„Die Branche hat nervenzerreißende Existenzangst“
Von Thomas Schaurer, Zukunftsinitiative WeinbauDie aktuelle Situation des Weinbaus ist dramatisch: Ohne sofortige Gegenmaßnahmen droht bis zu 50 Prozent der Winzerfamilien in Deutschland innerhalb weniger Wochen das wirtschaftliche Aus. Das wäre auch ein drohender Verlust für Kulturlandschaft und Identität. Doch die Weinbauverbände und ihre Präsidenten lehnten bis vor Kurzem die schonungslose Offenheit ab. Sie versuchten, die Existenzbedrohung unter den Teppich zu kehren. Die Zukunftsinitiative Deutscher Weinbau sieht das anders. Wir sehen die Bevölkerung als mündige Bürger, die wohl unterscheiden können, ob eine Branche auf hohem Niveau jammert oder wirklich nervenzerreißende Existenzängste hat. Wir sind davon überzeugt, dass die Bevölkerung das Recht hat zu erfahren, dass nun die Tage der Entscheidung anstehen, die Entscheidung darüber, ob und wie es mit dem Weinbau in unserem Land weitergeht.
Die Bevölkerung entscheidet: Schon eine zusätzliche Flasche deutscher Wein pro Kopf und Jahr anstelle einer importierten Flasche sichert die Zukunft der deutschen Winzerfamilien. Aktuell liegt der Konsumanteil bei nur 8 Liter deutschem Wein von insgesamt 20 Litern pro Kopf und Jahr.
„Schlagzeilen zu machen, ist nicht unser Ziel“
Von Christian Schwörer, Deutscher WeinbauverbandEs besteht kein Zweifel: Der deutsche Weinbau steckt in einer tiefen Krise. Die Betriebswirtschaft prognostiziert aktuell einen Rückgang von 30 Prozent der Rebflächen. Diese wissenschaftlich belegte Annahme wird von unserer Seite als Position der Wissenschaft kommuniziert. Für die Einschätzung der Zukunftsinitiative, dass innerhalb weniger Wochen bis zu 50 Prozent der Betriebe Insolvenz anmelden müssen, gibt es dagegen keine belegbaren Fakten. Der Vorwurf der Zukunftsinitiative, wonach wir die Lage beschönigen würden, ist für uns absolut nicht nachvollziehbar. Die Realität verschweigt niemand. Im Gegenteil, wir haben schon seit Jahren verbandsintern, aber auch der Politik das Szenario aufgezeigt und frühzeitig zum Handeln aufgefordert.
Der DWV steht seit Jahren in engem Austausch mit seinen Mitgliedern in den Regionen, der Betriebswirtschaft und den Marktforschern. Er bringt die Probleme kontinuierlich und deutlich in die politische Diskussion auf Bundes- und Landesebene sowie in Brüssel ein. Unser Ziel ist nicht, Schlagzeilen mit zugespitzten Zahlen zu machen, sondern nachhaltige Lösungen mit den politischen Entscheidungsträgern zu erarbeiten, die den Betrieben tatsächlich helfen.
