Ifo-Sonderbefragung Jedes zweite Unternehmen sieht Bürokratie als größtes Standortproblem

Bürokratie und Regulierung belasten deutsche Unternehmen stärker als hohe Energie- oder Arbeitskosten. Das zeigt eine Sonderbefragung des Ifo-Instituts unter knapp 4.500 Firmen. Besonders große und mittlere Betriebe klagen – während der Handel vor allem die schwache Nachfrage fürchtet.

Dienstag, 22. September 2026, 09:19 Uhr
Theresa Kalmer
Bürokratie und Regulierung gelten als größtes Standortproblem – im Handel steht dagegen die schwache Nachfrage im Fokus. Bildquelle: Getty Images

Jedes zweite deutsche Unternehmen sieht Bürokratie und Regulierung als größtes Standortproblem. Das geht aus einer Sonderbefragung des Ifo-Instituts vom Juli 2026 hervor. Mit deutlichem Abstand folgen die Energiekosten (27 Prozent) und die Arbeitskosten (22 Prozent). Für den Handel ist dagegen ein anderes Thema besonders drängend: Dort nennen 25 Prozent der Befragten die schwache Nachfrage und die allgemeine Wirtschafts- und Auftragslage als größtes Problem – mehr als in jedem anderen Wirtschaftsbereich.

buerokratie ist groesstes standortproblem

Klaus Wohlrabe, Leiter der Ifo-Befragungen, verwies in der Mitteilung auf zwei Wirkungskanäle der Bürokratie: „Der bürokratische Aufwand wirkt auf zwei Wegen: Er bindet Personal, das an anderer Stelle fehlt, und er verhindert Investitionen, die sich nicht mehr rechnen, sobald man den Genehmigungs- und Dokumentationsaufwand einpreist.“ Den zweiten Effekt bezeichnete er als den teureren, weil er in keiner Statistik auftauche – das Vorhaben werde schlicht nie begonnen.

Zwischen den Unternehmensgrößen zeigen sich laut der Befragung deutliche Unterschiede. Solo-Selbstständige nennen Bürokratie mit 33 Prozent am seltensten als Problem, Kleinstunternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten kommen auf 41 Prozent. Bei großen (59 Prozent), mittleren (58 Prozent) und kleinen Unternehmen (50 Prozent) liegen die Werte dagegen nah beieinander. Wohlrabe erklärte dies damit, dass Betriebe ab einer gewissen Größe von mehreren Regelwerken gleichzeitig betroffen seien – vom Arbeitsrecht über Berichtspflichten bis zum Datenschutz. Selbstständige fielen aus vielen dieser Pflichten noch heraus.

Baugewerbe klagt über Fachkräftemangel und lange Genehmigungsverfahren

Auch zwischen den Branchen unterscheiden sich die Schwerpunkte den Angaben zufolge erheblich. In der Industrie bezeichnen 39 Prozent die Energiekosten als Standortproblem, im Dienstleistungssektor nur 17 Prozent. Das Baugewerbe klagt überdurchschnittlich häufig über fehlende Fachkräfte (29 Prozent) und langwierige Genehmigungsverfahren (13 Prozent). Selbstständige setzen nach Angaben des Ifo-Instituts andere Schwerpunkte als Unternehmen mit Beschäftigten: Sie verweisen deutlich häufiger auf Unsicherheit und fehlende Planbarkeit (21 Prozent) sowie auf Steuern und Abgaben (17 Prozent), nennen dafür kaum Arbeitskosten oder Fachkräftemangel.

Für die Erhebung wertete das Ifo-Institut nach eigenen Angaben 4.449 Antworten aus Industrie, Bau, Handel und Dienstleistungen aus. Die Unternehmen konnten in einem freien Textfeld ohne vorgegebene Kategorien antworten, Mehrfachnennungen waren möglich.

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