Warenverkaufskunde Kaffeekapseln

Geschmacklich auf dem Niveau einer italienischen Bar, nur viel bequemer in der Herstellung. Mit diesem Versprechen überzeugt die Kaffeekapsel ihre Konsumenten.

Dienstag, 06. Juli 2021 - Warenkunden
Elena Kuss
Artikelbild Kaffeekapseln
Bildquelle: Getty Images, Carsten Hoppen

Kaffee ist das Lieblingsgetränk der Deutschen. Verkauft wird er als ganze Bohne, gemahlen oder auch als Pad oder lösliches Pulver. Einen anderen Weg ging in den 70er-Jahren der Schweizer Ingenieur Eric Favre, als er eine Kapselmaschine entwickelte, mit der man zu Hause Espresso auf dem qualitativen Niveau einer italienischen Bar herstellen können sollte: Dafür wird heißes Wasser mit hohem Druck durch eine frisch der Verpackung entnommene und erst in der Maschine perforierte kleine Portionskapsel gepresst, bis der fertige Espresso herausläuft.

Favres Arbeitgeber Nestlé war von der Idee allerdings anfangs nur wenig begeistert, sodass das System unter dem Namen Nespresso erst 1986 auf den Markt kam.

2005 präsentierte Tchibo Cafissimo, das erste Kapselsystem, mit dem sich Filterkaffee, Espresso und Caffè Crema mit drei unterschiedlichen Brühdruckstufen in einem Gerät zubereiten lassen.

Mittlerweile bietet fast jeder große Hersteller ein eigenes Kapselsystem an:

  • Dolce Gusto
  • Tassimo
  • Nespresso
  • Nespresso Pro
  • Lavazza Modo Mio
  • Caffitaly
  • Illy Iperespresso

Am stärksten gefragt beim Verbraucher sind jedoch die Kapseln, die mit dem Nespresso-System kompatibel sind. Die markenübergreifende Auswahl dürfte hier auch mit Abstand die größte sein.

Mindesthaltbarkeit
Je nach Verpackungsmaterial sind die Aromen des Kaffees besser oder schlechter geschützt. Das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) obliegt dem Hersteller. Nestlé gibt den Aluminium-Kapseln der Marke Nespresso ziemlich genau ein Jahr, bis das MHD erreicht ist. Andere Hersteller setzen deutlich längere Zeiträume an. Kunststoffe sind weniger dicht als Aluminium. Die Aromastoffe können also schneller entweichen. Unverträglich ist der Kaffee deshalb jedoch nicht. Reinhard Trumme von Golden Compound, Hersteller von Kapseln aus Sonnenblumenkernschalen, sagt: „Unsere Kunden setzen das MHD zwischen neun und zwölf Monaten an.“ Große Unterschiede bei der offiziellen Mindesthaltbarkeit gibt es also zwischen Alu und Kunststoff nicht.

Alu oder Kunststoff?
Die Aluminium-Kapsel steht schon seit Jahren unter Beschuss. Plastik ist so unbeliebt wie nie. Mit kompostierbaren Kunststoffen wollen Hersteller wie Lavazza oder Unicaps das Müllproblem lösen.

Pro Kunststoff
Die Herstellung von Primäraluminium kostet über alle Produktionsstufen hinweg deutlich mehr Energie als die von Kunststoff aus Rohöl. Zudem verursacht die Alugewinnung aus Bauxit giftigen Rotschlamm. Tchibo setzt deshalb beispielsweise auf den Kunststoff Polypropylen (PP), der aus Kohlenstoff und Wasserstoff besteht.

Pro Biokunststoffe
Ihre Herstellung kostet weniger oder keine fossilen Ressourcen. Lavazza und Unicaps empfehlen die Entsorgung über die Bio-Tonne, nach Prüfung der Regeln des lokalen Abfallwirtschaftsunternehmens. Julian Reitze, Gründer des Start-ups Rezemo, das Kapseln aus Holzfasern herstellt, zweifelt den Sinn dieser Empfehlung an: Die Herstellung sei entscheidend, nicht die Entsorgung.

Andere Biokunststoffe drängen auf den Markt. Das Unternehmen Golden Compound produziert beispielsweise Biokunststoff aus den Schalen von Sonnenblumenkernen. Die Kapsel ist „OK Compost Home“- und „OK Compost Industrial“-zertifiziert. Doch das Entsorgungsproblem ist damit noch nicht zu Ende diskutiert. Noch stellen sich viele lokale Abfallentsorger gegen die Kaffeekapsel im Bio-Müll, da sie mit bloßem Auge schlecht von den Plastik-Varianten zu unterscheiden ist.

Pro Aluminium
Die Entscheidung für Aluminium begründen Kapselhersteller wie Nestlé und Delica mit der Dichte des Materials. Es schützt optimal vor Luft, Feuchtigkeit und Licht. Pro Alu-Kapsel wird nur wenig Material benötigt. Circa 1 Gramm.

In Deutschland kann entsorgtes Aluminium laut Umweltbundesamt zu 84 Prozent zu Sekundäraluminium verarbeitet werden. Der Energieaufwand dafür sei um 95 Prozent geringer als der für Primäraluminium. Generell machen die Unternehmen in diesem Punkt Fortschritte: Viele Nespresso-Kapseln bestehen beispielsweise zu 80 Prozent aus recyceltem Aluminium.

Im Vergleich haben Kunststoff-Kapseln schlechtere Recycling-Quoten als die Alu-Variante. Die Infrarot-Scanner der Müllsortieranlagen können zwar viele Kapseln erkennen, sortieren aber nur bestimmte Kunststoffe aus – schwarze beispielsweise nicht. Auch dafür gibt es eine Lösung: Tchibo hat seine Kapsel seit 2016 mit einer weißen Innenschicht versehen.

Vor allem Mischmaterialien haben an Ansehen verloren. So stellte Dallmayr seine Kapselmarke Capsa von Kunststoff-Körper, Boden und Deckel aus Aluminium auf eine reine Aluminium-Kapsel um.

Grüner Punkt
Unternehmen, die ihre Produkte mit Grünem Punkt anbieten, zahlen nicht nur fürs Entsorgen der Verpackungen, sondern freiwillig auch für das der Kapseln. Verbraucher sollten Alu-Kapseln aber immer in der gelben Tonne entsorgen.
Die Lösung? Kapseln zum Selbstbefüllen.

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Die Warenverkaufskunde erscheint regelmäßig als Sonderteil im Magazin Lebensmittel Praxis.