GS 1 Germany Bewegte Zeiten

GS 1 Germany besetzt weitere Schwerpunktthemen: Mobile Commerce und Nachhaltigkeit.

Donnerstag, 07. Oktober 2010 - Management
Markus Oess

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Jetzt hat sich also auch GS 1 Germany das Thema Nachhaltigkeit auf die Fahne geschrieben. Jörg Pretzel, Chef der Standardisierungsgesellschaft, betont, dass sich die Kölner mit der Roadmap für die Value Chain 2016 bereits seit längerem mit nachhaltigen Optimierungen in der Wertschöpfungskette auseinander gesetzt haben. Auch Händler wie Metro oder Rewe arbeiteten an diesem Themenkomplex. „Unsere Aufgabe ist es nun, Standards zu definieren, mit denen entsprechende Nachhaltigkeitskonzepte realisiert werden können – seien es Prozesse oder Technologie-Standards", so Pretzel beim elften ECR-Tag in Hamburg im Gespräch mit der LEBENSMITTEL PRAXIS.

Die Ansatzpunkte bestehen demnach etwa in der Logistik, wenn Transporte durch Kooperation optimiert oder Lager gemeinsam genutzt werden. Mit Optimierungen im Energiemanagement in den vielen Industrie- und Handelsstandorten lasse sich ebenfalls viel bewegen. Auch Produktneuheiten könnten nachhaltig wirken. „Nehmen Sie nur das Waschmittel von Henkel, das bei niedrigeren Temperaturen gleiche Waschergebnisse bringt", erläutert Pretzel. Entscheidend werde sein, wie der Kunde mit dem Thema umgehen wird, ob er etwa Preiserhöhungen akzeptiere, oder auf Erdbeeren im Winter verzichten könne. „Das wird nicht einfach von heute auf morgen gehen."

Ein weiteres Schwerpunktthema ist Mobile Commerce. Das allerdings hebt eher auf junge, technik-affine Menschen ab. Die haben aber nicht unbedingt die finanziellen Mittel. „Dies sehe ich nicht so", entgegnet der Manager, „denn die Zahl der Smart-Phone-Nutzer wächst stetig, damit ist Mobile Commerce eine Investition in die Zukunft." Allerdings werde keine Revolution stattfinden, sondern ein langsamer Veränderungsprozess.


Dennoch: „Jeder, der Produkte auf den Markt bringt, kann davon profitieren. Das Informationsbedürfnis der Konsumenten steigt und seine Möglichkeiten, sich mobil zu informieren, wachsen. Interessant ist die Frage, wer die Hoheit über die Daten haben wird, auch ob der Handel lediglich auf den Industriepartner verweist oder nicht doch als Adressat gegenüber dem Verbraucher auftritt." Dazu kommt noch die Frage, wie die Unternehmen mit sozialen Netzwerken wie Facebook umgehen werden. „Was in diesen Netzwerken über die Unternehmen und Marken kommuniziert wird, können sie nicht steuern, aber sie müssen sich damit auseinandersetzen."

Konkret sieht Pretzel zwei Bereiche im Kommen: Das Couponing werde zunehmend interessanter, wenn Kunden auf ihre Handys Rabatt-Gutscheine erhalten und direkt einlösen können. „Vor allem aufgrund der Verbreitung des Smart Phones werden wir in zwei bis drei Jahren erste breite Anwendungen sehen. Auch die Funktion der Bezahlung per Handy wird innerhalb von drei bis fünf Jahren Marktreife erlangen. Zentrale Frage dabei ist, dass das Sicherheitsthema geklärt ist."

GS 1 Germany sieht die Branche noch am Anfang, in einer ersten Orientierungsphase. „Das Unternehmen Otto zum Beispiel zeigt vielversprechende Ansätze, wie man Multi-Channel-Marketing erfolgreich nutzen kann. Die Entscheidungen für diese neuen Vermarktungsstrategien müssen konzeptionell klar durchdacht sein. Mitmachen, um dabei zu sein, wird nicht der profitable Weg sein. Zu hoffen ist, dass dadurch mehr Wachstum, zumindest aber keine Wertevernichtung erreicht wird. Denn klar ist, der Markt wird nicht größer, er wird nur über mehr Absatzkanäle laufen."
Während die Technik nach Einschätzung von Pretzel kein Problem sein dürfte, sehe es mit Datenqualität und Datensicherheit anders aus. Beide haben oberste Priorität, denn laufe hier etwas schief, habe das spürbare Folgen.

Pretzel ist mit dem Verlauf der ECR-Veranstaltung zufrieden: „Ich habe den Eindruck, dass immer mehr davon überzeugt sind, durch Kooperationen Effizienzgewinne abschöpfen zu können. Auch wenn das Thema Preis dadurch nicht wegzudiskutieren sein wird. Es bleiben Themen wie Nachhaltigkeit, Mobile Commerce oder der soziodemografische Wandel. Diese Herausforderungen können nur über kooperative Ansätze gelöst werden." – Auch um das Kartellamt nicht aufzuscheuchen? Pretzel dazu: „Die aktuellen Diskussionen um das Vorgehen des Bundeskartellamts haben natürlich zu Verunsicherungen geführt. Tatsache ist, dass CM-Projekte seitens des Kartellrechts bisher nicht tangiert sind. Insbesondere dann nicht, wenn eine klare Trennung zur Preisfindung erfolgt und keine wettbewerbsrelevanten Informationen ausgetauscht werden."?