Unangemeldet Zu laut, zu vollgestellt, zu alt? Der Hit in Koblenz beim Überraschungsbesuch

Hintergrund

Hier zeigt die LP die ganze Vielfalt des Lebensmittelhandels: EinZufallsgenerator wählt für jede Ausgabe einen Markt aus – den die Redaktion anschließend inkognito besucht. Diesmal: Hit in Koblenz.

Donnerstag, 15. Januar 2026, 07:40 Uhr
Tobias Dünnebacke
Der Hit-Markt befindet sich im historischen Schlachthof nahe der Mosel. Bildquelle: Tobias Dünnebacke

Über dem Hit-Logo an der Außenfassade thront das Relief eines Mannes, der einen Stier an den Hörnern packt und mit ihm zu kämpfen scheint. Ein Relikt aus alten Tagen. Dort, wo die Dohle Handelsgruppe in Koblenz seit 2009 einen Supermarkt betreibt, war ursprünglich mal ein Schlachthof mit Viehhalle. Das 1913 errichtete Gebäude ist denkmalgeschützt und Teil des UNESCO-Welterbes Oberes Mittelrheintal. So viel zur Geschichte. Die Frage, die hier beantwortet werden soll: Wie schlägt sich der Markt, wenn niemand mit einem Testbesuch rechnet?

Stimmung 

Zugegeben: 8 Uhr morgens ist nicht gerade die Zeit, in der sich ein Marktleiter einen Inkognitobesuch wünscht. Es herrscht eine gewisse Hektik. Im gesamten Markt stehen palettenweise Produkte, die darauf warten, ausgepackt zu werden. Nicht selten verstellen quer geparkte Hubwagen den Gang. In den Regalen klaffen große Lücken. Möglicherweise mangelt es an Mitarbeitern. Als Kunde hat man jedenfalls das Gefühl: Der Supermarkt ist noch nicht für die Öffnung bereit. Vor der Salattheke oder dem Backshop geht man jedenfalls ziemlich leer aus. Wer noch nicht ganz wach ist, kann sich auf das Radio im Markt verlassen. Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten (zwischen Rap und Robbie Williams wurde über Sonderangebote informiert), aber die Lautstärke war dann doch etwas zu viel des Guten. Positiv: Durch die hohen Decken der Halle fällt schon um diese frühe Uhrzeit viel natürliches Licht in das Gebäude. Klarer Pluspunkt im Vergleich zu anderen Supermärkten.

Sortiment 

Direkt am Eingang wird man erinnert: Es ist bald Weihnachten. Die Zweitplatzierungen mit Lebkuchen, Kinder-Schokomännern und Coca-Cola-„Weihnachtsbaum“ wirken aufdringlich. Das gilt auch für andere Bereiche im Markt, die mit Aufstellern vollgestopft sind. Andererseits: Der Lindt-Weihnachtsmann für 2,99 Euro statt 5,99 Euro ist dann doch ein nettes Schnäppchen. Schon früh merkt man aber, dass sich der Hit-Markt nicht nur über den Preis abgrenzen will. Eine Saftpresse für Granatäpfel gibt es nicht in jedem Supermarkt. Auch frische Smoothies, Sushi und die Eispralinen O-Mochi aus der Kühltruhe zeigen, dass sich der Hit gegen die Lokalmatadore Edeka Kreuzberg und Edeka Goerzen sowie Globus in Sachen Exklusivität behaupten will. Das gilt vor allem für die 40 Meter langen Frischetheken, die um diese Uhrzeit gut bestückt und sauber sind. Wer will, kann hier wahlweise für die Mittagspause von der Heißen Theke ein Spießbraten-Brötchen mitnehmen oder sich den neuen Herbsttrüffel vorbestellen. Die Theken halten den hohen Standard, den sich die Dohle-Handelsgruppe bei der Eröffnung vor 16 Jahren selbst gesetzt hat.

Sauberkeit 

Was man von außen vermutet, bestätigt sich im Inneren: Die Immobilie ist reif für eine Generalüberholung. Besonders die dreckigen und teils kaputten Fließen in der Obst- und Gemüseabteilung sowie vor der Fischtheke lassen den Hit im Vergleich zur Konkurrenz im wahrsten Sinne alt aussehen.

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