Widerrede Dürreschäden durch erhöhte Flächenprämien ausgleichen – Soforthilfe oder Innovationsbremse?

Hintergrund

Der Bundeslandwirtschaftsminister hat eine Erhöhung der Flächenprämien für das kommende Jahr auf 700 Millionen Euro angekündigt. Ist das sinnvoll?

Freitag, 30. Oktober 2026, 07:45 Uhr - Strategien
Lebensmittel Praxis
Carl von Butler (li.) und Pierre Johannes Bildquelle: Leonhard Simon, Nabu/Benedikt Dittrich

„Eine wirtschaftlich tragfähige Erzeugung ist aktuell nicht möglich“

Von Carl von Butler, Bayerischer Bauernverband

Carl von Butler ist Generalsekretär des Bayerischen Bauernverbands. Er hat eine landwirtschaftliche Lehre absolviert und ist Jurist.

Nach dem Dürresommer 2026 benötigen die Landwirte leider weitere pauschale Flächenprämien als zusätzlichen finanziellen Ausgleich. Während die Kosten rapide steigen und in keiner Weise mehr kalkulierbar sind, bilden die Märkte diese Kostenentwicklung nicht nur nicht ab, sondern sie sind sogar rückläufig. Im Ergebnis bedeutet dies, dass eine wirtschaftlich tragfähige Erzeugung für uns aktuell nicht mehr möglich ist. Gleichzeitig fordert die Kommissionspräsidentin zu Recht mehr Sicherheit in Europa und betont, dass Europa seine eigene Ernährungssicherheit schützen muss. Deshalb ist es jetzt wichtig, weitere Unterstützung zur Kostenentlastung bei Betriebsmitteln, wie beispielsweise Dünger und Energie, zu erreichen. Es braucht Kostensenkungen bei den Produktionsstandards und einheitliche Regeln für die Qualität von Lebensmitteln und landwirtschaftlichen Produkten, die in der Europäischen Union verkauft werden, sowie einheitliche Standards für deren Produktion. Dies ist kurzfristig nicht umzusetzen. Deshalb muss den am stärksten betroffenen Landwirten eine Sonderunterstützung gewährt werden.


„Pauschale Flächen­prämien hemmen Innovationen“

Von Pierre Johannes, Naturschutzbund

Pierre Johannes ist Teamleiter Landnutzung im Nabu-Bundesverband. Der Naturschutzbund ist einer der größten und ältesten deutschen Umwelt- und Naturschutzverbände.

Dieser Dürresommer zeigt, dass wir in einer neuen Normalität angekommen sind. Dagegen helfen keine alten Rezepte. Pauschale Flächenzahlungen unterstützen Betriebe nicht dabei, Wasser im Boden zu halten oder Erträge zu sichern. Sie werden unabhängig davon gezahlt, ob ein Betrieb resilient wirtschaftet. Damit fördern sie den Status quo und hemmen Innovationen. Auch das Argument, ohne Direktzahlungen sei die Ernährungssicherheit gefährdet, trägt nicht. Selbst ein vollständiger Wegfall der Zahlungen würde die deutsche Produktionsmenge kaum beeinflussen. Ernährungssicherung bei Extremwetter heißt: Stabilität ins System bringen, statt Volatilität zu befeuern. Diversität im Anbau und in den Absatzkanälen statt volles Risiko.

Wer Landwirte unterstützen will, sollte deshalb nicht einfach die Flächenprämie erhöhen. Das Geld muss gezielt ankommen – bei vielfältigen Fruchtfolgen, Erosionsvermeidung, Humusaufbau und Wasserrückhalt. Solche Investitionen in Vorsorge kommen Landwirtschaft und Gesellschaft zugute – und rechtfertigen öffentliche Mittel.

Videos vom Supermarkt des Jahres 2026 - Nominierte und Gewinner

Käse-Star 2026: Die Finalisten im Video

Tiefkühl-Star 2026: Die Finalisten im Video