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Interview mit Hermann Bühlbecker „Diese spezielle Art zu kämpfen“ - Interview mit Hermann Bühlbecker: Teil 2

Andrea Kurtz | 09. März 2018
Interview mit Hermann Bühlbecker: „Diese spezielle Art zu kämpfen“

Bildquelle: Peter Eilers

Er polarisiert, doch kaum ein deutscher Unternehmenschef steht so für seine Marken wie Hermann Bühlbecker. Er war 28, als er den Familienbetrieb Aachener Printen- und Schokoladenfabrik Henry Lambertz übernahm – um ihn zunächst zu erhalten. Aus dem Monoproduzenten für Aachener Printen ist eine international tätige Firmen-Gruppe mit acht Fabriken und 4.000 Beschäftigten geworden. Sein Erfolgsrezept verriet er im Aachener Stammwerk beim Gespräch mit der LP.

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Dieses Konzept taugt nicht für jeden Unternehmer?
Sicher nicht. Diese spezielle Art zu kämpfen, diese Verbindung von Person und Firma, muss man wollen und leben und dabei wissen, dass man auf jegliche Freizeit verzichtet.

Nachhaltig

Seit 2011 arbeitete Lambertz daran, Eier aus Bodenhaltung und nachhaltiges Palmöl zu verwenden. Inzwischen gibt es die Zertifizierung vom Roundtable on Sustainable Palm Oil. 2012 trat Lambertz dem Forum Nachhaltiger Kakao bei. Seit 1. Januar 2017 wird bei den Jahresprodukten ausschließlich Fair-trade-Kakao verwendet.

Gibt es weitere Expansionspläne?
Auch hier ist nicht alles planbar. Wenn das richtige Unternehmen auf dem Markt ist – und so viele, die zu uns passen können, gibt es nicht mehr – wird sich das ergeben. So wie damals bei Weiss, kommt es dann auch auf den persönlichen Kontakt an. Das gilt übrigens auch im Exportgeschäft. Als wir in den USA eine eigene Firma gegründet und nicht mehr auf Importeure gesetzt haben, bin ich beispielsweise selbst nach Bentonville zu Wal-Mart gereist, um diese Neuausrichtung zu erklären. Im Moment gibt es zum Thema Akquisition keine konkreten Pläne, wir können aber auch gut ohne weitere Zukäufe leben.

Wie beurteilen Sie denn die Konzentration im Handel?
Dazu kann man als Hersteller natürlich nur schwerlich etwas sagen. Die Konzentration ist einfach ein Fakt und wir stellen uns darauf ein. Aber man muss dem Handel ja auch ein großes Kompliment machen. Er ist heute viel kreativer geworden und ist immer offen für Innovationen. Auch in Sachen Werbung sind Entwicklungen entstanden, die zeigen, wie der Handel mit der Zeit geht.

Stichwort Digitalisierung: Ihr Onlineshop läuft bestens. Gibt es dazu Kritik aus dem Handel?
Nein, das Ausmaß des Shops ist für den Handel nicht relevant. Die Partner wissen, dass der große Teil der Umsätze immer noch über sie läuft. Aber ich habe vor Weihnachten einmal Homeshopping über QVC probiert und innerhalb einer Viertelstunde 40.000 unserer Präsentkisten, die wir sonst an Prominente verschenken, für 40 Euro abgesetzt. Da diese aber wegen des relativ hohen Verkaufspreises ohnehin nicht im Einzelhandel verkauft werden, war das kein Problem, ganz im Gegenteil, es hat auch zur Nachfrage nach kleineren Produkteinheiten angeregt.

Was ist denn Ihr Geheimnis, so fit und aktiv zu bleiben?
Nun, ich esse gerne Süßigkeiten. Und ich spiele noch immer Tennis, einmal in der Woche. Das ist ja auch genau die Botschaft, die ich und andere Player in der Branche vermitteln möchten: Wer sich bewegt und aktiv ist, darf auch Süßes essen. Wer Markenbotschafter ist wie ich, muss das auch vermitteln. Ich freue mich darüber, dass ich mich mit meinen Produkten identifizieren kann. Das gilt auch für die Gäste auf meinen Events, wie kürzlich Schauspielerin Andie MacDowell. Sie hat gern zugegeben, dass sie Schokolade liebt. Das bringt unsere ganze Kategorie in ein positives Bild.

Denken Sie ans Aufhören?
Nein. Lambertz wird in diesem Jahr 330 Jahre alt und es gilt, diese Tradition weiter zu pflegen.

Lambertz historisch gesehen

  • Seit Ende der 1980er-Jahre expandiert das Unternehmen und übernahm teilweise ehemalige Konkurrenzfirmen samt Produktionsanlagen und Produktpaletten als eigenständige Tochterunternehmen.
  • 1988: Übernahme der Mehrheitsbeteiligung an der Feinbäckerei Otten (Erkelenz)
  • 1989: Übernahme der Heemann Lebkuchenund Süßwarenspezialitäten (Ladbergen)
  • 1994 erwarb Lambertz die 1925 gegründete Max Weiss GmbH in Neu-Ulm, einen Hersteller von Lebkuchen süddeutscher Prägung.
  • Anfang 1999 kam die Backwarensparte der Schöller-Holding (Schokoladenfabrik Haeberlein-Metzger, Kinkartz) dazu.
  • 1998 entstand eine Produktionsstätte im polnischen Kattowitz, um den osteuropäischen Markt anzugehen.
  • Derzeit verfügt die Lambertz- Gruppe über 25 Backstraßen an sieben Produktionsorten.
  • In den USA besteht seit längerem eine eigene Vertriebsgesellschaft in Fairfield (New Jersey), da auch dort mehrere Handelsketten Lambertz-Produkte ins Sortiment aufgenommen haben.
  • 2014 hat die Gruppe die Mehrheitsbeteiligung an der Dresdner Großbäckerei Dr. Quendt übernommen, die unter anderem Russisch Brot, Christstollen, Oblaten und Dinkelchen herstellt.
  • Mit Wirkung zum 1. Mai 2015 übernahm Lambertz sämtliche Geschäftsbetriebe der Ifri Schuhmann- Gruppe in Nürnberg (Burg Lebkuchen, Josef Wendler Nougatfabrik) und wurde damit erstmals auch Anbieter von Nougat-Produkten.