Podcast Zwischen Empörung und Erwartung: Wie die Lebensmittelbranche um ihr Image kämpft

Die Lebensmittelbranche steht zunehmend im Kreuzfeuer gesellschaftlicher und politischer Debatten – ein emotional aufgeladenes Umfeld, das Unternehmen zu strategischer Kommunikation und vorausschauender Risikovorsorge zwingt.

Mittwoch, 21. Mai 2025, 07:11 Uhr
Elena Kuss

Lena Meinders, Geschäftsführerin der AFC Risk Crisis Consult, beobachtet eine deutliche Verschiebung im öffentlichen Diskurs: „Ernährung ist kein rein funktionales Thema mehr, sondern eng mit Werten, Lebensstilen und politischen Überzeugungen verknüpft.“ Unternehmen seien dadurch besonders anfällig für Kritik – oft pauschal, emotional und wenig differenziert, sagte Meinders gegenüber der Lebensmittel Praxis.

Vor allem soziale Medien spielen dabei eine zentrale Rolle. Ein einzelner Post kann Empörung auslösen, ohne dass Kontexte geprüft oder faktenbasiert diskutiert wird. „Die Lebensmittelbranche wird zur Projektionsfläche für gesellschaftliche Sorgen“, so Meinders. Besonders betroffen: Fleisch- und Milchproduktion sowie Obst- und Gemüseanbau, wo Themen wie Tierwohl, Arbeitsbedingungen und Umweltschutz dominieren. Dabei werde Kritik häufig an Einzelfällen festgemacht und dann verallgemeinert – Fortschritte blieben oft unsichtbar.

Ein Frühwarnsystem wie der „AFC Issue Monitor“ hilft Unternehmen, solche Entwicklungen frühzeitig zu erkennen. Meinders erklärt: „Wir analysieren täglich kritische Veröffentlichungen aus Medien, NGO-Berichten und Social Media. Dabei geht es nicht um Schlagworte, sondern um echte inhaltliche Bewertung.“ Allein 2023 zählte die Analyse rund 2400 kritische Beiträge – mit einem neuen Spitzenreiter: politische und gesetzliche Anforderungen. Besonders kontrovers diskutiert werden die EU-Verordnung für entwaldungsfreie Lieferketten sowie das deutsche Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz.

Diese gesetzlichen Anforderungen stellen Unternehmen vor Herausforderungen in der Umsetzung, so Meinders, und sind in der Praxis zum Teil schwer umsetzbar – vor allem für kleinere Betriebe. Sie plädiert daher für mehr Dialog mit der Politik und klare, glaubwürdige Kommunikation. Denn: „Reputationsschutz beginnt nicht erst, wenn es kracht.“ Wer vorbereitet sei, könne selbst aktiv Themen besetzen, etwa durch geplante Kommunikation rund um bekannte Aktionstage wie den Welttierschutztag.

Resilienz werde in Zukunft zum entscheidenden Standortvorteil. Unternehmen müssten sich gegen Risiken wie Cyberangriffe, Klimaschäden oder instabile Lieferketten wappnen. „Resilienz ist kein Notfallplan – sie ist der neue Wettbewerbsvorteil.“ Entscheidend sei, so Meinders, nicht nur sachlich zu argumentieren, sondern auch emotional zu überzeugen: „Glaubwürdigkeit entsteht durch Transparenz – nicht durch perfekte, sondern durch ehrliche Kommunikation.“

 

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