Bodenlangleinen, die passiv Fische anziehen, oder Ringwaden – große Fangnetze, die Schwärme umschließen und sie an Bord befördern. Solche großen Netze haben in der Vergangenheit für Probleme gesorgt: Delfinschulen gesellen sich häufig zu Gelbflossenschwärmen – und verendeten in der Folge als Beifang. Doch hat mittlerweile ein Umdenken stattgefunden. Nachhaltige Fischereien setzen in jedem Netz Taucher ein, um kontaktfreudige Delfine sicher nach draußen zu geleiten. Eines von vielen Beispielen, wie Fisch mittlerweile ökologisch verträglich gefangen werden kann.

Aufklärung an der Fischtheke
Gemeinsam arbeiten Supermärkte, Handelsmarken sowie MSC und ASC auch im Verkauf daran, über die Herkunft und Qualität von nachhaltigem Fisch aufzuklären. So setzen Großhändler auf regelmäßige Schulungen und arbeiten sowohl mit den Erzeugern als auch im Kampagnenformat mit dem MSC und ASC zusammen. Vor-Ort-Schulungen werden zusätzlich durch digitale Kurse ergänzt. Inhaltlich thematisieren Schulungen etwa den sachgerechten Umgang mit nachhaltiger Fischware, Vorgaben zur Dokumentation und nicht zuletzt die Kundenberatung, um mögliche Rückfragen patent beantworten und Zubereitungsempfehlungen aussprechen zu können.

Auf die Auswahl kommt es an
Zusätzlich lässt sich die „Frischekompetenz“ einer Fischtheke auch in der Aufmachung optimieren: Ein ansprechendes, modernes Design spricht Kunden an, anstatt sie abzuschrecken. Noch wichtiger, sind sich Händler und Kunden einig, ist jedoch ein breites Sortiment an frischem Fisch. Dieses sollte Fischklassiker ebenso bereithalten wie auch Spezialitäten, Meeresfrüchte, Fischsalate und Saisonalware, etwa für die Grillsaison. Je mehr Ware nach MSC und ASC zertifiziert ist, desto besser.
Frischer Fisch an der Theke: Qualität und Herkunft sind entscheidend.

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Die Warenverkaufskunde erscheint regelmäßig als Sonderteil im Magazin Lebensmittel Praxis. Wir danken MSC, ASC, Edeka und Kaufland für den fachlichen Rat und das zur Verfügung gestellte Material.