„Regionalquote kann ländlichen Raum stärken“
Von Hanka Mittelstädt, Landwirtschaftsministerium Brandenburg
Hanka Mittelstädt (SPD) ist Ministerin für Land- und Ernährungswirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg.
Ich finde es bemerkenswert, welchen Stellenwert Regionalität in den Werbestrategien des Lebensmittelhandels hat. Die darüber versprochene Verantwortung der Konzerne für den ländlichen Raum möchte ich weiter stärken. Es bleibt die vornehmliche Aufgabe der Politik nachzusteuern und den Rahmen zu setzen, in dem sich regionale Wertschöpfung gut entwickeln kann. Dazu kann die Einführung einer Angebots-Regionalquote beitragen, eine kompaktere Platzierung im Markt oder ein regionales Paypack-System. Hier kann sich Politik etwas trauen und mit einem klaren Anspruch an den Handel herantreten. Für die Umsetzung müssen wir gemeinsam Ideen und Systeme entwickeln, die bei Nichtteilnahme auch eine Abgabe vorsehen, die von den Einzelhandelsunternehmen entrichtet wird. Diese Abgabe könnte dann direkt zur Stärkung der regionalen Wertschöpfung eingesetzt werden, beispielsweise in den tierwohlgerechten Stallumbau. Letztlich würde auch der Einzelhandel von einer solchen regionalen Gemeinschaftsinitiative profitieren. Aufbau und Etablierung regionaler Wertschöpfungsketten ist mein politisches Ziel. Nur so schaffen und sichern wir Wohlstand vor allem in ländlichen Regionen Brandenburgs.
„Eine Zwangsabgabe ist eine unausgegorene Idee““
Von Nils Busch-Petersen, Handelsverband Berlin-Brandenburg
Nils Busch-Petersen ist Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Berlin-Brandenburg, in dem rund 1.000 Handelsunternehmen der Region vertreten sind.
Es steht außer Frage, dass Regionalität für die Verbraucher eine wichtige Rolle beim Einkaufen spielt. Die Überlegung, eine Angebots-Regionalquote einzuführen, ist jedoch ein kläglicher Versuch, dem Handel etwas zu diktieren, was er längst freiwillig tut. Unsere Händler, die ihre Kundschaft und ihre Region bestens kennen, bieten auch ohne Zwang ein auf ihre Region zugeschnittenes Sortiment an. Durch die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit lokalen Erzeugern stärken wir regionale Wertschöpfungsketten. Das muss nicht immer zwangsläufig Brandenburg sein, denn regional heißt auch kurze Wege. Eine Zwangsabgabe bei Nichtteilnahme ist einmal mehr eine unausgegorene Idee, die das zugrunde liegende Problem der fehlenden durchgängigen Wertschöpfungsketten allerdings verkennt. Während aus allen Ecken Bürokratieabbau getönt wird, soll der Handel wieder als Prügelknabe herhalten, indem uns neue bürokratische Steine in den Weg gelegt werden. Wir sind bereit, uns an regionalen Gemeinschaftsinitiativen zu beteiligen und regionale Wertschöpfung zu stärken – jedoch nicht, wenn uns Ketten in Form einer Angebots-Regionalquote angelegt werden.
