Warenverkaufskunde Nachhaltiges Palmöl

Die Nachfrage nach Palmöl steigt von Jahr zu Jahr – auf Kosten der Regenwälder, der Umwelt und des Klimas. Ist nachhaltig zertifiziertes Palmöl ein Lösungsansatz?

Freitag, 24. September 2021 - Warenkunden
Hedda Thielking
Artikelbild Nachhaltiges Palmöl
Bildquelle: Getty Images

Kein anderes Pflanzenöl wird weltweit so viel produziert wie Palmöl. 74 Millionen Tonnen waren es im Jahr 2019. Dieses Fett wird aus den Früchten der Ölpalme gewonnen, die in Tropenregionen rund um den Globus angebaut wird. 84 Prozent der weltweiten Produktion stammen aus Indonesien und Malaysia. Weitere Anbauländer sind Thailand, Kolumbien, Nigeria, Elfenbeinküste und Ecuador.

Jede Ölpalme bildet in ihren Blattachseln rund 15 große Fruchtstände in Form von Büscheln aus. Jedes Büschel besteht wiederum aus zahlreichen orangeroten Früchten. Eine ausgewachsene Ölpalme produziert solche Fruchtbüschel etwa 15-mal im Jahr. Entsprechend häufig kann geerntet werden: Alle zwei bis drei Wochen schneiden die Arbeiter die Büschel mit einem Messer ab.

Für die Herstellung von Palmfett bzw. Palmöl werden die Fruchtstände unter Druck erhitzt, dann werden die kleinen Früchte herausgeschüttelt und mit heißem Dampf sterilisiert. Danach wird das Fruchtfleisch in einer Ölmühle gepresst, wobei das rote Rohöl entsteht. Nun werden Geschmacks-, Geruchs- und Farbstoffe entzogen. Je nach Verwendungszweck wird das Palmöl bzw. -fett in Raffinerien weiter aufbereitet.

Palmkernfett unterscheidet sich von Palmfett darin, dass hierfür nicht das Fruchtfleisch, sondern die Kerne der kleinen Früchte getrocknet, gemahlen und gepresst werden.

Eigenschaften und Verwendung
Warum ist Palmöl so beliebt? Es ist besonders hitzestabil, wird nicht so schnell ranzig und ist sehr lange haltbar. Aufgrund seiner Fettsäurezusammensetzung ist es bei Zimmertemperatur fest und es hat eine gute Streichfähigkeit. Dadurch ist es für Produkte gut geeignet, für die man sonst gehärtete Fette verwenden müsste. Palmöl ist zudem geschmacksneutral. Aufgrund seiner vielseitigen Eigenschaften ist Palmfett ein beliebter Rohstoff in zahlreichen Produkten: In der Lebensmittelindustrie kommt es unter anderem in süßen und herzhaften Brotaufstrichen, Margarine, Backwaren, Schokolade, Knabberartikeln, Pizzen und Fertigprodukten zum Einsatz. Des Weiteren steckt in vielen Kosmetikartikeln Glycerin und in Wasch-, Putz- und Reinigungsmitteln Tenside – jeweils auf Basis von Palmöl. Auch pflanzliches Stearin in Kerzen wird aus diesem Pflanzenfett gewonnen. Für Futtermittel und Biotreibstoff wird es ebenfalls benötigt. Palmölhaltige Lebensmittel erkennt man anhand der Zutatenliste. Bei den anderen Warengruppen werden häufig Derivate verwendet, die eine andere Bezeichnung als Palmöl haben und somit als Palmölquelle für den Laien nicht zu erkennen sind.

Langjährige Umweltsünder
Der Anbau von Ölpalmen wird seit Jahren heftig kritisiert. Die Nachfrage nach diesem Rohstoff nimmt weiter zu, auch aufgrund des Bevölkerungswachstums. Hinzu kommt: Die steigende Nachfrage nach mehr pflanzlichen Nahrungsfetten, nach Energie aus alternativen Quellen und die Bedeutung von Palmöl für die Non-Food-Branche führen dazu, dass erheblich mehr Flächen benötigt werden. So sind die Anbauflächen für Ölpalmen seit dem Jahr 1985 um mehr als das Zehnfache gestiegen. Und das hinterlässt Spuren: Regenwälder wurden in großem Stil abgeholzt und gerodet, vor allem in Indonesien und Malaysia. Durch Brandrodungen wurden im Jahr 2020 viele Millionen Tonnen CO2 freigesetzt. Vor allem Torfböden, auf denen häufig neue Ölpalmen gepflanzt werden, setzen bei Brandrodungen viel gespeichertes CO2 frei. Das ist schlecht fürs Klima. Zudem wird durch die Rodungen zahlreichen Tierarten wie Orang-Utans und Sumatra-Tigern sowie Pflanzenarten der Lebensraum genommen. Hinzu kommt, dass Unternehmen, Kleinbauern und die Bevölkerung um die Nutzungsrechte für die Ölpalmen streiten. Urvölker werden aus ihrer Heimat vertrieben, und die Arbeitsbedingungen auf den Plantagen sowie die Löhne lassen häufig zu wünschen übrig. Menschenrechte werden oft verletzt und soziale Ungerechtigkeiten machen sich breit. Das bringt auch hierzulande Umwelt-, Klima- und Tierschützer sowie Verbraucher auf die Palme.

Größter Ertrag pro Fläche
Das Forum Nachhaltiges Palmöl (FONAP, s. Kasten) meint, ein kompletter Verzicht auf Palmöl sei keine dauerhafte Lösung. Auch der WWF ist der Ansicht, dass der Ersatz von Palmöl durch andere tropische Pflanzenöle wie Soja und Kokosnussöl das Problem nicht löse, da dafür mehr Flächen benötigt würden und mehr Treibhausgasemissionen entstünden. Tauscht man Palmöl durch europäisches Raps- oder Sonnenblumenöl aus, würde laut WWF zwar die biologische Vielfalt weniger leiden, der Mehrbedarf an Flächen wäre jedoch enorm. Denn: Keine andere Ölpflanze ist so ergiebig und ertragreich wie die Ölpalme, wie die Tabelle zeigt.

Der Anbau von Ölpalmen ist in den Anbauländern zudem ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor und sichert Arbeitsplätze. Zahlreiche Kleinbauern sind auf den Anbau von Ölpalmen angewiesen. Ein kompletter Palmöl-Stopp würde den Kleinbauern laut FONAP die Lebensgrundlage entziehen.

Nachhaltiger Anbau
Ein Lösungsansatz ist der nachhaltige Anbau von Ölpalmen. Hier stehen Umwelt- und Sozialkriterien im Vordergrund. Dafür gibt es verschiedene Zertifizierungssysteme. Am weitesten verbreitet sind Round Table on Sustainable Palm Oil (RSPO) und International Sustainability & Carbon Certification (ISCC), deren Logos man auf Produktverpackungen findet. Sie alle definieren teils unterschiedliche Mindeststandards für die Herstellung von nachhaltigem Palmöl, zum Beispiel:

  • Die Abholzung der Regenwälder, die Brandrodung sowie die Verletzung der Menschenrechte sind langfristig zu verhindern.
  • Die Grundrechte der einheimischen Landbesitzer, der Gemeinden, Arbeiter und Kleinbauern sowie deren Familien sollen respektiert und berücksichtigt werden.
  • Pestizide dürfen nur in sehr geringen Mengen zum Einsatz kommen.
  • Regenwaldareale und schützenswerte Gebiete sollen nicht für die Produktion von Palmöl umgewandelt werden.

Dem FONAP reichen diese Mindeststandards nicht aus. Es fordert, dass der Anbau auf Torfböden und anderen Flächen mit hohem CO2-Gehalt sowie die Nutzung hochgefährlicher Pestizide gestoppt werden. Was die Treibhausgase betreffe, müsse es strengere Reduktionsziele geben. Zudem müsse sichergestellt werden, dass zertifizierte Palmölmühlen ihre Rohware ausschließlich aus legalem Anbau bezögen. Außerdem würden transparente Kontrollsysteme für die Zertifizierung benötigt.

Komplexes Geflecht
Diese Forderungen lassen sich nur umsetzen, wenn die Regierungen der Anbauländer „mitspielen“, wenn sie beispielsweise das Abholzen der Torfwälder verbieten und dieses auch kontrollieren. Zusätzlich bedarf es verantwortungsvoller Produzenten und Händler. Wichtig ist auch, die vielen Kleinbauern und -bäuerinnen, die rund ein Drittel der weltweit produzierten Palmfrüchte erzeugen, zu erreichen. So hat sich das FONAP zur Aufgabe gemacht, diese in nachhaltigen Anbaumethoden zu schulen und aufzuzeigen, dass der nachhaltige Anbau auch wirtschaftlich attraktiv ist.

Weitere Alternativen
Bio-Palmöl kann ein weiterer Lösungsansatz sein. Dafür wird kein Regenwald abgeholzt und Pestizide sowie Kunstdünger kommen nicht zum Einsatz. Allerdings stehen für den Bio-Anbau nicht unbegrenzt Flächen zur Verfügung, da Ölpalmen für die Bio-Produktion nur auf bereits landwirtschaftlich genutzten Flächen angebaut werden dürfen.

Aufgrund seiner technologischen und sensorischen Eigenschaften lässt sich Palmöl in der industriellen Verarbeitung nicht so einfach durch Sonnenblumen- oder Rapsöl ersetzen. Und wenn, ist aufwendige Forschungs- und Entwicklungsarbeit für ein adäquates Produktergebnis erforderlich. Einige Hersteller und Forschungsinstitute investieren dennoch in solche Projekte. Des Weiteren können auch die Verbraucher dazu beitragen, dass der Palmölverbrauch nicht weiter steigt: indem sie ihr eigenes Einkaufs- und Ernährungsverhalten überdenken und bewusster konsumieren.
Ein Palmfruchtbüschel bringt etwa 20 Kilogramm auf die Waage.
Das FONAP fordert: keine Waldrodung sowie Achtung der Menschenrechte.
Für Palmfett bzw. Palmöl wird das Fruchtfleisch der Palmfrucht gepresst. Für Palmkernfett werden nur die Kerne verarbeitet.

Was ist FONAP?

Das Forum Nachhaltiges Palmöl (FONAP) ist ein Zusammenschluss der Bundesregierung mit Privatunternehmen aus der Lebensmittel-, Kosmetikindustrie, dem Lebensmittel-Einzelhandel, Nichtregierungsorganisationen und Verbänden. Ziel des FONAP ist es, den Anteil an zertifiziertem Palmöl in Deutschland, Österreich und der Schweiz deutlich zu erhöhen.

Die Mitglieder des Forums Nachhaltiges Palmöl haben eine öffentliche Selbstverpflichtung abgegeben und verwenden nur nachhaltig zertifiziertes Palmöl, Palmkernöl sowie deren Derivate und Fraktionen in ihren Produkten.

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Die Warenverkaufskunde erscheint regelmäßig als Sonderteil im Magazin Lebensmittel Praxis. Wir danken dem Forum Nachhaltiges Palmöl (FONAP) für den fachlichen Rat und das zur Verfügung gestellte Material.