Nachgefragt Effektive Maßnahmen

Die Schonung von Ressourcen wie Energie und Wasser ist ein wichtiges Fokusthema innerhalb des Nachhaltigkeits-Engagements des Lebensmittelhandels. Vor allem im Bereich Technik werden neue Konzepte getestet.

Freitag, 07. Oktober 2011, 00:00 Uhr
Lebensmittel Praxis

Ob drei Säulen, vier oder mehr. Die Nachhaltigkeits-Leitbilder des Lebensmittelhandels haben eines gemeinsam: das Thema Ressourcenschonung ist essenzielles Thema - aus ökologischen aber auch ökonomischen Gründen. So wurden in den vergangenen Jahren zahlreiche Maßnahmen zu Abfallvermeidung und -recycling, Wasser- und Energieeinsparungen umgesetzt, wie die Umfrage der LEBENSMITTEL PRAXIS unter den Handelsunternehmen ergab. Besonders schnelle Effekte werden in den Märkten den Erfahrung der Manager zufolge durch den Einsatz von energiesparenden Kühlmöbeln und Beleuchtungssystemen erzielt. Gefördert wird zudem der Einsatz alternativer Energien wie Wind-, Wasser- und Solarenergie. Erfolgreichste Stellschraube sei jedoch der Mitarbeiter, heißt es immer wieder. So könne der Energieverbrauch durch energiebewusstes Verhalten der Mitarbeiter zwischen 5 und 10 Prozent verringert werden.

Auch im Privatleben ist der Aspekt Nachhaltigkeit bei den Befragten längst zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Beliebt bei den Managern: Bio-Lebensmittel, Öko-Textilien und Fahrrad.

Die LEBENSMITTEL PRAXIS hakt nach:
  1. Welche Maßnahme zur Ressourcenschonung rechnet sich am schnellsten?
  2. Was tun Sie privat in Sachen Nachhaltigkeit

{tab=Edeka}

Markus Mosa, Vorstandsvorsitzender Edeka AG

1. Es gibt eine Vielzahl von Maßnahmen, die geeignet sind, rasch für ökologische und ökonomische Verbesserungen zu sorgen. Hierzu zählen insbesondere die Optimierung von Kühlanlagen, energieeffizientere Beleuchtungssysteme sowie Luft-/Wärmepumpen für die energieschonende Klimatisierung der Räume. Aber auch der stärkere Einsatz von alternativen Energien wie Solarenergie und Geothermie trägt zur Ressourcenschonung bei. Alle Maßnahmen führen in den rund 12.000 Märkten des Edeka-Verbundes zur kontinuierlichen Energieeffizienzsteigerung und Ressourcenschonung.

2. Der schonende Umgang mit Ressourcen unserer Erde – seien es Energie oder Lebensmittel – ist für mich auch im privaten Umfeld eine Herzensangelegenheit. Das Bewusstsein hierfür zu schärfen sehe ich als meine Verpflichtung gerade auch gegenüber meinen Kindern – und damit der nächsten Generation – an.

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Alain Caparros, Vorstandsvorsitzender Rewe Group

1. Es ist zu eng gefasst, wenn man Nachhaltigkeitsaktivitäten nur aus der Perspektive der schnellen Amortisation betrachtet. Wenn wir heute Ressourcen schonen, dann mag dies sogar zunächst mit höheren Kosten verbunden sein. Im Sinne einer langfristigen Strategie, wie sie die Rewe Group verfolgt, legen wir damit aber die Basis dafür, dass diese Ressourcen auch in Zukunft noch verfügbar und bezahlbar sind. Deswegen fördern wir zum Beispiel den Ausbau der Wind-, Wasser- oder Solarenergie. Nachhaltigkeit erreicht den größten Effekt, wenn sie von jedem unserer 310.000 Mitarbeiter aktiv mitgetragen und vorgelebt wird. Mit unserer „Hallo Erde!“-Aktionswoche im September haben wir zusätzlich unsere Kunden sensibilisiert. Gemeinsam sind wir stark; gemeinsam sind wir nachhaltig.

2. Ich versuche, wo immer möglich, Nachhaltigkeit im Alltag zu praktizieren. Ich vermeide unnötige Autofahrten, ich spare Strom und gehe sparsam mit Wasser um. Also eigentlich ganz alltägliche Dinge, die aber einen enormen Effekt entwickeln, wenn sie jeder tut. Daher spreche ich auch viel mit meinen Kindern über dieses Thema. Sie sollen Nachhaltigkeit als festen Bestandteil ihres Lebens erfahren. Wenn uns das gelingt, dann haben wir unsere Gesellschaft gewandelt.

{tab=Karstadt Perfetto}

Karl-Heinz Dautzenberg, Geschäftsführer Karstadt Perfetto

1. Am schnellsten rechnet sich der Einsatz von energiesparenden Kühlmöbeln und Beleuchtungen.

2. Privat betreibe ich eine intensive Mülltrennung sowie Eigenkompostierung. Wir besitzen ein wärmegedämmtes Haus, eine Regenwasserzisterne für Gartenbewässerung und setzen auf Solarenergie. Am Wochenende bleibt das Auto regelmäßig in der Garage, und ich steige aufs Fahrrad um.

{tab=Tegut}

Thomas Gutberlet, Vorstandsvorsitzender Tegut

1. Am schnellsten rechnen sich natürlich immer Verhaltensänderungen, die zu weniger Verschleiß bzw. zu Einsparungen führen, bevor große Investitionen in Technik oder Ladenbau getätigt werden, die sich erst in einigen Jahren amortisieren.

2. Privat gibt es zahlreiche Möglichkeiten, sich zu engagieren. Bewusstes Verhalten oder Verhaltensänderungen gilt es natürlich vor allem auch bei der Kindererziehung zu vermitteln. Aber insgesamt achte ich sehr darauf, meinen Konsum auf Nachhaltigkeit auszurichten. Das bezieht sich nicht nur auf Lebensmittel sondern auch auf Kleidung. Ich kaufe z.B. bevorzugt Öko-Textilien. In Fulda gibt es beispielsweise einen Anbieter, der klimaneutrale Hemden aus Bio-Baumwolle vertreibt (www.brainshirt.eu).

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Roland Neuwald, Geschäftsführer Real SB-Warenhaus GmbH

1. Energiesparmaßnahmen rechnen sich besonders schnell. Wir haben allein durch die energetische Sanierung unserer Märkte eine Stromeinsparung, die dem Jahresverbrauch von 18.000 Haushalten entspricht. Durch unsere Nachhaltigkeitsstrategie wollen wir noch mehr: von der Müllvermeidung und der Reduzierung von Abschriften bis hin zu neuen Entsorgungskonzepten.

2. Privat mache ich in Sachen Nachhaltigkeit sicher noch zu wenig, aber ich fange an, viele Dinge zu ändern: Zu Hause renoviere ich gerade und gehe das völlig anders an als vor zehn Jahren. Ich achte jetzt bei jeder Maßnahme darauf, woher die Materialien kommen, ob Ressourcen geschont werden und ob man Energie sparen und Emissionen verringern kann.


  1. Welche Maßnahme zur Ressourcenschonung rechnet sich am schnellsten?
  2. Was tun Sie privat in Sachen Nachhaltigkeit?

{tab=Edeka Südwest}

Harald Rissel, Sprecher der Geschäftsführung Edeka Südwest
1. Wir planen für jeden Um- oder Neubau ein individuelles, nachhaltiges Energie-Konzept. So pauschal können wir das also gar nicht benennen oder beziffern, schließlich sind die Voraussetzungen an jedem Standort unterschiedlich. Und die Rahmenbedingungen ändern sich mit der Zeit. Aber gerade bei diesem Thema sollte man kurzfristige Effekte sowieso nicht in den Vordergrund stellen.

2. Mir ist wichtig, das Prinzip vorzuleben und mit gutem Beispiel voranzugehen – beruflich und privat. Für mich fängt das schon bei vielen kleinen Dingen wie dem Konsum regionaler und saisonaler Lebensmittel an. Aber: nicht die einzelne Maßnahme zählt, sondern die Summe aller Aktivitäten.

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Dr. Michael Inacker, Vorsitzender Nachhaltigkeitsrat, Metro Group

1. Unser konzernweites Energiemanagement zählt zu den erfolgreichsten Stellschrauben unseres „nachhaltigen" Engagements. Wir haben unseren Energieverbrauch pro qm Verkaufsfläche 2010 um 2 Prozent verringert. Oft sind es einfache Maßnahmen, die Umwelt und Betriebskosten zu Gute kommen: So lässt sich der Energieverbrauch eines Verkaufsstandortes allein durch energiebewusstes Verhalten der Mitarbeiter um bis zu 10 Prozent verringern. Dazu schulen und motivieren wir unsere Mitarbeiter.

2. Privat konsumiere ich bewusst und versuche, dies auch meinen beiden Kindern zu vermitteln. Bei Obst, Gemüse und Fleisch achten wir z.B. auf Bio-Qualität, bei Fisch auf das MSC-Siegel.

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Carsten Koch, Geschäftsführer Edeka Nord

1. Wir haben als Genossenschaft eine generationenübergreifende Verantwortung in Sachen Werteschaffung und Werteerhalt. Es handelt sich also prinzipiell um eine Zielsetzung mit extremer Langfristigkeit, die über Klimaschutz und C02-Themen weit hinausgeht. Am schnellsten rechnen sich auf Einzelhandelsebene folgende Maßnahmen: Photovoltaik, Energieeinsparung durch bauliche Veränderungen und Wärmerückgewinnung. Auf Großhandelsebene gilt dasselbe, ergänzt um Einsparungspotenziale im Bereich von Logistik und Fuhrpark.

2. Ich bin Hobbyforstwirt und versuche über eine entsprechende Bewirtschaftung, reichlich neue Bäume zu pflanzen.

{tab=DM Drogerie-Markt}

Erich Harsch, Vorsitzender der Geschäftsführung DM Drogerie-Markt

1. Tendenziell natürlich, aufgrund des Multiplikatoreffekts, die Maßnahmen in unseren mehr als 1.250 dm-Märkten in Deutschland, zumal wir dort auch die meisten Menschen erreichen können. Und die Wirkungen im Bewusstsein der Menschen sind das eigentlich Entscheidende, denn es geht nicht um Rechenexempel, sondern um Investitionen in unsere Zukunft. Daran muss man glauben – und nicht aufwendige Kosten/Nutzen-Rechnungen erstellen. Deshalb engagieren wir uns zusammen mit der Deutschen UNESCO-Kommission für tausende Nachhaltigkeitsinitiativen. Je mehr Menschen ein Bewusstsein für Nachhaltigkeit bilden und sich persönlich einbringen, desto schneller wird das Thema auch wirtschaftlich. Wir arbeiten natürlich auch intensiv an unseren internen Projekten wie z.B. der hundertprozentigen Umstellung auf Ökostrom der Elektrizitätswerke Schönau für unsere dm-Märkte oder unsere Recyclingsysteme in den Verteilzentren und den Märkten sowie viele weitere Maßnahmen zur Res sourcenschonung in der Supply Chain.

2. Als Privatmensch versuche ich stets, mir Zeit zu nehmen für Menschen, die mir wichtig sind und die mir soziale und menschliche Verbundenheit geben. Und ich steige gerne statt ins Auto öfter mal aufs Rad. Beim Konsum achte ich darauf, keine verschwenderischen Wegwerfreste zu hinterlassen und nutze natürlich die Bio-Lebensmittel unseres tollen Alnatura-Sortiments.


  1. Welche Maßnahme zur Ressourcenschonung rechnet sich am schnellsten?
  2. Was tun Sie privat in Sachen Nachhaltigkeit?

{tab=Rewe Dortmund}

Heinz-Bert Zander, Vorstandssprecher Rewe Dortmund

1. In unserem Zentrallager tauschen wir sukzessive die Beleuchtung aus. Alte Neonröhren werden gegen moderne Leuchten mit dem Leuchtmittel TL5 und elektronischen Vorschaltgeräten ausgetauscht. Die Amortisationszeit liegt bei unter zwei Jahren. Auch im Einzelhandel amortisiert sich diese Maßnahme schnell. Im Bereich der Kühlungen lohnt sich die Investition in moderne Techniken. Bei bestehenden Anlagen sollte man alte Lüfter gegen moderne Energiesparlüfter austauschen. Es ist auf jeden Fall sinnvoll, frequenzgesteuerte Verdichter einzusetzen. Bei Neuanlagen sollte mit Wärmerückgewinnung gearbeitet werden. Im Bereich der Gebäudetechnik lohnt es sich, eine integrierte Gebäudeleittechnik einzusetzen. Wir werden Anfang 2012 unser erstes „Green Building" in Iserlohn eröffnen. Hier arbeiten wir mit modernster Kühltechnik mit dem Kühlmittel C02. Wir beleuchten vollständig mit LED-Leuchten. Tageslichteinfall spielt eine große Rolle. Die Baustoffe sind nachhaltig und zum Lebensende des Bauwerkes gut recycelbar. So wird z. B. sehr viel Holz eingesetzt. Das ganze Objekt kommt ohne eine Heizung, die fossile Brennstoffe benötigt, aus.

2 . Wir beziehen Grünstrom und verwenden sehr viele Bio-Produkte aus dem Rewe-Sortiment.
{tab=Edeka Hessenring}
Hans-Richard Schneeweiß, Vorstandssprecher Edeka Hessenring

1. Das fängt doch bei den ganz banalen Sachen an, die eigentlich selbstverständlich sein sollten. Licht aus in Räumen, die nicht genutzt werden. Heizung nachts und am Wochenende runter. Auch mit kaltem Wasser (und Seife) werden die Hände sauber.

2. Ich halte mich an diese Regeln, und zudem esse ich auch Lebensmittel mit abgelaufenem MHD.

{tab=Kaufhof}

Thomas Storck, Geschäftsführer Galeria Kaufhof

1. In Sachen Nachhaltigkeit sind die Information und die Sensibilisierung unserer Mitarbeiter zum bewussten Umgang mit Ressourcen ein zentraler Baustein unseres Engagements. Oft können schon mit vergleichsweise einfachen Mitteln beachtliche positive Effekte für die Umwelt und die Wirtschaftlichkeit erzielt werden. So spart die Umstellung unserer Tragetaschen auf Recyclingmaterial sowohl Kosten als auch Ressourcen.

2. Meine Familie und ich achten aber auch privat auf Nachhaltigkeit: Lebensmittel sind bei uns zumeist solche aus biologischem Anbau, und die Kinderkleidung wurde häufig aus Bio-Baumwolle hergestellt. Außerdem wohne ich mit meiner Familie in einem Niedrigenergie-Haus.

{tab=Edeka Südbayern}

Hans-Georg Maier, Vorsitzender der Geschäftsführung Edeka Südbayern

1. Stetige Sensibilisierung der Mitarbeiter in Bezug auf den effizienten Einsatz von Energie. Denn im Arbeitsalltag haben Mitarbeiter den Hebel in der Hand, den Energieverbrauch zu begrenzen. Ohne jeden Komfortverlust und ohne Investitionskosten können dabei erfahrungsgemäß bis zu 5 Prozent des Energieverbrauchs eingespart werden.

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