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Warenverkaufskunde Arznei-Tee

Elena Kuss | 21. Januar 2020
Warenverkaufskunde: Arznei-Tee
Bildquelle: Getty Images

Arzneitees basieren auf natürlichen Wirkstoffen. In Deutschland werden pro Jahr etwa 48 Millionen Packungen verkauft. Der Gesamtmarkt hat im Lebensmittel-Einzelhandel und Drogeriemarkt ein Marktvolumen von rund 50 Millionen Euro.

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Heilpflanzen wurden schon vor Jahrhunderten in Form von Aufgüssen oder Salben zur Linderung verschiedenster Leiden verwendet. Tee ist somit nicht nur ein Genussmittel. Er stellt vor allem die älteste Form der Selbstmedikation dar.

Bei Arzneitees handelt es sich um Zubereitungen aus einer oder mehreren Heilpflanzen in arzneilich wirksamer Dosierung. Rechtlich sind sie daher den Arzneimitteln zuzuordnen, während die übrigen Sorten den Lebensmitteln angehören. Selbstverständlich gibt es nationale und EU-weite Regularien für beide Kategorien: Die für Arzneimittel sind im Arzneimittelgesetz (AMG) geregelt. Arzneien müssen vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte zugelassen werden. Dagegen gilt für Lebensmittel zwar selbstverständlich auch, dass es Gesetze hinsichtlich Qualität und Kennzeichnung gibt. Aber extra zugelassen werden, muss ein Lebensmittel nicht, bevor es auf den Markt kommt. Die Übergänge zwischen Lebensmitteln und Arzneimitteln sind fließend. Denn viele der als Lebensmittel verwendeten Kräuter- und Früchtetees besitzen ebenfalls wohltuende Wirkungen. Das gilt auch für die relativ neuen funktionalen Tees, die aufgrund ihres Zusatzes an Vitaminen oder Mineralstoffen einen Gesundheitsnutzen aufweisen. Sie haben allerdings keine arzneiliche Wirkung, weshalb funktionale Tees ebenfalls zur Kategorie der Lebensmitteltees zählen.

Fachwissen Erforderlich
Die Kennzeichnung des Produkts als Arzneimittel sowie Informationen über Wirkung und Gegenanzeigen sind auf der Verpackung anzuführen. Umfangreiche Kenntnisse über die Wirkung von Heilkräutern sind im Zeitalter moderner Medikamente weitestgehend verloren gegangen. Auf der Suche nach dem richtigen Kraut zur Bekämpfung der Beschwerden sehen sich die Verbraucher einem vielfältigen Angebot gegenüber. Eine gute Kundenberatung ist daher sehr wichtig.

Pflanzen für Arzneitees können wild gesammelt oder im Feldanbau kultiviert werden. Gesammelte Kräuter können je nach Sammelregion höhere Rückstände von Insektiziden und Schwermetallen aufweisen; Bodenqualität und Witterungsbedingungen beeinflussen die Qualität wild wachsender Kräuter und führen zu Schwankungen im Gehalt der wirksamen Inhaltsstoffe. Der Anbau kann helfen, diese Schwankungen abzufedern und trägt so zur Sicherung der Produktverfügbarkeit bei. Trotz der Risiken werden in der gesamten Teebranche zusätzlich auch ausgewählte Rohstoffe aus Wildsammlung gewonnen. Dies betrifft insbesondere Pflanzenteile, die sich nicht oder nur schlecht für den Feldanbau eignen. Beispielsweise werden immer noch große Mengen von Lindenblüten wild gesammelt.

Die Auswahl der gewünschten Pflanzenteile erfolgt durch eine spezielle Erntetechnik und Trenneinrichtungen. Dabei handelt es sich – je nach Pflanze – um Blüten, Wurzeln, Blätter oder Rinde. Als nächstes werden die Pflanzenteile getrocknet. Dies muss unmittelbar nach der Ernte erfolgen, um einen Verderb der Rohstoffe zu verhindern. Methode und Temperatur richten sich nach der Empfindlichkeit der Pflanze. Vor der Weiterverarbeitung wird der Wirkstoff nach Vorgaben des Arzneibuchs eingehend auf Reinheit, Gehalt und Identität geprüft.

Bestimmte Siebgrösse notwendig
Im nächsten Schritt werden die Pflanzenteile – je nach Verwendungszweck beziehungsweise Angebotsform – auf eine bestimmte Siebgröße geschnitten. Die Schnittgröße für lose Blattware schwankt zwischen vier und 15 Millimeter. Die Korngröße, die in Teebeuteln verwendet wird, beträgt etwa ein Zehntel davon. Um eine ideale Fließfähigkeit bei der Abpackung in Filterbeuteln zu gewährleisten, ist eine einheitliche Partikelgröße besonders wichtig. Sie beugt auch einer möglichen Entmischung bei Teemischungen vor.

Die Abfüllung in Filterbeuteln erfolgt mit modernen Abpackmaschinen. Automatische Waagen sorgen dafür, dass nur korrekt gefüllte Packungen das Werk verlassen. Bei Instant-Produkten ist die Bindung der Inhaltsstoffe an einen Trägerstoff, meist Maltodextrin, erforderlich.

Teebeutel und Sticks
Bei der Anwendung der Arzneitees sind vor allem die Anweisungen auf der Packung zu befolgen. Die angegebene Zeit des Ziehenlassens sollte der Konsument unbedingt beachten. Bei manchen Tees ist es nötig, die Tasse oder Kanne abzudecken, um zu verhindern, dass sich ätherische Öle verflüchtigen. Das bereitete Getränk sollte schnell verzehrt werden, da es nach längerer Standzeit seine Wirksamkeit verliert. Bei einer Erkältung sorgen die angenehme Wärme im Rachen und die aufsteigenden ätherischen Öle eines Aufgusses für Linderung. Mono-Sorten nutzen intensiv die Wirkung einer bestimmten Heilpflanze. So wirken Fenchel- und Anistees reizlindernd und schleimlösend bei Husten, während Salbei eine entzündungshemmende Wirkung hat. Ein Salbei-Aufguss kann bei einer Entzündung im Mund- und Rachenraum auch zum Gurgeln benutzt werden. Bei Magen-Darm-Beschwerden hilft ein warmes Getränk, den Verdauungstrakt zu beruhigen und den Körper mit Flüssigkeit zu versorgen.

So wird – je nach Beschwerden – die krampflösende und galletreibende Wirkung von Pfefferminz oder die appetitanregende und verdauungsfördernde Angelikawurzel genutzt. Der entspannende und einschlaffördernde Effekt von Baldrian und Johanniskraut kommt ebenfalls in Heilkräutertees zum Einsatz. Unproblematisch ist die Verwendung von Mischungen wie „Erkältungs-tee“, oder „Nieren- und Blasentee“. Sie vermitteln auf den ersten Blick ihren Anwendungsbereich. Die Pflanzenkombinationen bieten eine optimale Wirksamkeit und Verträglichkeit. Zudem sind sie geschmacklich abgerundet, was die Anwendung erleichtert.

Ganz oben im Regal
Arzneimittel sollten stets kühl dunkel und trocken gelagert werden. Diese Art der Lagerung trägt zur Bewahrung der wirksamen Inhaltsstoffe bis zum Verfalldatum bei. Umgekehrt tragen hohe Temperaturen, starke UV-Einstrahlung sowie hohe Luftfeuchtigkeit zum schnelleren Zerfall der Wirkstoffe in Arzneitees bei. Im Vergleich ist Tee jedoch eine ziemlich robuste Warengruppe. Selbst bei Hinweisen wie „nicht über 25 Grad Celsius lagern“ ist eine temporäre Überschreitung möglich und auch zulässig, ohne dass die Qualität beeinträchtigt wird.

Heiltees verlieren je nach Art der Verpackung und der eingesetzten Heilpflanzen nach 12 bis 36 Monaten an Wirksamkeit, daher sollte das Marktpersonal die Regel „First in – First out“ unbedingt beachten. Auf einen möglichen Verderb der Ware weisen Schimmel- oder Ungezieferbefall sowie bei den Instant-Sticks Verklumpungen hin. Ware, die verdorben ist, oder deren Verfalldatum bereits überschritten wurde, darf nicht mehr verkauft werden. Wichtig ist auch die strikte räumliche Trennung von Waren, die sich negativ auf die Qualität der Arzneitees auswirken können, insbesondere stark riechende sowie giftige Pflanzenschutz- oder Reinigungsmittel.

Das optimale Teeregal
Um die gesamte Angebotsvielfalt zu präsentieren, sollten Kräuter-, Früchte- als auch Heiltees idealerweise im Teeregal platziert werden. Die Platzierung von Heiltees bei anderen rezeptfreien Arzneimitteln, sogenannte Over-the-counter (OTC) Arzneimittel wie Hustensaft oder Nasenspray, wird von vielen Herstellern nur bedingt empfohlen. Grund dafür sind Verbraucherbefragungen. Die Umfrageteilnehmer ordneten die Arzneitees eindeutig der Warengruppe Tee zu. Dies gilt für alle unterschiedlichen Vertriebsschienen, wie Verbraucher- und Drogeriemärkte.

Für eine optimale Waren-Präsentation stehen die Hersteller oft beratend zur Seite. Lange standen Blattware und Instant-Produkte auf den ersten Regalböden, gefolgt von Monotees. Blattware hat jedoch keine Relevanz mehr im Lebensmittel-Einzelhandel und Direktmarkt. Neue Darreichungsformen zum Beispiel Arzneitee-Sticks und neue Zielgruppen wie Kinder bestimmen durch höhere Regalpreise aktuell den oberen Boden, alle anderen Darreichungsformen und ebenfalls die Monotees werden entsprechend ihrer Indikation platziert. Die Platzierung hängt von der Regalfläche und dem Listungsbild ab. 

Wissen Checken

Wer aufmerksam gelesen hat, kann die folgenden Fragen beantworten.

Fragen

  1. Was unterscheidet Arznei-Tees?
  2. Welche Angebotsformen gibt es?
  3. Was ist bei der Lagerung von Arznei-Tees zu beachten?

Antworten

  1. Die Wirksamkeit von Arznei-Tees ist durch Qualitätssicherung und -prüfung bewiesen. Lebensmitteltees müssen keine heilende Wirkung nachweisen.
  2. Teebeutel, Blattware und Instant
  3. Kühl, dunkel und trocken lagern. Eine räumliche Trennung von stark riechenden und giftigen Waren ist einzuhalten.

Die Warenverkaufskunde erscheint regelmäßig als Sonderteil im Magazin Lebensmittel Praxis. Wir danken der Bad Heilbrunner Naturheilmittel GmbH & Co. KG, Bad Heilbrunn für den fachlichen Rat und das zur Verfügung gestellte Material.