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Cactus Gründer-Touch - Seite 2

Markus Oess | 06. September 2010

Im kleinen Luxemburg ist das Familien-Unternehmen eine Macht: Mit mehr als 31 Prozent Marktanteil ist Cactus der zweitgrößte Arbeitgeber im Land. Was den Händler so besonders und als „Lokalmatador“ erfolgreich macht.

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Mit welchen Erwartungen sind Sie ins neue Jahr gestartet?
Die ersten beiden Monate waren durch das kalte Wetter geprägt. Ich denke aber, dass wir in Summe unser Vorjahresniveau halten oder sogar leicht verbessern können.

Sie wollten von 2009 bis 2011 ca. 200 Mio. Euro in die Standorte investieren, bleibt es dabei?
Ja, an unseren Investitionsplänen werden wir festhalten. So werden wir hier am Belle-Etoile die Mall vergrößern und planen in Esch-Lallingen ein drittes Einkaufszentrum, einen weiteren Supermarkt in Windhof und einen Ersatzstandort in Redange sowie zwei Shoppi-Geschäfte. Zudem wollen wir die Produktion von Schnékert, unserem Fine-Food-Angebot, erweitern.

Der größte Batzen, 100 Mio. Euro, fließt in das Einkaufszentrum Esch-Lallingen, wann planen Sie die Eröffnung?
Das hängt von den Behörden ab, wann wir mit dem Bau beginnen können. Wir mussten zunächst unseren Baumarkt dort abreißen, um Platz zu bekommen für das neue Objekt. Mitte 2013 soll es so weit sein.

Dennoch die Frage, wenn man auf die aktuellen Entwicklungen schaut, hat sich die Großfläche überlebt?
Das ist in Frankreich ein großes Thema, hier aber noch nicht. Unsere Stärke ist, dass wir alle Größen beherrschen, von der Großfläche wie Belle-Etoile bis zu den kleinen Nachbarschaftsmärkten und der wohnortnahen Versorgung wie die neueste Generation, der C-Marchés in Schifflingen zeigt. Die Tatsache aber, dass wir allein 40 Prozent unseres Umsatzes mit unseren beiden Einkaufszentren machen, zeigt, dass die Großfläche sich nicht überlebt hat.

Wie positioniert sich Cactus auf der Großfläche?
In Belle-Etoile haben wir insgesamt 15.000 qm Verkaufsfläche für Lebensmittel, Consumer-Electronics, Baumarkt und Gartencenter. Wir bieten eine Mischung aus Warenhaus und Hypermarkt mit 100.000 Artikeln. Wir verfügen über ein gewachsenes, individuell auf den Standort zugeschnittenes Sortiment mit dem catcus-typischen Auftritt: freundlich service-orientiert und kompetent. Wir bewahren uns ein Stück Gründer-Touch und das seit mehr als 40 Jahren. Richtig ist aber auch, dass Sie den richtigen Standort für die Großfläche benötigen.

Haben die Supermärkte bis 1.000 qm nicht bessere Wachstums-Chancen?
Luxemburg erlebt, wie andere westliche Volkswirtschaften auch, einen demografischen Wandel, der das Wachstum größerer Flächen nachfragebestimmt limitiert. Wir haben gleichzeitig exorbitant hohe Grundstückspreise, da haben kleinere Flächen zwangsläufig bessere Entwicklungs-Chancen, zumal in diesem Segment noch mehr Freiräume bestehen. Hier sind wir mit unseren C-Marchés (1.000 qm Verkaufsfläche, nur SB, wohnortnah) und den neuen Convenience-Stores Shoppi ganz gut aufgestellt.

Luxemburg ist ein gesättigter Markt, wie schaffen Sie es, die teils mächtige Konkurrenz aus dem Ausland auf Distanz zu halten?
Schon vor zehn, fünfzehn Jahren galt der Markt in Luxemburg als gesättigt, wir aber sind glücklicherweise auch mit dem wirtschaftlichen Wohlstand im Land gewachsen. Sicher ist der Kuchen verteilt. Aber er ist absolut betrachtet größer geworden. Davon haben wir profitiert und ich sehe keinen Grund, allzu pessimistisch in die Zukunft zu schauen. Was die Konkurrenz betrifft, gilt das Gesagte. Wir sind schnell, flexibel und kennen unsere Kunden sehr genau.

Was heißt in diesem Zusammenhang Regionalität?
Wir achten darauf, unsere Lieferanten einzubinden, die regionale Wirtschaft zu stärken, als Arbeitgeber und als Abnehmer. Wir haben die Regionalität nicht erfunden, aber wir füllen Sie mit Glaubwürdigkeit aus. So haben wir seit zehn Jahren eine Kooperation mit Bauern aus der Region, die uns mit Rindfleisch beliefern. Wir sind verlässlicher Partner für die Erzeuger von Lebensmitteln, geben den Erzeugern in unserer Werbung ein Gesicht und heben uns damit von dem Massenmarkt ab.

Welche Zukunft hat der Discounter im Land, in der Krise legt diese Vertriebsform gemeinhin zu?
Aldi ist traditionell stark. Auch Lidl zeigt Präsenz. Andererseits kommt Colruyt, der auf seinem Heimatmarkt in Belgien der Konkurrenz das Fürchten lehrt, auch nicht voran und betreibt noch immer nur einen Standort. Sicher legen die Discounter zu, aber sie werden nicht die Bedeutung erlangen wie in Deutschland.