Beim Bezahlen an der Ladenkasse hat sich in den vergangenen 20 Jahren enorm viel getan. Statt mit Münzen und Scheinen zahlen viele Verbraucher mit Karte, Smartphone oder Smartwatch. Doch bezahlt wird weiterhin in der jeweiligen Landeswährung. Das muss nicht so bleiben, wie ein Blick in die Schweiz zeigt. Dort können die Kunden der Supermarktkette Spar nicht länger nur in Franken bezahlen, sondern auch mit Kryptowährungen. Nach einem Testlauf in Zug bieten jetzt bereits rund einhundert Filialen an, mit digitalen Währungen wie Bitcoin oder Ethereum zu bezahlen. Spar will die neue Bezahlmöglichkeit schrittweise in allen Märkten einführen.
Das Zahlen mit Kryptowährungen funktioniert nach Angaben von Spar ähnlich wie andere mobile Bezahlverfahren: Kunden scannen einen QR-Code an der Kasse und geben die Zahlung in ihrer Wallet-App frei. Neben Bitcoin und Ethereum akzeptiert Spar auch die digitalen Währungen USDC, DAI, USDT sowie wertstabile Kryptowährungen, sogenannte Stablecoins.
Edeka hat Thema auf dem Schirm
Hierzulande beobachtet Platzhirsch Edeka den Trend genau – und trifft bereits Vorbereitungen. „Es ist zu erwarten, dass die Einführung des digitalen Euro einen positiven Einfluss auf die Akzeptanz digitaler Zahlungsmethoden bei den Verbrauchern haben wird“, teilt der Handelsriese mit. Man berücksichtige bei den Überlegungen auch bestehende Risiken wie die hohe Volatilität von Kryptowährungen, die Unsicherheit mit sich bringe. „Trotz dieser Herausforderungen bereiten wir unsere Systeme darauf vor, dass langfristig eine Akzeptanz von digitalen Zahlungsmethoden möglich sein könnte.“ Die Erfahrungen aus der Schweiz dürften Edeka ermutigen. Spar teilt auf Anfrage mit: „Die Nachfrage ist spürbar vorhanden, die Option wird täglich genutzt, und wir beobachten einen klaren Aufwärtstrend.“ Besonders hoch sei die Nachfrage in Zug. Der kleine Kanton um die gleichnamige Stadt gilt als Millionärshochburg. Insgesamt zeige sich die höchste Nachfrage in der deutschsprachigen Schweiz. Laut Spar sind Kryptozahlungen für den Händler etwa zwei Drittel günstiger als andere unbare Zahlungsarten.
EHI-Umfrage zeigt Zögerlichkeit
Während Edeka sich vorbereitet und die Discounter Aldi und Lidl sich bedeckt halten, tun sich andere mit dem Gedanken schwer. Das legt eine Umfrage des EHI Retail Institutes aus diesem Jahr nahe. Darin gaben nur 2,4 Prozent der 132 befragten Einzelhandelsunternehmen an, das Thema Krypto sei für sie „relevant“. Weitere 12,7 Prozent sagten, die Technologie sei „eventuell interessant“. Für den Rest spielten Kryptowährungen keine Rolle. „Das Thema ist im Einzelhandel sehr, sehr weit weg“, meint EHI-Experte Horst Rüter.
Warum findet das Thema in der Schweiz mehr Anklang? Yassin Hankir leitet den Liechtensteiner Dienstleister Abpay, der Einzelhändlern das Bezahlen mit Kryptowährungen ermöglicht. Er vermutet: „Die gesellschaftliche Akzeptanz ist in der Schweiz um ein Vielfaches höher als in Deutschland.“ Hierzulande hafte dem Thema ein Schmuddel-Image an. Hankir ist aber hoffnungsvoll, dass sich das ändern wird. Der Grund: Die EU hat mit der Micar-Verordnung einen Regulierungsrahmen für die Kryptomärkte geschaffen.
Trend nicht verschlafen
Wenn es ums Bezahlen geht, gelten die Deutschen als Traditionalisten mit Faible für Bargeld. Und auch wenn das Zahlen mit Karte und Smartphone zunimmt, sind die Verbraucher anderswo aufgeschlossener. Da werden die Deutschen mit Kryptowährungen erst recht nicht warm werden, wird sich mancher Entscheider im Handel denken. Das könnte ein Fehler sein. Denn gerade unter den Jüngeren gibt es eine zunehmende Offenheit bei Finanzthemen. Mehr als jeder fünfte Millennial hat einer Umfrage zufolge in Kryptowährungen investiert. Warum ihnen nicht die Chance geben, damit zu bezahlen und sich so von der Konkurrenz abheben? Der Handel sollte den Krypto-Trend nicht verschlafen.
