Leser fragen ... Mehr Diebstahl an SCO-Kassen? Was Händler wirklich tun können

Hintergrund

Leser fragen und Experten antworten. In dieser Ausgabe erklärt Frank Horst, wie Händler SCO-Kassen sicher und effizient betreiben können.

Mittwoch, 14. Januar 2026, 07:40 Uhr
Lebensmittel Praxis
Frank Horst ist Leiter des Fachbereichs Sicherheit und Inventurdifferenzen beim EHI Retail Institute. Bildquelle: EHI Retail Institute

Mehr Diebstähle?

Heute bieten bereits mehr als 11.000 Geschäfte ihren Kunden Self-Check-out (SCO) in verschiedenen Varianten an. Die Technologie ist etabliert, und die Kunden nehmen sie gut an. Eine pauschale Behauptung, an SB-Kassen werde generell mehr gestohlen, greift jedoch zu kurz: Ausstattung und Personalpräsenz unterscheiden sich stark – entsprechend schwer lassen sich Inventurdifferenzen klar zuordnen. Trotzdem berichten über 45 Prozent der Händler von höheren Verlusten im Zusammenhang mit SCO, verursacht durch Diebstähle und einfache Fehlbedienungen.

Fakt ist: Ladendiebstähle haben in den letzten Jahren branchenübergreifend zugenommen. Der oft geäußerte Vorwurf, der Handel sei wegen wachsender SB-Angebote selbst schuld an steigenden Diebstählen, hält einer genaueren Betrachtung nicht stand: Mit einem Geschäftsanteil von 3,5 Prozent und einem Kassenanteil von 5,5 Prozent beeinflussen SCO-Systeme die Gesamtentwicklung der Diebstahlkriminalität kaum.

Technische Hilfsmittel nutzen

Um Risiken im SCO-Bereich zu reduzieren, können viele Technologien zum Einsatz kommen. Dazu zählen Ausgangsgates, Kameras, Kundenmonitore, Kamerabilder mit eingeblendeten Bon-Daten, KI-Systeme zur Verhaltens- und/oder Produkterkennung, die Integration von Kontrollwaagen sowie Plausibilitätschecks durch Datenauswertungen.

Immer mehr Händler statten ihren SCO-Kassenbereich mit Ausgangsgates und Kameratechnik aus. Sie sorgen für mehr Übersicht und bieten bessere Kontrollmöglichkeiten. Ausgangsgates sind eigentlich nur eine psychologische Hemmschwelle: Kunden benötigen dafür einen Kassenabschluss – aber diese Maßnahme wirkt.

Personal ist wichtig

Trotz moderner Technologien, das A und O ist die konstante Personalpräsenz im SCO-Bereich. Mitarbeiter sollten aktiv und freundlich auf Kunden zugehen, und das nicht nur, wenn Fehler auftreten. Das erleichtert zugleich Stichprobenkontrollen, die beim Self-Scanning Standard sind und die Sie mit transparenter Kommunikation auch an SB-Kassen praktizieren sollten. Kunden dürfen bei unbeabsichtigten Fehlbedienungen aber keinesfalls das Gefühl bekommen, unter Diebstahlverdacht zu stehen.

Künstliche Intelligenz benötigt enorm viel Bildmaterial, damit sie wirklich gut funktioniert. Worauf Sie achten sollten: Je enger die Kamera den Scanner-Bereich umfasst, desto besser sind die Ergebnisse. Erweitert man den Blickwinkel der KI, scannt sie oft Dinge, die nicht zum Sortiment gehören und so Fehler verursachen können. Trotzdem: Diese Technologie wird den Handel künftig deutlich unterstützen – sie reduziert Bedienungsfehler und erkennt potenzielle Diebstähle bereits im Moment der Tat automatisch.

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