Wir testen die Besten Hieber's Frischecenter Lörrach - Wir testen die Besten

„Lieber zu Hieber – Weil wir einfach die tollsten Mitarbeiter haben“ lesen wir in der Anzeige vom 1. August in der örtlichen Tageszeitung „Die Oberbadische“. Anspruchsvolle These – die es im Bestentest zu beweisen gilt. Wir kaufen mal beim Hieber ein.

Mittwoch, 02. Oktober 2019 - Ladenreportagen
Silvia Schulz, Reiner Mihr
Artikelbild Hieber's Frischecenter Lörrach - Wir testen die Besten
Bildquelle: Mirco Moskopp

Inhaltsübersicht

Frische in Selbstbedienung
Der Obst- und Gemüsebereich ist großzügig und übersichtlich. Ganz zu Beginn eine Präsentation zur Verkostung. Wir können sehen, was verkostet wird, nur ist es kein stummer Diener, und Personal ist nicht da. Der frühe Vogel (bezogen auf die Uhrzeit) fängt also nicht immer den Wurm. Wir wundern uns, dass der Kunde die Ware noch selbst abwiegen muss. Okay. Wir versuchen es. Die ausgesuchte Birne Forelle hat kein Schild. Einfach die Nummer von einer anderen Birne nehmen? Das kommt für uns nicht infrage. Wir machen uns auf die Suche, finden eine Mitarbeiterin, fragen. Irgendwie schaut sie durch uns durch: Ohne ein Wort und ohne einen Blick folgt sie uns, hebt die Kiste hoch und sagt: „Das ist die Forelle. Die kostet genauso viel wie die anderen Birnen. Nehmen Sie die Nummer. Ich kümmere mich darum.“ Kein weiteres Wort. Zumindest ein kleines „Danke“ für den Hinweis hätten wir klasse gefunden.
Hier fällt uns erneut der Mitarbeiter-Anspruch ein (siehe oben). Ein wenig gemein sind wir auch: Nach einer Viertelstunde gehen wir zurück in die Abteilung. Unverändert. Erst bevor wir zur Kasse gehen, also nach über einer Stunde, hat die Forelle einen Namen, einen Preis und eine Nummer für die Waage. Prima.
Die Salatbar ist gut bestückt. Mit Ware und auch mit verschieden großen Verpackungsbehältnissen. Wir sind nicht ganz sicher, ob das Angebot mehr als Standard ist. Gut gefällt uns der Hinweis darauf, Einweghandschuhe zu benutzen.

Frische Bedienung
Die Bedienungsabteilung (egal welche) ist aus ladenbaulicher Sicht ein wahres Schmuckstück. Überaus ansprechend! Auch ohne Ware. Sie ist einfach hochwertig. Und in diesen Theken kommen die köstlichen Lebensmittel gut zur Geltung. Fleisch, Wurst, Käse, Fisch – alles ist bestens präsent. Die einzigen Defizite entdecken wir bei der Beschilderung der Salate in der Fischtheke. Drei verschiedene Salate stehen hintereinander – es gibt aber nur zwei Schilder. Mehrfach. Ansonsten: Qualität, Präsenz, Frische: Alles bestens. Eindeutig eine Stärke von Hieber. Das Personal dahinter adrett gekleidet und aktiv. Ordnung, Sauberkeit – bis zum Blick hinter die Theke – einfach nur überzeugend.

An der Theke
Wir kaufen Käse. Die Wartezeit ist zu vernachlässigen. Die Begrüßung seitens der Mitarbeiterin ist … nun ja, ein wenig unterkühlt. Auf unseren Wunsch „Wir möchten ein Stück Brie“, geht sie zum entsprechenden Platz in der Theke, hebt einen Brie an, damit wir ihn besser sehen. Müssen wir den jetzt nehmen? Da liegen doch noch mehr in der Theke? Zu mehr Aktivität und Argumentation ist sie aber heute nicht aufgelegt. Auch gut.
Und was sehen wir denn da? Steinsalzkäse! Wie „aromatisch“ – so die Beschilderung – ist er denn? Wortlos geht die Dame zum Käse. Die Theke ist groß. Wir folgen brav. Sie nimmt den Käse aus der Theke. Erklärt, dass es sich um einen kräftigen Geschmack handelt. Wickelt ihn aus, hobelt ein Scheibchen ab und reicht es über die Theke. Wir sind aber zu zweit. Na gut – teilen wir, schmeckt, und wir kaufen auch ein Stück.
Leider reagiert die Mitarbeiterin auf nichts: Wir sind offensichtlich sehr interessiert an Käse und nicht nur an Brie und Steinsalzkäse. Aber keine Hinweise auf Angebote, auf etwas Besonderes, Alternativen, Varianten. Wir verlangen heute zu viel. Dann schließen wir den Kauf eben ab. Mit uns wäre mehr Umsatz möglich gewesen. Verpasst. Die Verabschiedung leider auch unterkühlt wie die Begrüßung. Das enttäuscht uns erneut. Kundenbindung? Sieht man uns die „Touris“ beziehungsweise „Nicht-Stammkunden“ sofort an? Auch auf das Mehrweg-System weist uns die Mitarbeiterin nicht hin. Dabei liegen in der Mall die entsprechenden Flyer und Stempelkarten aus. Schade.
P.S. Als wir den Markt verlassen, hat „unsere“ Käse-Verkäuferin Pause. Die verbringt sie mit einer Kollegin auf der Außenterrasse: Sie kann herzlich lächeln und sich offenbar richtig gut unterhalten. Lag also an uns.

An der Info
Ein Mitarbeiter hinter der Info und ein Kunde vor uns. Ein zweiter Mitarbeiter kommt dazu. Juchhu, das geht schnell. Ach nein, doch nicht. Er muss sich mit der Kollegin unterhalten. Nummer eins bedient uns dann. Die Begrüßung kurz und bündig. Das Anliegen müssen wir ohne Nachfrage vortragen: „Wir brauchen einen Chip für den Einkaufswagen oder zumindest Kleingeld.“ Und reichen ihr einen Fünf-Euro-Schein. Die Mitarbeiterin greift zu, und erst jetzt fällt ihr auf, das hier was falsch läuft. Sie lächelt und sagt: „Sie brauchen weder Chip noch Geld. Die Einkaufswagen sind frei.“ Und gibt das Geld zurück. Wir Dummerchen.

Im Markt

Inneneindruck: 91,7 % - 5 LP-Punkte
Food/SB/NFI: 81,2 % - 4 LP-Punkte
Frische SB: 88,0 % - 5 LP-Punkte
Bedienung: 91,3 % - 5 LP-Punkte
An der Theke: 77,8 % - 4 LP-Punkte
Info: 75,0% - 4 LP-Punkte

An der Kasse
Von 12 Kassen sind 6 besetzt. Dazu noch die vier Plätze für den Self-Check-out, an denen überall ein Kunde beschäftigt ist. Einer von uns stellt sich an die personell besetzten Kassen an. Der andere von uns checkt selbst aus. Also los. An der SCO-Kasse dauert es nur Sekunden. Alle Artikel – bis auf einen – lassen sich scannen. Die für vier SCO-Plätze zuständige Mitarbeiterin bekommt das leider nicht mit. Wir fragen, sie hilft, bleibt aber stumm. Nicht mal ein „Tschüss“. Warum auch, wir haben uns ja bewusst für den Self-Check-out und damit gegen Personal entschieden.
An der bemannten Kasse ist ordentlich Andrang, wir stoppen die Zeit. Mehr als vier Minuten Warten. Keine Glanzleistung bei mehreren nicht besetzten Kassen. Begrüßung und Verabschiedung der Kassiererin waren in Ordnung. Vielleicht verlangen wir zu viel, aber ein wenig Kommunikation mit den „tollen Mitarbeitern“ hätten wir begrüßt. Denkbar wäre eine Nachfrage, ob wir alles bekommen haben oder einen Leergut-Bon haben. Man kann auch fragen, ob man bar oder mit Karte zahlen will. Reicht schon. Was wir aber zwingend wollen, ist ein Dank für den Einkauf. Das ist das Mindeste. Bleibt aber leider aus. Immerhin kommt die Verabschiedung, aber ohne Blickkontakt wirkt sie wenig ehrlich.

An der Kasse

Kasse: 65,2 % - 3 LP-Punkte

Was sonst ...
Wir entschließen uns, noch einen Kaffee zu trinken, um mit einem angenehmen letzten Eindruck den Markt zu verlassen. Wir gehen zur Kaffeebar, bestellen zwei Cappuccino und eine Heidelbeer-Tartelette mit der Bitte, diese zu teilen. „Das ist dann aber kein Gedeck und kostet mehr.“ Wie bitte? Mit der Ansage können wir nichts anfangen, also wiederholen wir den Wunsch noch einmal. Die Verkäuferin: „Das kann ich aber nicht teilen. Nebenan (direkt daneben) ist Besteck, damit können sie es sich teilen. Ich gebe ihnen zwei Teller.“
Dann unterhält sie sich mit dem an der Theke Sitzenden weiter. Warum sie den Kuchen nicht teilen kann, verstehen wir nicht so recht. Wir zahlen. Danke wird nicht gesagt, auch kein guter Appetit gewünscht. Wir verstehen das: Sie ist schließlich im Gespräch, offensichtlich mit einem Bekannten. Dann kommt noch eine Kollegin an den Tresen und bereichert die Unterhaltung der beiden. Gutes Betriebsklima.
P.S. Auch diese Mitarbeiterin trug Dienstkleidung, aber kein Namensschild. Zufall? Oder werden nur im Markt Namenschilder getragen oder nur von fest angestellten Kollegen? Erschließt sich uns als Kunden nicht, fällt uns nur auf.
Übrigens: Wir haben das selbst hergestellte Eis, welches in der Bewerbung zum Supermarkt des Jahres so sehr herausgestellt wurde, vermisst. Wir hätten es gerne probiert.

Ein Fazit
Sortiment und Ladengestaltung begeistern uns. Der Markt ist nicht mehr der Jüngste, aber dennoch top. Nur: An der anspruchsvollen These aus der Zeitungs-Anzeige muss unserer Meinung nach noch gearbeitet werden. Selbst, wenn einige Mitarbeiter wegen des stressigen Tages, dem Ansturm aus der Schweiz und dummen Fragen von Testkäufern einen schlechten Tag hatten.
Eine Obst- und Gemüseabteilung die mit vielen tollen Erzeugnissen regionaler Lieferanten überzeugt.
In den Theken der Bedienungsabteilungen buhlen die Waren miteinander um die Wette: Alles ist überaus appetitlich präsentiert.
Die hochwertige (baulich und sortimentstechnisch) Weinabteilung wird gekonnt ins rechte Licht gerückt.
Verpackung und Flyer weisen auf das vor Ort gebraute Marktbier hin.
Bei der Vielfalt der Angebote im Food Court wird der Kunde zum Gast und Genießer.