Interview mit Stefan Genth - HDE „Viele Händler sind auf einem guten Weg“ - Demografische Entwicklung

Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland (HDE), über Demografie, Zielgruppen-ansprache und die Beschäftigungspolitik im LEH.

Freitag, 03. August 2012, 00:00 Uhr
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Gespräch mit Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des HDE, über Demografie, Zielgruppenansprache und die Beschäftigungspolitik des Handels
Bildquelle: Engelhardt

Wie sind Ihre Eindrücke: Berücksichtigt der Handel ältere Bewerber bei den Personalentscheidungen bereits stärker, oder sind es bisher eher Lippenbekenntnisse?
In einem guten Verkaufsteam spielt sich schnell ein, wer welche Kunden am besten bedient. Da gilt übrigens keineswegs die Annahme, dass Ältere lieber von Älteren bedient werden. Aber der Handel hat ja nicht nur Verkaufspersonal, Lager wollen bestückt, Schaufenster dekoriert, Bestellungen aufgegeben und Rechnungen bezahlt werden. Auch in diesen Bereichen kommt es darauf an, die Potenziale älterer Arbeitnehmer zu nutzen. Dafür müssen dann aber auch die Voraussetzungen stimmen: Die Arbeitgeber können helfen, die körperliche und geistige Fitness ihrer Angestellten zu erhalten und zu trainieren. Die Unternehmen haben die Möglichkeiten, die Arbeitsplätze altersgerecht zu gestalten.

Werden die personalpolitischen Konsequenzen, die aus der demografischen Entwicklung resultieren, von den Händlern richtig eingeschätzt?
Ja, viele Händler haben die Konsequenzen bereits gezogen und sind auf einem guten Weg. Viele andere profitieren von den Erfahrungen, die einige Unternehmen bereits gesammelt haben. Wichtig ist zu erkennen, dass es mitnichten ausschließlich um die älteren Beschäftigten geht, sondern um die Angestellten aller Altersstufen – denn gerade gemischte Teams haben sich in vielen Bereichen als besonders erfolgreich und gut erwiesen.

Galeria Kaufhof gilt hier ja als beispielgebend. Gibt es inzwischen weitere solche Unternehmensausrichtungen?
Galeria Kaufhof ist meines Wissens nach bisher das einzige Unternehmen, das eine eigene Stelle zum Thema demografischer Wandel geschaffen hat. Das Konzept wird dort von allen Filialen mitgetragen und findet in allen unternehmerischen Prozessen Berücksichtigung. Außerdem sind bei Galeria Kaufhof alle Partner und Dienstleister, also auch Hersteller, Werbung und Marketing, einbezogen. Mittlerweile nehmen aber auch viele andere Handelsunternehmen den Ball auf. Globus zum Beispiel ist von der Bundesfamilienministerin vor Kurzem für sein familienfreundliches Beschäftigungskonzept ausgezeichnet worden. Und die Unternehmen, die das Projekt „Pluspunkt Erfahrung“ begleitet haben, haben die entsprechenden Konzepte für sich übernommen. Der Handel ist hier auf einem guten Weg.

Was raten Sie zusammenfassend dem LEH in Deutschland?
Weiter so! Aber: Zum einen sind Anpassungen an Kundenwünsche dynamische Prozesse. Die Branche muss am Puls der Kunden bleiben und sich schnellstmöglich an neue Trends und Anforderungen anpassen. Mit Blick auf die Beschäftigungskonzepte bitte ich zu bedenken, dass jedes Unternehmen ein individuelles braucht.

Die Kriterien für das Siegel
Die Prüfung des HDE für das Qualitätszeichen „Generationenfreundliches Einkaufen" erfolgt in sieben Kategorien, die jeweils einzelne Bereiche (Erreichbarkeit des Geschäfts, Eingang zum Geschäft, Mitarbeiter, Ladengestaltung, Sortimentsgestaltung, Service und Kasse) abfragen und bewerten. Es gibt insgesamt 58 Kriterien , die untersucht werden können. Ist ein Kriterium nicht erfüllt, werden keine Punkte, auch keine Teilpunkte, vergeben. Die höchstmögliche zu erreichende Punktzahl beträgt 119. Ist ein Kriterium, welches in dem jeweiligen Geschäft nicht unbedingt benötigt wird (eine Rolltreppe in einem ebenerdigen Geschäft), nicht vorhanden, wird dieses Kriterium ersatzlos aus der Prüfliste gestrichen. Die zu erreichende Höchstpunktzahl verringert sich um diese gestrichenen Punkte
Aufgenommen werden die Bewertungen über einen Bewertungsbogen , der über den regionalen Einzelhandelsverband an den HDE geht. Die Auswertung des Fragebogens erfolgt zentral über den HDE. Danach gibt es ein Abschlussgespräch zwischen den Hauptverantwortlichen (Inhaber, Geschäftsführer) und dem Vertreter des regionalen Einzelhandelsverbande.
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