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DM Schondorf am Ammersee Das grüne Lernprojekt

Bettina Röttig | 13. Mai 2016

Am Ammersee wagte sich die Drogeriemarktkette dm erstmals als Bauherr an ein ganzheitliches Nachhaltigkeitskonzept. Das Referenzobjekt dient als Testlabor für verschiedene technische Elemente und neue Baustoffe sowie als Signal an Vermieter und Lieferanten.

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„Wir riechen gut und machen keinen Lärm“

Martin Auer, Leitung Bau bei dm Drogeriemarkt, erklärt, welche Ziele sich die Karlsruher für ihre Nachhaltigkeitsfiliale gesteckt haben, und welche Herausforderungen es zu meistern galt.

Herr Auer, die ersten Nachhaltigkeitsfilialen von verschiedenen Handelsunternehmen gibt es schon seit einigen Jahren. Warum hat es bei dm so lange gedauert?
Martin Auer: So lange ist eine provokante Frage. Wir sind seit vielen Jahren an der Fragestellung Nachhaltigkeit dran, haben in vielen bautechnischen Bereichen Nachhaltigkeitsmaßnahmen umgesetzt. Bisher waren wir aber immer „nur“ Mieter. In dieser Rolle gestaltet es sich sehr schwierig, beim Vermieter ein komplettes Nachhaltigkeitskonzept durchzusetzen und Einfluss zu nehmen auf den Rohbau eines Marktes. In Schondorf waren wir ausnahmsweise Bauherr und gleichzeitig Mieter. Die Erkenntnisse können wir künftig in Gespräche mit Vermietern einfließen lassen.

Bitte erklären Sie kurz Ihre wichtigsten Ziele in Bezug auf die Nachhaltigkeitsfiliale.
Wir wollten ein Konzept mit Leuchtturm-Charakter verwirklichen, das sich rechnet und aus dem wir Tranchen herausschneiden können, die wir auch in unseren Bestandsmärkten umsetzen können. Ziel ist es zudem, ein Signal nach außen zu senden, an Vermieter, aber auch an Lieferanten, Klima-Anlagenbauer, Architekten, Handwerker etc.


Welche Bedingungen haben Sie bei der Ausschreibung gestellt?
Wichtig war uns die Verortung. Wir haben wieder auf die alten Tugenden geschaut, haben Unternehmen aus der Region mit guten Referenzen beauftragt, die einen Ruf zu verlieren haben. Man hat gesehen, dass der Zimmermann mit Handwerkerehre gearbeitet hat. Diese guten Erfahrungen haben uns den Impuls gegeben, in verschiedenen Gewerken die Radien eher kleiner zu denken. Es war uns zudem wichtig, dass die Materialitäten aus der Region kamen. Wir haben kein Holz aus China verwendet, sondern aus dem bayerischen Wald, was uns dies im Sinne der ökologischen Nachhaltigkeit mehr wert war.

Mit welchen Herausforderungen hatten Sie zu kämpfen?
Überhaupt eine Genehmigung für Drogerie zu bekommen, war nicht ganz so leicht. Die Fragestellung der Innenstadtrelevanz ist immer problematisch. Aber ich sag’s mal ganz salopp: Wir riechen gut, machen keinen Lärm und werden immer wieder als Arbeitgeber ausgezeichnet. Daher gehören wir eher zu den Händlern, die auf dem Wunschzettel stehen. Weitere Herausforderungen waren die Topografie – der Hang musste erstmal abgetragen werden –, die Dämmung mit Seegras warf die Frage auf, ob es sich damit um einen experimentellen Bau handelt. Ob Feuchtigkeit aber z. B. chemische Veränderungen zur Folge haben könnte, das wissen wir aktuell noch nicht. Auch die Dämmeigenschaft wurde erstmal nur berechnet und muss sich noch weiter beweisen. Aber das Risiko hält sich in Grenzen, und alle Messungen deuten bisher darauf hin, dass das Konzept aufgeht.

Warum dennoch Seegras?
Unter dem Rückbauaspekt war dies der ökologischste Stoff, der auch noch finanziell abbildbar ist. Wir haben damit kein Verbundmaterial, die Bauteiltrennung ist somit kein Problem. Wir haben ei- nen eigenen Arbeitskreis, der sich übergeordnet für das Unternehmen dm mit Nachhaltigkeit beschäftigt. Darüber haben wir die Schnittstellen im Griff.

Was übernehmen Sie von Schondorf?
Auf jeden Fall die LED-Beleuchtung. Bei der Implementierung des Beleuchtungssystems haben wir z. B. einen positiven Dreiklang: Wir haben den Einkaufspreis gesenkt, eine bessere Garantie, und wir haben außer der Reinigung nichts mehr mit der Wartung der Lampen zu tun. Der LED-Puk hält im Regelfall die Garantiezeit, und die Energieeinsparung beträgt zudem rund 15 Prozent. Auch den Bodenbelag werden wir übernehmen. Wir haben uns für einen homogenen Kunststoffbelag entschieden. Ein heterogener ist schwer zu entfernen. Dieser neue hingegen kann fast restlos entfernt und der Wiederverwertung zugeführt werden, ohne dass wir Abstriche in Sachen Komfort und Atmosphäre in Kauf nehmen müssen. Er ist zudem besser zu reinigen und günstiger. Dann sind wir noch in der Erprobung von Automatiktüren und anderen kleineren Details. Ein Zukunftsthema wird die Steuerung der Lichtanlage sein. Eine Feinsteuerung der Haustechnik haben wir auch vorgenommen. Sie wollen weitere Nachhaltigkeitsfilialen eröffnen.

Wo und wie werden diese aussehen?
Die nächste Nachhaltigkeitsfiliale ist ein Bestandsmarkt in der Berliner Innenstadt, der gerade umgebaut und wiedereröffnet wurde. Hier ging es also um die Frage des Erhaltens.